Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Gerüstet für den Notfall: Wo gibt es beim Blackout in Kaiserslautern Hilfe, wie kann ich vorsorgen?

Vor knapp vier Jahren gab es einen Stromausfall in einem großen Teil der Innenstadt – für rund 15 Minuten. Doch was ist, wenn er
Vor knapp vier Jahren gab es einen Stromausfall in einem großen Teil der Innenstadt – für rund 15 Minuten. Doch was ist, wenn er länger anhält und mehr Menschen betrifft?

Was passiert, wenn in Lautern die Lichter ausgehen: Ist das Stromnetz der SWK geschützt? Wie ist das Krisenmanagement? Was können die Bürger tun? Die RHEINPFALZ hat Antworten.

Als am vergangenen Donnerstag Bauarbeiter auf eine Bombe stießen, sprang sofort die Maschinerie für Krisen in der Stadt an: In der Leitstelle der Feuerwehr liefen die Informationen darüber zusammen, was passiert war und wo evakuiert werden muss. Stadt, Feuerwehr und Polizei rückten aus. Bürgermeister Manfred Schulz, zuständig für Recht und Ordnung, erlaubte sich kurz nach dem Bombenfund am Telefon den Scherz: „Ich habe überlegt, ob ich Tennis spielen gehe ...“ Doch natürlich tat er es dem Regierenden Bürgermeister Berlins während des dortigen Stromausfalls nicht gleich, sondern eilte in die Leitstelle, um sich einen Überblick zu verschaffen und harrte dann im Stadion mit den Evakuierten bis zur Bombenentschärfung gegen 23.15 Uhr aus.

Wer hat bei einer Krise wie einem tagelangen Stromausfall die Leitung?
Bei solchen „Schadensereignissen größeren Umfangs, Krisen und Katastrophen hat die Gesamtleitung die Oberbürgermeisterin“, erklärt Matthias Thomas, Pressesprecher der Stadt. Sie bedient sich dann dem Verwaltungsstab, dem neben den Dezernenten beispielsweise Polizei, Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) und Bundeswehr angehören, und dem Führungsstab der Feuerwehr.

Im Gegensatz zu einem Bombenfund kann einem totalen Stromausfall eher vorgebeugt werden. Was tun die SWK, damit es nicht soweit kommt?
„Spätestens seit der Energiekrise sind wir auf solche Szenarien gut vorbereitet“, sagt SWK-Sprecherin Dorothea Schröder. Die Devise: „Ein Großteil der Systeme ist redundant ausgeführt. Verteilnetze sind in der Regel ringförmig oder vermascht aufgebaut.“ Das heißt: „Fällt eine Leitung aus, kann der Strom über eine andere umgeleitet werden.“ Ein großer Vorteil in Kaiserslautern ist zudem, dass das Netz hauptsächlich aus Kabel- und nicht aus Freileitungsnetz besteht, deswegen also physisch schwerer angreifbar ist.

Kann ein Totalausfall damit ausgeschlossen werden?
„Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gibt es vereinzelt neuralgische Punkte, die nicht in jedem Fall abgesichert werden können“, sind sich die SWK bewusst. Deswegen werden die Anlagen permanent überwacht. Details könne Schröder „aus Sicherheitsgründen“ nicht nennen. Außerdem finden laut SWK regelmäßig Sicherheitsüberprüfungen statt, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren, beispielsweise Penetrationstests: Dabei versucht ein beauftragter Dienstleister, sich in das Netz zu hacken oder es physisch anzugreifen. Zusätzlich werde ein gut etabliertes Krisenmanagement durch Übungsszenarien fortlaufend für einen Ernstfall geschärft.

Kann bei einem Komplettausfall ein Notstromsystem temporär und punktuell ein wenig Strom liefern?
In solchem Fall kann eine temporäre und punktuelle Stromversorgung nur in sehr begrenztem Umfang sichergestellt werden, antwortet Schröder. Auch hier nennt sie aus Sicherheitsgründen keine konkreten Maßnahmen. Die Entscheidung darüber, welche Bereiche dann versorgt werden, erfolge im Krisenstab.

Wo findet die Bevölkerung im Notfall warme Räume, Strom, Wasser ...?
Nachdem die Stadt den Aufbau von „Wärmeinseln“ für eine mögliche Energiekrise aufgegeben hat, arbeitet sie nun an einem neuen Konzept für die Krisenbewältigung, informiert Thomas. Bestimmte Gebäude und öffentliche Plätze im gesamten Stadtgebiet sollen als Anlaufstellen dienen; diese „Leuchtpunkte“ sollen die Abgabe von Notrufen sowie die Informationsweitergabe sicherstellen. „Bisher wurden die Feuerwehrgerätehäuser in den Ortsteilen vorgesehen. Notstromaggregate für eine minimale Versorgung wurden beschafft.“ Ein sukzessiver Ausbau weiterer „Leuchtpunkte“ sei geplant.

