Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Führung zu FCK-Gräbern: Von Fans, Förderern und Fritz Walter

 Werner Kohlmeyer war ebenfalls Teil der berühmten Walter-Elf. Zu m 100. Geburtstag am 19. April wurde an einem für ihn aufgeste
Werner Kohlmeyer war ebenfalls Teil der berühmten Walter-Elf. Zu m 100. Geburtstag am 19. April wurde an einem für ihn aufgestellten Gedenkstein eine Gedenkstunde abgehalten, an der auch Kohlmeyers Enkel teilgenommen hatte.

Rolf Conrad hat eine außergewöhnliche Tour zusammengestellt: eine über den Kaiserslauterer Hauptfriedhof zu den Gräbern von Fußballspielern, Fans und anderen, die mit dem 1. FC Kaiserslautern zu tun hatten. Dabei präsentiert er zahlreiche Anekdoten von den Kartoffelspielen bis zum Walter-Wetter.

Den ersten Friedhof für Fans hat der Verein Boca Juniors aus Buenos Aires ins Leben gerufen. Dort dürfen nur Blumen in den Vereinsfarben abgelegt werden. Der Hamburger SV war der erste Verein in Deutschland, der 2008 einen eigenen Fan-Friedhof in der Nähe des Stadions angelegt hat. Seit 2012 hat Schalke 04 einen solchen Friedhof, er sieht aus wie ein Fußballfeld. Der FC Barcelona hat eine Halle mit 20.000 Urnen im Stadion, Fans des FC Chelsea können ihre Asche im Stadionrasen vergraben lassen. Der 79-jährige Rolf Conrad, leidenschaftlicher FCK-Fan und Teammitglied des Fritz-Walter-Museums, sprudelt nur so vor Infos. Wer mit ihm in Sachen FCK auf dem Friedhof unterwegs ist, erlebt eine vergnügliche, kurzweilige Zeit.

Wie kam es zu den Führungen? Conrad berichtet, Jenö Buzánsky, der 1954 im WM-Endspiel mit der ungarischen Mannschaft der deutschen Elf unterlegen war, sei regelmäßig am Todestag von Fritz Walter nach Kaiserslautern gekommen und habe einen Kranz an dessen Grab niedergelegt. 2002 sei die Frage aufgekommen: Wer liegt alles vom FCK auf dem Lauterer Hauptfriedhof? Und Rolf Conrad machte sich an die Arbeit, konzipierte eine Führung, tatkräftig unterstützt vom Friedhofsamt.

Wer würde glauben, dass es mehr als 60 Gräber mit Bezug zum FCK dort gibt? Nicht nur von Spielern, sondern auch von vielen anderen mit bekannten und weniger bekannten Namen. Fans sind ebenso darunter wie ein Platzwart und Trainer.

Kerze am Geburts- und Todestag aufgestellt

Die Liebe zum FCK wurde Conrad in die Wiege gelegt. Denn sein Onkel Albert spielte bis 1935 selbst auf dem Betze. Nach dem Krieg sei dieser immer zu Werner Liebrich gegangen – und der kleine Rolf ging mit. Liebrich wurde im Elterngrab beigesetzt, nicht weit von der Mauer an der Mannheimer Straße entfernt. Auf dem Grab steht noch die Kerze vom Fritz-Walter-Museum. „Die stellen wir immer am Geburts- und Todestag auf“, erzählt Conrad. Schon etwas verblichen ist ein Kranz mit der ungarischen Flagge, die eine Delegation dort abgelegt hat. Zu jedem Grab hat der agile Fast-80-Jährige eine oder mehrere Geschichten parat. Etwa die, dass Liebrich in den sechziger Jahren auch die Fußballmannschaft der Bundeswehr trainiert hat.

Thomas Schwehm war kein FCK-Profi, aber ein großer Fan der roten Teufel. Auf einem Grabstein (links) ist der Betzeteufel, auf de
Thomas Schwehm war kein FCK-Profi, aber ein großer Fan der roten Teufel. Auf einem Grabstein (links) ist der Betzeteufel, auf dem anderen der Liedtitel »You’ll never walk alone« eingemeißelt.

In einem Rasengrabfeld ganz in der Nähe ist die Urne von Seppel Piechotta beigesetzt. Der habe ursprünglich beim VfR Kaiserslautern gespielt, sei dann aber bei den „Roten Jägern“ gewesen, die 1965 gegründet worden und heute nur noch eine Traditionsmannschaft seien.

