Kaiserslautern
Fritz-Walter-Schule: Neues Bildungsprogramm setzt auf Lernen im Wald
„Ich mag den Wald so gerne, hier riecht es so gut“, meint Artur. Finn stimmt ihm zu, und sein Lob klingt schon sehr erwachsen: „Die Natur ist so schön.“ Allerdings müsse man wegen der Wurzeln aufpassen, mahnt er. Sechs Jungen und fünf Mädchen der Fritz-Walter-Schule, einer Einrichtung mit Förderschwerpunkt Lernen, haben an diesem Morgen die Schulbank gegen den Wald auf dem Bännjerrück getauscht. Aus Ästen und Reisig haben sie auf dem Boden einen Kreis angelegt, auf dem sie zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Sabine Korst und drei weiteren Betreuerinnen Platz finden.
Die Kinder klopfen mit Steinen, reiben Zweige aneinander oder schlagen auf Holz. Jeder Ton klingt etwas anders. Heute steht Musik für die Zweitklässler auf dem Stundenplan. Das Ziel des Unterrichts ist es, drei Musikinstrumente aus Fundstücken zu bauen, die der Wald bereitwillig hergibt. „Wenn ihr euch anstrengt, kommt etwas Spannendes dabei heraus“, verspricht Waldpädagogin Nora Jankowski. Nach der Aufforderung, Astgabeln zu suchen, flitzen alle sofort los. Karin Heinze, pädagogische Fachkraft, hat Knöpfe und bunte Perlen mitgebracht, über die sich nicht nur die Mädchen freuen. Am Ende soll eine Rassel entstehen, die vielleicht schon ein bisschen rhythmisch klingt, aber auf jeden Fall laut sein darf.
Fünf Projekttage bis Juni
Alle, die hier mitmachen, sind Teil eines neuen Umwelt-Bildungsprojekts der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Vor dem Start von „Walddetektive – Unterricht im Wald“ hätten sich landesweit 400 Schulen beworben. 50 davon seien im März per Los ausgewählt worden, so Jankowski. „Und wir sind so froh, dazuzugehören“, erklärt Integrationskraft Meike Hesch. An fünf Projekttagen von März bis Juni möchte man Kinder für den Lebensraum Wald sensibilisieren.
Wie lebendig das „neue Klassenzimmer“ wahrgenommen wird, beweisen die Förderschüler selbst am besten. Sie begrüßen jede neue Aufgabe mit Begeisterung, hören aufmerksam zu und lernen spielerisch, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Ganzheitlich erleben sie das natürliche Umfeld. Die Mädchen und Jungen, die im normalen Schulalltag oft an ihre Grenzen stoßen, können hier ihrem Bewegungsdrang gerecht werden und ihre Kreativität entwickeln.
Gefördert vom Umweltministerium
Auch Fächer wie Mathematik und Deutsch werden mit allen Sinnen „erforscht“. Lernen im Wald fördere die Konzentration und erschließe neue Wege des Denkens, Erfahrens und Gestaltens. Darin sind sich die Betreuerinnen einig. Das Projekt wird zu 80 Prozent vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz gefördert und von Landesforsten unterstützt.
Nach viel Bewegung ist es Zeit für das zweite Frühstück. Alle setzen sich auf einen liegenden Baumstamm und packen ihre Brote aus. Viel Gesundes ist dabei und wird mit großem Appetit vertilgt. Alle reden angeregt durcheinander. Jeremy meint, dass er manchmal ein bisschen Angst vor einem Wolf habe. Denn er wisse genau, dass es mittlerweile durchaus Wölfe in Deutschland gibt. „Aber Gott sei Dank hier in Kaiserslautern nicht.“ Dann beißt er herzhaft und ganz beruhigt in sein Brot und genießt den frühen Sonnenstrahl, der gerade auf seiner Nase tanzt.