Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Grünen-Kandidat Michael Kunte: „Mehr Geld für Wissenschaft und Studium“

Für Michael Kunte ein prägender Ort: Die Fruchthalle ist für ihn ein Sinnbild für Demokratie.
Für Michael Kunte ein prägender Ort: Die Fruchthalle ist für ihn ein Sinnbild für Demokratie.

Michael Kunte sagt von sich: „Ich war schon immer ein Grüner.“ Das Klima und die Demokratie liegen ihm am Herzen. Jetzt will er in den Landtag und dort etwas bewegen.

Michael Kunte ist selten laut. Er ist eher jemand für die leisen Töne. Der Vater von zwei Töchtern im Schulalter will mit Sachargumenten überzeugen. Geboren in Wiesbaden, kam er 1999 als Student nach Kaiserslautern, lernte die Stadt in den fünf Jahren bis zu seinem Abschluss kennen und lieben. Für ihn und seine Frau sei es daher schon fast selbstverständlich gewesen, wieder zurückzukehren, als sich die Möglichkeit 2014 eröffnete. Seit 2017 ist er an der Universität Geschäftsführer eines Sonderforschungsbereichs in der Mathematik. „Man hat hier wirklich alles, viel Natur drum herum. Die Stadt ist nicht zu groß, man hat kurze Wege“, findet der 47-Jährige, der gerne mit dem Rennrad unterwegs ist.

„Ich war schon immer ein Grüner“, sagt Kunte über sich selbst. Gleichwohl kam er erst spät in die Politik. 2018 trat er bei den Grünen ein, für sie sitzt er seit 2019 im Kaiserslauterer Stadtrat. Nun tritt er als Direktkandidat im Wahlkreis 45 an, seine Partei hat ihn auf Listenplatz 20 gesetzt. „Ich komme aus der Klimabewegung“, erzählt er. Der Schutz der Natur habe ihn politisiert. Vor allem von den vielen jungen Menschen, die sich in der Fridays-for-Future-Bewegung engagierten, habe er sich damals mitziehen lassen und sich so für ein aktives politisches Engagement entschieden.

„Demokratie ist gefährdet“

Eine Entwicklung treibt ihn besonders um: „Demokratie und Demokratieerhalt“ sind ihm ein besonderes Anliegen. Beides stehe angesichts populistischer Parteien auf dem Spiel. „Unsere freiheitliche, rechtsstaatliche Demokratie ist die Grundlage der heutigen Gesellschaft.“ Aus der Demokratie leite sich alles andere ab – Mitbestimmung durch Wahlen, der Schutz von Minderheiten oder die Berücksichtigung von Bürger- und Umweltbelangen bei Themen wie dem Bauen, nennt er Beispiele.

Bei der Frage nach einem Kernthema für die Wahl muss Kunte nicht lange überlegen. Aus seinen beruflichen Erfahrungen weiß er, dass das Geld auch an den Universitäten immer knapp ist, es eine bessere Grundfinanzierung braucht. Sie sei Voraussetzung für Spitzenforschung, die es brauche, um im Wettbewerb um Studierende und Forschende attraktiv zu bleiben. „Wir müssen in Rheinland-Pfalz mehr Geld für die Wissenschaft und das Studium in die Hand nehmen“, fordert Kunte.

Überhaupt sei das Thema Bildung ein wichtiges. Die Schulen müssten besser ausgestattet werden – neben ausreichend Lehrern, brauche es auch Unterstützung durch Sozialarbeiter und Schulpsychologen. „Ich bin sehr für kleine Klassen, insbesondere in den Realschulen plus. Der Unterricht im Bereich Deutsch als Zweitsprache muss auch wirklich stattfinden, darf nicht ausfallen“, sagt Kunte. Denn die Sprache sei Grundlage der Integration. Auch gebe es zu wenig Integrierte Gesamtschulen im Land. „Ich bin sehr für ein langes gemeinsames Lernen. Das betrifft auch den inklusiven Unterricht“, sagt er.

Land soll sich für Energie- und Mobilitätswende stark machen

An Themen wie Energiewende und Förderung des ÖPNVs und des Radverkehrs kommt Kunte als Grüner nicht vorbei. „Wir brauchen die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern, weil das auch Unabhängigkeit von Lieferanten wie den USA oder Russland bedeutet.“ Rheinland-Pfalz sei da schon gut aufgestellt: 64 Prozent des Stroms werden laut Kunte aus erneuerbaren Energien gewonnen. „Es ist wichtig, dass die Leute vor Ort finanziell an der Energiegewinnung beteiligt werden“, das schaffe Akzeptanz, die häufig bei Themen wie dem Bau von Windrädern oder PV-Anlagen auf Feldern fehle. „Ich bin nicht dafür, das überall hinzuglotzen. Am besten sind solche Anlagen auf Dächern. Aber wir kommen nicht ohne Freiflächen-PV aus“, sagt Kunte. Die Kommunen müssten bei energetischen Sanierungen, Begrünung oder Entsiegelung als Vorbilder vorangehen. Kunte würde das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI) gerne fortsetzen. Durch das Förderprogramm des Landes seien Projekte wie der Schulhofumbau am Rittersberg-Gymnasium in Kaiserslautern umgesetzt worden. „Wir brauchen auch Förderprogramme, um die Sanierung des eigenen Häuschens bezahlbar zu machen“, sagt er.

Für Kunte, der in der Stadt meist mit dem Fahrrad unterwegs ist, das eigene Auto aber noch nicht abgeschafft hat, ist „Mobilität ein weiteres Thema, für das ich mich einsetze“. Der Öffentliche Personennahverkehr müsse ausgebaut werden, das Land müsse stärker ins Radnetz investieren, sich beispielsweise an Pendlerradrouten „mehr direkt finanziell beteiligen“, damit der Umstieg auf neue Mobilitätsformen attraktiv werde.

Zur Sache: Der Wahlkreis 45

Der Wahlkreis 45 (Kaiserslautern II) umfasst die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt sowie vom Landkreis Kaiserslautern die Verbandsgemeinden Enkenbach- Alsenborn und Otterbach-Otterberg sowie die Verbandsgemeinde Lambrecht im Landkreis Bad Dürkheim.

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