Kaiserslautern Flüchtlinge nehmen Angebot wahr
Einmal mehr sind in der kühleren Jahreszeit die Sozialkaufhäuser gefragt. Nicht nur Geringverdiener, vom Studenten über den Arbeitslosen bis hin zum Rentner, sind es, die sich für das Warenangebot interessieren. Seit einigen Wochen suchen verstärkt Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge die Sozialkaufhäuser auf. Sie decken sich mit warmer Kleidung und Haushaltsgegenständen ein.
Ralf Geiß, Marktleiter im St.-Christophorus-Warenkorb der Caritas in der Berliner Straße, verzeichnet seit drei bis vier Monaten eine verstärkte Nachfrage von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Sie kommen aus den zentralen Einrichtungen im Asternweg, dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt und der Unterkunft im Bürger-Büsing-Haus in Erzhütten. Überwiegend Männer seien es, die alleine oder in Gruppen mit einem Betreuer vorsprechen. „Nachgefragt wird Winterkleidung. Warme Jacken, Mäntel, Schuhe.“ Für Geiß eine praktikable Lösung sind die Gutscheine über 25 Euro, die Asylbewerber erstmals vom Arbeits- und Sozialpädagogischen Zentrum (ASZ) in Absprache mit dem Referat Soziales der Stadt erhalten. Im Wert von 25 Euro könne sich jeder nach Belieben mit Waren eindecken, erklärt Geiß. Die Preisspannen über die Sortimente hinweg seien niedrig. Ein paar Schuhe ist ab einem Euro, eine Jeans für 2,50 Euro erhältlich. Die Flüchtlingswelle wird noch lange nicht zu Ende sein, schätzt der Marktleiter die aktuelle Situation ein. „Wir versuchen, den Kontakt zu den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, zu halten und ihnen mit Händen und Füßen zu helfen.“ Ein Blick in die Verkaufsräume des Warenkorbs zeigt: Das Angebot ist vielfältig, die Präsentation nach Warengruppen übersichtlich und ansprechend. Einen Vergleich mit handelsüblichen Verkaufsflächen braucht der Warenkorb nicht zu scheuen. Woran es mangelt, ist Bekleidung für Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Für das Fest des Jahres rechtzeitig zusammengestellt und hübsch präsentiert, gibt sich ein kleiner Weihnachtsmarkt mit allem, was man sich als Advents- und Christschmuck vorstellen kann. „Der Weihnachtsmarkt ist sehr beliebt und in der Regel schnell ausverkauft“, weiß Geiß. Das Secondhand-Warenhaus der Neuen Arbeit Westpfalz in der Pariser Straße trägt nicht nur den Namen „Schatzkiste“. Es wartet in der Tat mit günstigen gebrauchten Überraschungen auf. Ob Kleidung oder Hausrat, Möbel oder Spielwaren, Wohnaccessoires oder Teppiche, die Schatzkiste gleicht einer Fundgrube für jedermann. Auch in der Einrichtung des Ökumenischen Gemeinschaftswerkes Pfalz verzeichnet die Leiterin Gabi Schellhammer seit einem viertel Jahr eine zunehmende Nachfrage durch Asylbewerber und Flüchtlinge. Die Lösung mit den Einkaufsgutscheinen ist für sie eine gute Sache, die allen Beteiligten gerecht wird. Die Kommunikation funktioniere mit ein wenig Englisch und Französisch. „Notfalls mit den Händen.“ Aktuell wird Winterkleidung nachgefragt. Nicht einfach gestalte sich die Auswahl der Kleidung von Männern. Deutsche Männer seien größer und kräftiger als männliche Flüchtlinge. Secondhand-Kleidung werde vor dem Verkauf in der hauseigenen Wäscherei frisch gewaschen, verweist Schellhammer auf einen Service des Hauses. Nicht nur Sozialleistungsbezieher und Flüchtlinge sind es, die den Weg zur Schatzkiste der Neuen Arbeit Westpfalz finden. Nostalgieanhänger und Trendsetter, Menschen mit Spaß am Stöbern und Finden sind es, die die übersichtlich gegliederte und mit herbstlicher Dekoration ausgestattete große Verkaufsfläche aufsuchen. Eine große Auswahl an gebrauchten und gut erhaltenen Kleidungsstücken, Haushaltsgeräten und Möbeln bietet das „Fairness-Kaufhaus“ nahe dem Stadtpark. Auf 40 Prozent schätzt Geschäftsführer Joachim Geimer den Anteil von Flüchtlingen an seiner Kundschaft. Menschen, für die das große Warenangebot zum Teil eine fremde Welt sei. Entsprechend seien sie verunsichert, wenn sie den Laden betreten. „Wir sprechen sie an und heißen sie bei uns willkommen“, sagt Geimer. Kleidung und Haushaltsgeräte seien gefragt. Die Lösung mit den Einkaufsgutscheinen für Asylbewerber sei ideal. Jeder könne sich nach Bedarf selbst etwas aussuchen. Ist ein Gutschein eingelöst, erhält der Kunde im Fairness-Kaufhaus eine Rabattkarte, die ihm bei weiteren Einkäufen zehn Prozent Nachlass gewährt. Möbel seien in der Regel gefragt, wenn Asylbewerber anerkannt sind und eigene vier Wände beziehen. Ergänzt wird das Angebot durch ein Food Sharing, bei dem Lebensmittel vor dem Verfall an Kunden abgegeben werden. Seit Ende August lädt das Fairness-Kaufhaus freitags 11 bis 14 Uhr zu einem Flüchtlingscafé ein. Für montags und mittwochs, jeweils 9.30 bis 11 Uhr, hat Geimer einen Sprachkurs für Flüchtlinge organisiert. Er wird von einer pensionierten Lehrerin geleitet. (jsw)