Betzeteufel auf dem Grabstein

Dass Thomas Schwehm ein großer FCK-Fan war, ist leicht zu erkennen: Auf dem Grabstein ist nicht nur ein Betzeteufel eingemeißelt, auf der anderen Seite steht auch „You’ll never walk alone“. Conrad berichtet, dass das berühmte Lied seinen Ursprung in Liverpool hat. Und als einmal die Lautsprecheranlage ausgefallen sei, hätten die Fans es eben selbst gesungen. Seit dem Tod von Robert Enke werde es immer gespielt, wenn ein Sportler beerdigt werde.

Auch der Tod des Fans Thomas Schwehm sei tragisch gewesen, sei der Dachdecker doch tödlich verunglückt – nur kurze Zeit, nachdem er sich gewünscht habe, mal in einem rot-weißen Sarg beerdigt zu werden. Direkt neben ihm hat Georg Arbeiter seine letzte Ruhe gefunden. Die Älteren erinnern sich noch an den fleißigen Platzwart, der 1991 gestorben ist.

Gedenkstein für Werner Kohlmeyer

Während das Grab von Fritz und Italia Walter zweifelsohne zu den meist besuchten auf dem Lauterer Hauptfriedhof gehört, ist das seines Bruders Ottmar eher bescheiden: In einem kleinen Urnengrab liegen er und seine Frau Anneliese. Auch zu dem weniger berühmten Walter-Bruder hat Rolf Conrad einige Geschichten zu erzählen. Beispielsweise, dass er in Kiel, wo dieser im Krieg bei Holstein gespielt habe, bis heute verehrt werde.

Ebenfalls vor 100 Jahren geboren wurde Werner Kohlmeyer aus der berühmten Weltmeister-Elf. Mit nicht mal 50 Jahren verstorben, war sein Grab nicht mehr erhalten. Die Initiative Leidenschaft regte an, einen Gedenkstein für ihn aufzustellen, Sponsoren halfen bei der Finanzierung. Zum 100. Geburtstag am 19. April hat es eine Gedenkstunde gegeben. Dass Kohlmeyers Enkel mit seiner Frau gekommen sei, habe ihn besonders gefreut, sagt Conrad.

Spieler mit Lebensmitteln bezahlt

Auch das Grab der bekannten Kaiserslauterer Metzgerei-Dynastie Speyerer steht auf der Liste der Gräber, die er bei seinen Führungen ansteuert. Denn Fritz Walter sei vor seiner aktiven Zeit regelmäßig dorthin zum Mittagessen gegangen. Die Metzgersfrau habe ihn aufgepäppelt, da er viel zu dünn und schmächtig gewesen sei, um professionell Fußball zu spielen. In der sogenannten schlechten Zeit hat der FCK auch „Kartoffelspiele“ absolviert – das heißt, die Spieler bekamen Lebensmittel als Lohn. Ein Besucher aus Lauterecken erzählte bei einer Führung, dass einer aus ihrer Mannschaft Fritz Walter nach dem 20:0 zur Seite genommen und gebeten habe, mit dem Toreschießen aufzuhören: „Mer honn kää Grumbeere meh.“

Das Grab von Ottmar und Anneliese Walter ist eher schlicht gehalten. Ottmar Walter wird auch in Kiel, wo er für Holstein spielte
Das Grab von Ottmar und Anneliese Walter ist eher schlicht gehalten. Ottmar Walter wird auch in Kiel, wo er für Holstein spielte, bis heute verehrt.

In einer ganz anderen Sportart erfolgreich war Professor Erich Fuchs, der ebenfalls auf dem Hauptfriedhof seine letzte Ruhe gefunden hat: Leichtathletik. Der 1925 Geborene hat in der 4x-100-Meter-Staffel 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki teilgenommen, war später Ehrenmitglied des FCK. Nicht weit entfernt findet sich das Urnengrab von Seppl Pirrung, 2011 verstorben. Natürlich muss Rolf Conrad erwähnen, dass Pirrung beim berühmten 7:4 gegen München drei Tore geschossen hat. „Ich habe die ja alle spielen gesehen“, blickt er zurück.

