Kaiserslautern
Gartenschau Kaiserslautern kämpft ums Überleben
Im Grunde kann David Lyle zufrieden sein. Sehr sogar. Wenn nur die Sache mit dem lieben Geld nicht wäre. „Die Gartenschau ist nach wie vor ein Publikumsmagnet, die Menschen lieben sie“, sagt der geschäftsführende Vorstand der Lebenshilfe Westpfalz. Die Besucher kommen aus ganz Rheinland-Pfalz und sogar von weiter her, was an den Nummernschildern der Autos auf den Parkplätzen abzulesen ist. Vor allem Familien mit Kindern steuern laut Lyle den Park zwischen Neumühlepark und Barbarossawoog an, im Schnitt sind es 500.000 Besucher im Jahr. „An Wochenenden bei schönem Wetter ist die Gartenschau immer voll“, sagt der Mann, der viele Ideen hat.
„Wir haben alles richtig gemacht“
Der Blick zurück fällt positiv aus: „Unsere Vision war im Jahr 2008 bei der Übernahme, hier zusammen mit der Stadt als Mitgesellschafterin der Gemeinnützigen Integrationsgesellschaft Kaiserslautern einen Ort der Begegnung zu schaffen und gleichzeitig Menschen mit Beeinträchtigungen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze anzubieten. Das hat funktioniert, da haben wir alles richtig gemacht“, so Lyle. Die vergangenen Jahre seien geprägt gewesen von Ehrlichkeit und Offenheit in der Zusammenarbeit. „Aber ob die Gartenschau dauerhaft Bestand haben wird, liegt nicht mehr in meiner Hand als Geschäftsführer. Die wirtschaftliche Lage ist auf Kante genäht. Bislang haben wir nur deshalb überlebt, weil wir querfinanziert haben, durch das Schaffen neuer Geschäftsfelder wie Waschstraße, Tankstelle und Lego-Onlinehandel an der Pariser Straße. Das hat auch deshalb funktioniert, weil die Zinsen niedrig waren und die Aktion Mensch uns geholfen hat“, fasst Lyle zusammen. Aber jetzt gehe die Schere zu sehr auseinander. „Ich finde keine Lösungen mehr. Wir sind in Not.“
Lyle will keine Zahlen nennen. Dem Vernehmen nach beträgt der jährliche Betriebskostenzuschuss der Stadt für die Gartenschau 900.000 Euro, sie übernimmt zudem die Kosten für einen Grünflächentrupp. Der Zuschuss ist seit 17 Jahren nicht erhöht worden, das ist laut Lyle das Problem.
„Wir haben schon Personal reduziert, auf knapp 70 Beschäftigte, die Hälfte davon sind beeinträchtig. Wir sind ein erfolgreicher Inklusionsbetrieb. Aber mit weniger Mitarbeitern kommen wir nicht aus“, betont der Mann, der überzeugt davon ist, dass von der Gartenschau die ganze Region profitiert. Gerne würde er das Personal besser bezahlen. „Geht aber nicht“, sagt er.
Gärten auf Kaiserberg werden zurückgebaut
Das Gelände ist Lyle zufolge in einem sehr ordentlichen Zustand. „Wenn wir das Niveau nicht mehr halten können, werden wir von den Gästen abgestraft.“ Den Kaiserberg könne sein Team aber nicht mehr so unterhalten wie bisher, „das schaffen wir nicht. Deshalb bauen wir peu a peu die Themengärten zurück“. Der Kaiserberg bleibe dennoch ein wichtiger Bestandteil, auch mit der Weidenkirche. „Er zieht eher Menschen an, die Ruhe suchen“, erläutert Lyle. Auch ein gastronomisches Angebot gibt es dort nach wie vor.
Im Laufe der Jahre vieles umgekrempelt
„Unser Dilemma ist, dass wir immer etwas Neues anbieten müssen. Das können wir aber derzeit nicht, aufgrund der wirtschaftlichen Situation.“ Dennoch hadert Lyle nicht: „Bislang waren das sehr gute Jahre. Als wir die Gartenschau übernommen haben von der Stadt, haben wir vieles umgekrempelt. Haben einen ganz neuen Eingangsbereich geschaffen mit dem Brunnen, wir haben viel investiert, fünf Millionen Euro.“ Diese Kosten lasten noch heute auf der Gartenschau, sie sind nicht getilgt. „Wir haben damals die Spielanlagen erweitert, die Wege erneuert, die Skaterbahn gebaut, wir haben die Gastronomie und die sanitären Anlagen im Neumühlepark errichtet, da standen vorher nur Container“, fasst Lyle die Entwicklung zusammen. Bis zu 100 Veranstaltungen finden bis heute pro Saison auf der Gartenschau statt, gerade läuft das große Kürbisfestival. Was ihm wichtig ist: Mit Unterstützung der Stadtwerke kann die Gartenschau Familiensaisonkarten für 35 Euro im Jahr anbieten.
Stadt zahlt weiter Miete für Veranstaltungshalle
Und die Veranstaltungshalle? Bei dem Thema wird Lyle kleinlaut. „Sie ist Bestandteil unseres Konzepts, wir brauchen eine große Halle für 1000 Leute, vor allem als Ausweichquartier, wenn es bei Veranstaltungen regnet.“ Die Idee sei gewesen, dass die Stadt über Winter eine Eisbahn dort anbietet und die Halle in dieser Zeit von der Gartenschau anmietet. „Mit der Miete haben wir kalkuliert, eine Win-win-Situation – und es war günstiger für die Stadt. Das hat funktioniert.“ Zuletzt habe sich die Stadt leider für eine Eisbahn auf dem Messeplatz mit einem externen Betreiber entschieden – zahlt die Miete aber weiter. „Das war alles nicht glücklich, doch jetzt ist es so. Der Stadtrat hat das so entschieden. im Grunde gehört die Halle jetzt über Winter der Stadt, wir versuchen dort Firmenfeiern reinzuholen, so lange die Halle von der Stadt nicht komplett vermarktet wird“, erläutert der Gartenschau-Chef.
