Kaiserslautern
Glücksfall Gartenschau, Sorgenkind Waschmühle
Es gibt für Journalisten Termine, die sind bewegend. Das habe ich kürzlich mal wieder so empfunden, als ich mit dem früheren Geschäftsführer der Landesgartenschau, Matthias Schmitt, über das Gelände zwischen Neumühlepark und Kammgarn spaziert bin. Wir sind quasi gemeinsam in Erinnerungen geschwelgt. Es waren besondere Tage, als vor 25 Jahren in Kaiserslautern die Landesgartenschau eröffnet wurde. Da war binnen kürzester Zeit auf einem heruntergekommenen Areal eine blühende Landschaft entstanden. Die Lauterer hatten plötzlich einen Park mitten in der Stadt, da plätscherte die Lauter, Kinder und Erwachsene hatten einen Riesenspaß. Und das Tolle ist: Das großzügige Gelände ist uns erhalten geblieben. Zunächst ging es unter städtischer Regie weiter, mit Thomas Zinßmeister an der Spitze, dann übernahm im Jahr 2009 die Lebenshilfe. Sie machte die Gartenschau unter der Regie von David Lyle nicht nur zu einer Dauereinrichtung, sondern schuf obendrein, und das ist besonders, einen Integrationsbetrieb. Menschen mit Beeinträchtigungen kamen so in Arbeit, sie stemmen die Gastronomie im Brauhaus, gärtnern, helfen dabei, das weitläufige Areal in einem extrem gepflegten Zustand zu halten.
Heute zählt die Gartenschau im Jahr 500.000 Gäste, ist ein Besuchermagnet, über 110 Menschen sind dort beschäftigt. Das ist für Kaiserslautern eine Erfolgsgeschichte. Ebenso wie der Japanische Garten, der etwa zur gleichen Zeit entstanden ist. Heute empfinden wir es als normal, dort unsere Freizeit zu verbringen. Es ist aber wichtig, auch mal zurückzublicken. Die Landesgartenschau hat Kaiserslautern nachhaltig verändert. Zum Positiven. Das sollten sich auch all jene in Erinnerung rufen, die immer nur schimpfen. Schade nur, dass das kaum vermarktet wird. Die Stadt ist ja bekanntlich aus der Pfalz Touristik ausgestiegen. Kocht ihr eigenes Süppchen, um Besucher in die Stadt zu navigieren. Ich behaupte mal: mit mäßigem Erfolg.
Besser vor Ort das Einkaufserlebnis suchen
Apropos vermarkten. Ich habe mich kürzlich mal wieder dazu verleiten lassen, ins Fashion Outlet nach Zweibrücken zu fahren. Ich hatte das lange nicht gemacht. Aber an einem Samstag gönnte ich mir einen ausgedehnten Einkaufsbummel, kehrte mit einigen Tüten heim. Aber wie das halt so ist: In Ruhe betrachtet, hatte ich da so manch ein Schnäppchen gemacht, das gar nicht meinem Stil entspricht. Also wieder ins Auto gesetzt und hingefahren, um ein paar Teile umzutauschen. Was dann passierte, war ernüchternd: Das Gros der Geschäfte gibt kein Geld zurück, sondern stellt nur Gutscheine aus. Das heißt, man wird gezwungen, wiederzukommen. Das gefällt mir gar nicht, um es freundlich auszudrücken. Wobei mir natürlich klar ist, dass es kein Recht auf Umtausch gibt. Aber das ist genau der Punkt, an dem der Kaiserslauterer Einzelhandel ansetzen kann. Mit Service. Mit besonderen Aktionen. Mit Kulanz. Mit Freundlichkeit. Es gibt in der Stadt sogar Geschäfte, die die Ware zur Ansicht mit nach Hause geben. Genau so funktioniert Kundenbindung. Wobei der Onlinehandel natürlich all das ad absurdum führt.
Bei der Waschmühle drängt sich ein Verdacht auf
Absurd ist auch, was sich die Stadtverwaltung in Sachen Freibäder leistet. In der kommenden Woche macht zwar das Warmfeibad auf, bei der Waschmühle aber müssen sich die Wasserratten noch länger gedulden. Gestern erst wurde mit dem Wassereinlass begonnen. Damit ist klar: In der Wesch geht es frühestens Mitte Juni mit dem Badespaß los. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Warum kommt es im schönsten Freibad der Stadt immer wieder zu Verzögerungen, Jahr für Jahr? Das ist eine Zumutung, auch für den Kioskbetreiber beispielsweise. Und was ist mit dem Personal? Muss das jetzt Urlaub nehmen? Oder hat die Stadt, um Geld zu sparen, Badeaufsichten erst für Mitte Juni eingestellt? Fakt ist: So verprellt man Stammgäste. Und irgendwann heißt es dann, das Warmfreibad hat viel mehr Zulauf, die Waschmühle ist zu vernachlässigen. Ist das etwa das Ziel? Der Verdacht drängt sich leider auf. Zumal es für das späte Öffnen keine Erklärungen gibt. Ich frage mich auch, ob irgendwer im Rathaus eigentlich wertschätzt, welch einen Schatz wir mit der Waschmühle haben. Ein Bad mit so viel Atmosphäre gibt es weit und breit nicht. Die vielen Anhänger des Kultbades sollten langsam mal auf die Barrikaden gehen.