Kaiserslautern
Fitness in der Villa Jaenisch: Paula Redondo eröffnet „Villa Barree“
Die Villa Jaenisch, in prominenter Höhenlage an der Kreuzung von Benzinoring und Morlauterer Straße gelegen, gehört zu den architektonischen Prunkstücken Kaiserslauterns. Anfang des Jahres 2025 haben Peter und Max Steingaß die 1913 im neoklassizistischen Stil erbaute Villa gekauft. Die Zwillinge, die aus der Familie des Entsorgungsunternehmens Becker stammen, wollen dem prächtigen Gebäude zu neuem Glanz verhelfen und es wieder mit Leben füllen.
Und da kommt Paula Redondo ins Spiel. Die 29-Jährige hat über eine Freundin von der Villa erfahren – und als sie die wunderschönen Räume im Erdgeschoss sah, wusste sie gleich: Hier will ich ein Studio eröffnen. Die zweifache Mutter, die früher selbst Leistungssport betrieben hat, berichtet, dass Barre-Training in Großstädten bereits sehr angesagt sei. Dieses Workout an der vom Ballett bekannten Stange, auch Barre genannt, verbindet Elemente aus Pilates, Yoga und Krafttraining zu einem hocheffektiven Ganzkörpertraining.
„Ich gehe oft mit Freundinnen zum Sport. Meist fehlt die Gelegenheit, uns hinterher auszutauschen“, schildert Paula Redondo. Deswegen will sie in dem rund 180 Quadratmeter fassenden Studio den Teilnehmerinnen der Kurse auch die Möglichkeit bieten, sich auszuruhen und miteinander zu kommunizieren. So entstand die Idee zu „Villa Barree – Sports und Health Club“. Ursprünglich wollte sie das Studio bereits im April öffnen – doch es kam anders.
Mehrere Interessenten für Räume in Villa Jaenisch
Peter Steingaß hat mit der Erneuerung und Umgestaltung des mehr als 100 Jahre alten, hochherrschaftlichen Gebäudes schon so seine Erfahrungen gemacht: „Es ist deutlich mehr Aufwand als gedacht.“ Das Souterrain, das von unten, aus Richtung Rathaus gesehen, wie das Erdgeschoss wirkt, wollen die Besitzer am liebsten gastronomisch nutzen: als Weinbar mit Café oder auch als Hochzeitslocation. Erst vor Kurzem haben sie die Genehmigung für diese Nutzung bekommen, erläutert Steingaß. Vor dem geplanten Umbau und dem Start des Studios habe man die Abwasserleitung überprüfen lassen: Etliche Äste waren durchgewachsen, sie musste erneuert werden. Bei den Arbeiten sei auch noch die Hauptgasleitung gekappt worden. Viele unerwartete Aufgaben also – die aber den Vorteil gebracht hätten, dass nun auch der Hof neu gepflastert werden kann. Dieser soll auch als Freisitz für das Studio im Erdgeschoss dienen.
Für die Räume dort habe es mehrere Interessenten gegeben, schildert Peter Steingaß. Doch Paula Redondo und ihre Pläne für die „Villa Barree“ bezeichnet er als „perfektes Match“. Das weitläufige Fitnessstudio werde den Räumlichkeiten gerecht. Dort, wo ehemals eine Rechtsanwaltskanzlei mit zehn Arbeitsplätzen war, präsentiert sich jetzt ein offener Raum mit vielen Spiegeln an den Wänden. Das Parkett glänzt wie neu, die original erhaltenen Einbauschränke können für das Sport-Zubehör genutzt werden. Die alten Kronleuchter zieren wieder die Holz-Kassettendecke. In der modern gestalteten Umkleide steht noch der alte blaue Kachelofen. „Es ist genau das, was wir uns vorgestellt haben“, sagt Steingaß erfreut.
Café: Gesundes mit Blick aufs Fritz-Walter-Stadion
Paula Redondo möchte so bald wie möglich loslegen. Für das sportliche Kurs-Angebot hat sie Trainerinnen angestellt, sie selbst möchte das Café übernehmen und leiten. Gemeinsam mit ihrer Mutter, mit der sie in München bereits eine Bistro-Vinothek geleitet habe. Viele der Einrichtungsgegenstände von dort kommen nun zu neuen Ehren: die prächtige Kaffeemaschine ebenso wie die auf dem Flohmarkt zusammengewürfelten Bistro-Stühle und -Tische. Im ehemaligen Brunnenzimmer mit grünen Kacheln und Wasserspeier im Erker zur Ludwigstraße hin lässt es sich besonders schön sitzen – mit direktem Blick zu Humbergturm und Fritz-Walter-Stadion.
Hinter der Theke des Aufenthaltsbereichs führt eine Tür in die ehemalige Anreiche der hochherrschaftlichen Villa. In den ebenfalls original erhaltenen Schränken mit Glastüren und Ausziehböden können Mengen von Geschirr verstaut werden. Dahinter geht es in eine modern ausgestattete Gastronomieküche. Darin soll künftig Gesundes wie frisch gepresste Säfte und Smoothies, Salate, Bowls und belegte Brote zubereitet werden, schildert Paula Redondo. Im Außenbereich können die Kundinnen und Kunden sich bei schönem Wetter aufhalten, direkt vor der Tür gibt es Parkplätze.
In Kaiserslautern stimmt das Umfeld
Kenny Prince und Paula Redondo stammen beide aus München und leben seit sechs Jahren in Kaiserslautern. Verheiratet sind sie seit 2017, zwei Söhne gehören zur Familie: Der Ältere kommt in diesem Jahr in die Grundschule, der zweite besucht den Kindergarten. Auch wenn sich die Hoffnung auf eine Vertragsverlängerung Kenny Prince Redondos beim FCK nicht erfüllt hat, will seine Frau mit den Kindern in der Pfalz bleiben. „Wir fühlen uns sehr wohl hier“, versichert Paula Redondo. In Kaiserslautern haben sie sich ein Haus gekauft und umgebaut, auch Paulas Mutter ist vor zwei Jahren hergezogen, wohnt mit der Familie zusammen und unterstützt sie. Das Ehepaar lebte zuvor in München und Berlin. Doch in Kaiserslautern habe es nun einen Standort gefunden, wo das Umfeld stimme und die Kinder gut aufwachsen können.
Das freut den gebürtigen Pfälzer und Hausherrn Peter Steingaß natürlich. Ebenso, dass es mit der Villa Jaenisch, die ihm und seinem Bruder sehr am Herzen liegt, vorangeht – auch wenn man für die Nutzung des Untergeschosses noch keine Lösung gefunden habe. Für ein Café oder eine Weinbar, in der man edle Tropfen aus der Vorderpfalz und kleine Gerichte anbieten könnte, habe man noch keinen Betreiber. Doch das sei kein Beinbruch, sagt Peter Steingaß: „Wir wollen unserem Konzept treu bleiben und nichts erzwingen. Es muss einfach passen.“