Wie erhalten die Bürger im Notfall Informationen?
Die Stadt informiert über „Presse, soziale Medien, Informationsmaterialien, diverse Warn-Apps sowie künftig auch durch die Verteilung von Flyern über bestehende Notfallpläne und empfohlene Verhaltensregeln“, antwortet Thomas. Bei einem kompletten Stromausfall sollen künftig Sirenen auch vorab definierte Sprachdurchsagen automatisiert wiedergeben; dieses Netz ist derzeit im Aufbau. Außerdem setzt die Stadtverwaltung auf den Selbstschutz und die Eigenvorsorge der Bürger: „Durch verstärkte Aufklärung wird die Bevölkerung in die Lage versetzt, sich in den ersten Stunden einer Schadenslage selbst zu helfen, bevor staatliche Unterstützung zur Verfügung steht.“ Dies werde auch vom Bund zunehmend betont. Thomas nennt als Beispiele die Ausstellung zur Informationskampagne „Bleib bereit“ im Oktober 2025 im Rathausfoyer und einen Infostand am „Tag der offenen Tür“ bei der Feuerwehr im September.

Es gibt keine bundes- oder landesweiten Standards für Krisen, jede Kommune muss selbst einen Plan erstellen. Fände die Stadt ein übergeordnetes Konzept sinnvoller?
Ein übergeordneter Plan für alle Akteure würde die Reaktionsfähigkeit verbessern, Ressourcen würden effizienter genutzt und Doppelarbeit würde vermieden, listet Thomas Vorteile auf. Jedoch gebe es auch Nachteile, wenn ein zu starrer Rahmen lokale Besonderheiten nicht ausreichend berücksichtigt und die Flexibilität der Kommunen einschränkt. Deshalb plädiert die Lauterer Stadtverwaltung für einen hybriden Ansatz: einen Rahmen mit grundlegenden Standards, der ausreichend Spielraum für lokale Gegebenheiten lässt.

Wie kann jeder Einzelne für den Notfall selbst vorsorgen?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat Empfehlungen, die die Lauterer Stadtverwaltung unterstützt. Demnach sollte jeder Haushalt sich für mindestens zehn Tage selbst versorgen können; ein Vorrat für drei Tage wird jedoch bereits als hilfreich erachtet. Die wichtigsten Punkte sind: pro Person mindestens zwei Liter Wasser pro Tag, haltbare Lebensmittel, nötige Medikamente und Hygieneartikel, Bargeld, gegebenenfalls Futtervorrat für Haustiere, eine alternative Kochgelegenheit wie ein Gasherd, ein solar- oder batteriebetriebenes Radio und Kurbelradio – gibt es auch mit Taschenlampe, Powerbank kombiniert –, Warn-App auf dem Handy und geladene Powerbank, netzunabhängiges Heizgerät.

Sind Ordnungsamt und Polizei vermehrt im Einsatz, da bei Dunkelheit, inaktiven Alarmanlagen und leeren Häusern Einbrüche zu befürchten sind?
Aufgrund der originären Aufgaben des Ordnungsamtes ist der Kommunale Vollzugsdienst grundsätzlich in die Umsetzung spezieller Maßnahmen involviert, erwidert der Stadtsprecher. „Im Fall einer Krisensituation kann es zudem erforderlich sein, dass die Ordnungsbehörde verstärkt zum Einsatz kommt, beispielsweise zur Bewachung und Bestreifung von gefährdeten Bereichen.“ Bisher und auch künftig gebe es gemeinsame Planbesprechungen mit Polizei, Stadtverwaltung und Abteilung Feuerwehr und Katastrophenschutz.

Versorgungsbetriebe wie die SWK unterliegen der Transparenzpflicht; mit der Offenlegung vieler Daten machen sie sich jedoch leichter angreifbar. Befürworten die SWK deshalb eine Änderung?
„Es ist ein Spagat“, fasst Schröder zusammen. „Die gesetzliche Pflicht zur Offenlegung steht dem Schutz sensibler Infrastrukturen gegenüber.“ Deshalb teilen die SWK die Ansicht ihres Verbandes bdew (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie allgemein und fordern „eine umfassende und praxistaugliche Neubewertung bestehender Transparenzpflichten“.

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