Landtagswahl
FW-Kandidat Gerhard Rupprath: „Brauchen eine Politik frei von Ideologie“
Gerhard Rupprath, zarte 80 Jahre alt, ist ein Shootingstar. „Schicksalhaft“, so beschreibt er seinen rasanten Aufstieg. Und ja, die Geschichte dieses Mannes, der da im Juni 2024 die politische Bühne betritt, klingt schon ziemlich verrückt. Als ihn die Bürger damals in den Kaiserslauterer Stadtrat hieven, ihn, den „Newcomer“ (O-Ton), katapultieren sie Rupprath von Listenplatz 30 auf die Vier – dabei hatte er gar nicht für sich geworben. Keine Plakate, kein Facebook, nichts. Angetreten war er auf einer aussichtslosen Position. Gestrandet: im Spitzenkreis seiner Partei, der Freien Wähler (FW). Damit beginnt eine unverhoffte Politkarriere, die heute, im März 2026, vorerst in der Kandidatur für den Mainzer Landtag gipfelt. Rupprath, der Überflieger. „Ich hatte einen Vertrauensvorschuss“, sagt er über seinen Erfolg, „und den muss man dann auch erfüllen“. Das sei „wie im Beruf.“
Gutes Stichwort, Beruf. Wahrscheinlich lässt sich allein mit seiner Popularität erklären, warum Rupprath im Juni 2024 so viele Stimmen mehr auf sich vereinen konnte, als es die Liste erahnen ließ. Über 27 Jahre hatte der Chefarzt die Kinderklinik in Kaiserslautern geführt. Der Herzspezialist, ein gebürtiger Thüringer, betreute geschätzt 34.000 Patienten – und rettete unzählige Leben. Vertrauen, sagt er, schafft Beliebtheit.
„Ich hänge mein Fähnchen nicht in den Wind“
Ein Dienstag im Februar, 11 Uhr. Auf seinem Anwesen im Uni-Wohngebiet serviert Rupprath Filterkaffee, schwarz, ohne Zucker. Gerade war er noch beim Fitnesstraining, davor auf dem Tennisplatz. Sport, die große Leidenschaft. Am Abend des 22. März also könnte er in den rheinland-pfälzischen Landtag einziehen, als Gewinner im Wahlkreis 44. Seine Chancen? „Nicht ganz real“, glaubt er. „Unter zehn Prozent.“ Über die Landesliste ist ein Mandat ja so gut wie ausgeschlossen, da haben ihn die Freien Wähler nur auf Platz 27 gesetzt. Wenn er aber dran denkt, als ältester Abgeordneter die erste Plenarsitzung zu eröffnen, dann blitzt ein Lächeln auf – Träumen darf erlaubt sein. „Ich bin kein Berufspolitiker, ich hänge mein Fähnchen nicht in den Wind“, betont Rupprath. Er stehe „für eine Politik frei von Ideologie und Zwängen“. „Viele Parteien denken, man müsse den Menschen sagen, was sie zu tun haben. Sie an der Hand durchs Leben führen. Das gibt’s bei uns nicht.“
Natürlich liegt ihm, dem einstigen Leiter der Kinderklinik, ein Thema besonders am Herzen: das Gesundheitswesen. Hier allerdings sei das Land „im Blindflug“ unterwegs, was die medizinische Versorgung betrifft, moniert Rupprath.
Keine freien Praxistermine, eine überalterte Ärzteschaft, Krankenkassen „im Kontrollwahn“, die lückenhafte Pflege – an wie vielen Gebrechen könne ein Sektor eigentlich lahmen? Das Problem, kritisiert der Freie Wähler, sei in der Landeshauptstadt zu finden, in Mainz. Dort würden medizinische Kompetenzen gebündelt, die Westpfalz aber: werde vernachlässigt. „Es müssen Gelder locker gemacht werden, um eine breitere Ausbildung in die Region zu bringen“, fordert Rupprath. Neue Studiengänge an der RPTU, Kooperationen mit Uni-Kliniken, aufgestockte Lehrplätze für Fachpersonal – dafür wolle er sich einsetzen. Genauso für das Westpfalz-Klinikum: eines „der besten Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz“, meint er. Nur durch Finanzspritzen aus Mainz könne die Einrichtung mit mehr Beschäftigten ausgestattet werden.
Bürokratie abbauen, Ministerien zusammenlegen
Und da landet der FW-Kandidat bei einem Dilemma, mit dem sich jeder Kaiserslauterer Politiker auseinandersetzen muss: den Schulden der Stadt. Man könne sich das angeschlagene Klinikum bloß leisten, wenn diese getilgt werden, sagt Rupprath. In der Pflicht sei das Land, und selbstverständlich zitiert er einen Satz, der längst zum festen Repertoire seiner Partei gehört: „Wer bestellt, bezahlt!“ Bürokratie abbauen, Ministerien miteinander verschmelzen – genügend Sparpotenziale sehe er jedenfalls in der Staatskanzlei. Zwei Bereichen dürften Land und Kommunen dabei niemals den Geldhahn zudrehen, warnt Rupprath: der Kultur und dem Sport. Verwundern wird die Aussage niemanden. Er selbst bekleidet das Amt des Vorsitzenden beim TC Caesarpark. Seine Ehefrau, Antonietta Jana, arbeitet als Sängerin und Berufsmusikerin.
„Kultur ist doch prägend für die Leute!“, mahnt der Arzt in Rente. „Sie unterscheidet uns von Robotern und der KI. Sie macht die Stadt attraktiv.“
Mit seinen 80 Jahren ist Gerhard Rupprath der bei weitem älteste Bewerber im Wahlkreis 44 – und trotzdem ein Neuling, wie er mal sagte. An diesem Vormittag versichert er: „Mainz war nie mein nächstes Ziel.“ Aus dem Nichts wurde er eines Abends vorgeschlagen von den FW. Er nahm an, na klar. Politische Überraschungen, damit kennt sich Rupprath ja inzwischen aus.
Wahlkreis 44
Der Wahlkreis 44 umfasst die kreisfreie Stadt Kaiserslautern ohne die Ortsbezirke Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern und Siegelbach sowie ohne die ehemaligen Ortsbezirke Betzenberg und Lämmchesberg/Universitätswohnstadt.