Krickenbach
Halbzeit beim Bildhauersymposium
Die Halbzeitbilanz im Steinbruch Picard ließ die Besucher bei den vergangenen Ausgaben des internationalen Bildhauersymposiums des Vereins Skulpturen Rheinland-Pfalz nicht selten staunen. Staunen ob des Fortschrittes der Arbeiten, manchmal aber auch wegen der Strecke, die offensichtlich noch vor den Künstlern lag. Dabei wurden hinter vorgehaltener Hand auch schon mal Bedenken geäußert, ob das Kunstwerk denn rechtzeitig fertig werden würde. Diesmal ist das freilich ganz anders.
In weit fortgeschrittenem Stadium präsentieren sich die Skulpturen der drei Symposiumsteilnehmer. Hochkonzentriert und technisch versiert sei das Trio dabei in den vergangenen zwei Wochen zu Werke gegangen, verlautete denn auch aus dem Organisationsteam mit Symposiumsgründer Jürgen Picard und seinem Sohn, Steinbruchchef Martin Picard. „Technisch top, menschlich eine Wonne“, brachte letzterer Arbeitsweise wie Atmosphäre der Aktion in seiner kurzen Begrüßungsrede auf den Punkt. Immer wieder sei das turnusmäßige Zusammentreffen mit der internationalen Künstlerschar, die ja nicht nur im Steinbruch arbeitet, sondern auch noch weiter unten im Tal bei und mit den Picards lebt, eine echte Bereicherung für die Familie.
Drei Generationen am Werk
Stellvertretend für die Künstler formulierte der „Senior“ des Trios, der mexikanisch-spanische Bildhauer Carlos Monge Sanchez (Jahrgang 1947), empathische Dankesworte. Noch nie habe er sich auf den vielen Symposien, die er mitgemacht habe, „so zu Hause, wie in einer Familie, gefühlt“. Und weiter: „Sie helfen uns, unsere Träume Gestalt werden zu lassen.“
Neben Monge nehmen der Deutsch-Österreicher Stefan Esterbauer (Jahrgang 1978) und der junge Pole Jan Jaworski-Brach (1998) bei dieser 15. Ausgabe des Traditionssymposiums teil. Drei Künstlergenerationen also, die einen durchweg unterschiedlichen Ansatz verfolgen.
Dunkles und helles Licht
Auf glattgeschliffene, kunstvolle Oberflächen und Wellenbewegungen setzt dabei Carlos Monge. Noch liegt seine runde Skulptur am Boden, sie wird in den kommenden Tagen gedreht, um auch die andere Seite bearbeiten zu können. Wenn sie erst einmal wie ein großes Rad aufrecht steht, wird der Lichteinfall ständig wechselnde Schattenwirkungen hervorrufen. Monge selbst, der mit seinen Arbeiten auf die Verflechtung von Kunst und Leben(sumgebung) abzielt, spricht dabei nicht von Licht und Schatten, sondern von „dunklem und hellem Licht“. Ebenso bezieht er sich in seinem entstehenden Werk „New Dawn“ (in Deutsch: neue Morgendämmerung) auf Meereswellen.
„Kultiviert“ Monge den „rohen“ Sandsteinquader in Gänze durch den Schliff, so setzt Stefan Esterbauer die Rauheit des Materials bewusst in Kontrast zu seiner Gestaltung: Die Außenseiten seines Quaders lässt er unbearbeitet, mit allen Bruch- und Bohrspuren, die Innenseiten dagegen offenbaren ein feines, ästhetisches Linienspiel und glatte Flächen. „Die Seele des Menschen ist unzerbrechlich“ nennt Esterbauer seine interaktive Skulptur, die „zum Be-gehen, Be-sitzen und Be-stehen“ einlade.
Glatte Oberflächen findet man bei der Arbeit „Die Haut, in der ich bin“ von Jan Jaworski-Brach nicht. Kein Wunder, bezieht sich der junge Pole doch auf menschliche Haut, genauer die Netzhaut und bei dieser auf jenen Punkt, an der der Sehnerv aus ihr hervortritt. Quasi in Großaufnahme stellt sein gewölbter Stein jene Stelle dar, mit all den feinen Strukturen, die er minutiös in das Material meißelt. Wie seine Kollegen, so hat auch er den Stein mehr als schon in Form gebracht. Die kommenden beiden Wochen sind also eher dem Feinschliff gewidmet und können entspannt angegangen werden.
Entspannung ist angesagt
Entspannt ist auch die Lage beim veranstaltenden Verein. Zumindest, was die Finanzen betrifft. Die Reduzierung von fünf auf drei Künstler sei notwendig gewesen, so Vereinschef Christopher Naumann. Auf rund 60.000 bis 70.000 Euro veranschlagt er das Budget, das man größtenteils zusammengebracht habe. Eine andere Neuerung stehe dagegen auf dem Prüfstand.
So wurde das Symposium von seinem angestammten Termin in den Sommerferien auf die Zeit danach, die Wochen vom 28. August bis zum 28. September, verschoben. Allerdings sei der Besucherzuspruch, was auch beim Bergfest deutlich erkennbar war, geringer ausgefallen. Man wolle jetzt noch die Finissage (28. September, 15 Uhr, im Steinbruch Picard) abwarten und dann gegebenenfalls umsteuern. Immerhin folgten heuer noch rund 80 Besucher Naumanns Rundgang zu den drei Skulpturen, begleitet vom Trio „Buskers Deluxe“ um den Mainzer Pianisten Simon Höneß.
Große Freude in Relsberg
Unter den Kunstfreunden weilte dabei einer, der sich besonders freute – Uwe Welker, Beigeordneter im Ortsgemeinderat Relsberg. Grund seiner Begeisterung: Stefan Esterbauers Skulptur wird in seiner Gemeinde einen Platz finden und zwar einen ganz besonderen. Da die Ortschaft im Landkreis Kusel an der Grenze zum Donnersbergkreis und zum Kreis Kaiserslautern liege, habe man einen 400 Meter hohen Platz mit Aussicht sowohl auf den Donnersberg wie auf den Betzenberg gewählt.
Auf die Monge-Skulptur kann sich derweil ZAK-Vorstand Jan Deubig freuen, soll sie doch im Eselsbachtal am Ende des ZAK-Geländes ihre neue Heimat finden. Nun harrt nur noch die Netzhaut von Jan Jaworski-Brach auf einen Kommunalpolitiker mit Weitblick, der neben den Kosten auch den immensen Nutzen von Kunst vor Augen hat.