Ein schier unerschöpfliches Lexikon

Nicht jedem bekannt ist vielleicht, dass auch Klaus Fritzinger von 1956 bis 1961 beim FCK in der Oberliga spielte. Erst nach einem Unfall wechselte er in den Motorsport, wo er als Renn- und Rallyefahrer große Erfolge erzielte. „De Piff“ wurde Dr. Willi Pfeiffer genannt, der auf dem Waldfriedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Arzt und staatlich geprüfte Turn- und Sportlehrer war Vereinsarzt des FCK bis 1993, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Ehrenrat, Ehrenmitglied und Träger des goldenen Ehrenrings.

Einen Tag, bevor er bis zu 20 Personen über den Friedhof leitet, geht Conrad an die einzelnen Gräber und säubert sie – „es soll ja alles ordentlich aussehen“. Auch wenn nur wenige Personen die interessante Tour machen wollen – „gar kein Thema“ für den bald 80-Jährigen. Er ist ein schier unerschöpfliches Lexikon. Berichtet beispielsweise, dass „Butzel“ Schneider, der in der Abwehr spielte und 1983 mit 43 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb, für ein Spiel auf der Trainerbank saß. Trainer Weise sei damals suspendiert gewesen, weil er bereits einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt unterschrieben hatte.

Woher das Fritz-Walter-Wetter kommt

Nicht fehlen dürfen bei einem solchen Rundgang die bekanntesten FCK-Gräber. Zu Norbert Thines und seiner Ehefrau Beatrix brauche er nicht viel zu sagen, meint Conrad. Dieser „Anwalt des kleinen Mannes“ sei wohl in Kaiserslautern jedem bekannt. Nur ein paar Schritte entfernt findet man das Grab des bekannten Mundartdichters Eugen Damm, der mit Fritz Walter gut bekannt war. Hier trägt Conrad Damms Gedicht „Uffm Betze“ vor, welches beweist, dass auch früher schon die Fans nicht immer zufrieden waren mit den Leistungen der Spieler.

Gibt es am Grab von Fritz Walter und seiner Frau Italia noch etwas Neues zu berichten? Klar doch. Zum Beispiel, woher der Begriff Fritz-Walter-Wetter kommt: Walter habe sich bei einem Kriegseinsatz mit Malaria infiziert, was ihm sein ganzes Leben lang zu schaffen gemacht habe. Besonders aber, wenn die Sonne schien. Wenn es genieselt habe, sei es gut gewesen. Oder dass Walters sprichwörtliche Flugangst daher rührte, dass er im Krieg als einer der wenigen überlebt hatte, als die Flugzeuge angegriffen wurden, mit denen die Nationalspieler verlegt werden sollten. Es gibt viele solcher Geschichten, die der FCK-Fan zum Besten gibt am Grab des großen Idols, das stets picobello gepflegt ist. Und für viele Besucher immer wieder ein Anziehungspunkt.

Ganz unscheinbar ist hingegen das Grab von Lutz Eigendorf in der Nähe der Trauerhalle. Bis heute ungeklärt ist der frühe Tod des ehemaligen DDR-Nationalspielers im Jahr 1983. Eigendorf hatte sich nach einem Freundschaftsspiel in Kaiserslautern abgesetzt. Er spielte später beim FCK und bei Eintracht Braunschweig. Viele vermuten, dass sein Unfalltod ein Werk der Stasi war. Im Fritz-Walter-Museum ist seinem Leben und Schicksal eine kleine Ausstellung gewidmet, zu seinen Eltern, die nach Kaiserslautern zogen, pflegt Rolf Conrad nach wie vor guten Kontakt.

Info

Wer Interesse an einer Führung zu FCK-Gräbern auf dem Hauptfriedhof hat, kann sich entweder beim Fritz-Walter-Museum anmelden oder bei Rolf Conrad, Telefon 0631 47819.

Das Museumsteam des 1. FC Kaiserslautern bietet am Donnerstag, 4. Juli, um 15.30 Uhr eine Führung auf dem Hauptfriedhof Kaiserslautern zu den Ruhestätten der Fußball-Weltmeister von 1954 an. Treffpunkt ist in der Mannheimer Straße 208 beim Blumenhaus Gauweiler. Im Anschluss an die Führung ist ein zwangloser Austausch in einem Café geplant. Vier von fünf Lauterer Spielern, die in Bern die Fußballweltmeisterschaft gewannen, haben auf dem Hauptfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden. rhp

x