Kaiserslautern
Eselsfürth 11: Wie ein historisches Kurhaus zur Konzertbühne wird
Ronald und Sandra Bähr fanden das Gebäude nach eigener Aussage schon immer schön. Als es dann zum Verkauf stand, haben sie zugeschlagen. Im Jahr 2019 haben sie das Haus Eselsfürth 11 gekauft. Da wurde es bereits seit 30 Jahren als Irish House geführt und hatte eine wechselvolle Geschichte hinter sich, von der allerdings nicht alle Details erhalten sind.
Die Denkmaltopographie des Landes beschreibt das um 1900 im Landhausstil errichtete Gebäude als „Kurhaus von malerischer Erscheinung“. Die Eselsfürth war im 19. und 20. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel und Naherholungsort, ja sogar Luftkurort. Durchs Eselsbachtal spazierten die Lauterer auf die Eselsfürth, die damals noch außerhalb der Stadt lag und aus zwei Höfen und einer Mühle bestand. Schon 1880 soll es dort zwei Gastwirtschaften gegeben haben.
Unbeschadet durch den Krieg
In der Zeit als Luftkurort entstand auch das Kurhaus Eselsfürth. Den Zweiten Weltkrieg hat es unbeschadet überstanden, präsentiert sich an der viel befahrenen Bundesstraße 40 als freistehender Putzbau mit zeittypischer Sandsteingliederung über einem unregelmäßigen Grundriss. Das Satteldach ist mit Biberschwänzen gedeckt, Sichtfachwerk ziert das Obergeschoss. Besonders sticht neben dem seitlichen Eingang und der Gartenterrasse ein runder Turm mit einer Schweifhaube hervor. Zum Eselsbach hin liegt der Saalbau über einem Sockel aus grob behauenen Sandsteinen.
Dort finden heute jede Woche zwei Konzerte statt. Doch bis es soweit war, hatten die Besitzer jede Menge Arbeit. „In dem Haus war so gut wie nichts ganz“, schildert Ronald Bähr, der mit seiner Frau in Mehlingen eine Immobilienfirma und den Grinnerhof betreibt. Er hatte schon in Leipzig Erfahrungen mit Altbausanierung gesammelt, also schreckte ihn der Zustand nicht ab. Und die Qualität des Gebäudes überzeugte ihn: „So wie das gemacht wurde, das wäre heute nicht mehr zu bezahlen. Ich schätze mal, heute würden die Baukosten rund fünf Millionen Euro betragen.“
Küche und Toiletten sollen umziehen
Zunächst haben die Betreiber des komplett unter Denkmalschutz stehenden Hauses während des laufenden Betriebs renoviert. Die Zeit des Corona-Lockdowns nutzten sie, um größere Arbeiten vorzunehmen – beispielsweise wurde der Boden abgeschliffen und eine neue Elektrik verlegt. Als das Dach renoviert werden musste, haben sie lange gesucht, um jemanden zu finden, der die Schiefereindeckung auf der Kuppel erneuern konnte. Doch letzten Endes hätten sie viel mit heimischen Handwerkern zusammengearbeitet, schildert Ronald Bähr.
Die Arbeiten sind in einem solchen Gebäude wohl nie abgeschlossen – und die Betreiber haben noch weitere Pläne. So wollen sie die Küche, die zurzeit noch in einem Kiosk vor der Tür untergebracht ist, nach innen verlegen. Die Toiletten sollen in den Keller umziehen – dem hat die Denkmalschutzbehörde bereits zugestimmt.
Treffpunkt der Nationalsozialisten
Erhalten werden konnte die Holzvertäfelung im Gastraum, die großen Fenster waren bereits 2007 ausgetauscht worden. Bei allen Arbeiten achtet das Ehepaar darauf, den ursprünglichen Zustand so gut wie möglich zu erhalten: „Selbst der Barschrank wurde dem alten nachgebaut.“ Ronald Bähr schwärmt geradezu vom ehemaligen Kurhaus: „Das Gebäude hat schon viel ausgehalten: Weltkriege, Überschwemmungen, Wolkenbrüche. Und es ist stabiler als manches neue.“ Mittlerweile kenne er jedes Geräusch. Er sagt: „So ein altes Haus, das macht was mit einem.“
Ausgehalten hat das ehemalige Kurhaus im übrigen auch die Zeit des Nationalsozialismus, in dem es wohl für Treffen von NSDAP und SA genutzt wurde. Zu finden ist dazu heute nichts mehr in den Archiven. Wer sich mit der Geschichte beschäftigen will, findet Informationen auch in der „historischen Ecke“ mit alten Fotografien und Artikeln, die im Gastraum mit viel Holz, Bänken und dunklen Stühlen, einem alten Ofen und Konzertplakaten eingerichtet wurde.
Ein Ire übernimmt das Irish House
Während früher in dem Haus Eselsfürth 11 die Gastronomie im Mittelpunkt stand, ist es heute eine Veranstaltungsgaststätte. Zurzeit betreiben Sandra und Ronald Bähr die Gaststätte selbst, aber nur übergangsweise, denn sie haben einen neuen Pächter gefunden: Ab April führt Connor Buldhoo das Irish House, passenderweise ist der junge Mann in Irland geboren. Rund 20 Leute arbeiten im Irish House, an fünf Tagen, von Mittwoch bis Sonntag, ist die Küche geöffnet. Geboten wird traditionelle irische Küche, aber auch Pub-Essen wie Burger. Die Saumagen-Variante „Pfalz trifft Irland“ sei sehr beliebt, weiß Sandra Bähr. Immer wieder gebe es bestimmte Aktionen, etwa spezielle Burger-Tage oder den Irish Sunday. Selbstverständlich gibt es Guinness zu trinken, aber nicht nur; auch Whiskytrinker kommen auf ihre Kosten.
Hauptanziehungspunkt aber sind die beiden Konzerte, die in jeder Woche stattfinden. Die Band Boppin B beispielsweise tritt seit 37 Jahren hier auf. In den Veranstaltungsraum wurde 2006 eine Galerie eingezogen. Dort passen gut 200 Leute rein. „Früher war es eher ein Jugendtreff, heute kommen mehr ältere Semester“, hat Ronald Bähr beobachtet. Rechnung tragen die Konzertveranstalter dem mit knapp 100 Barhockern, auf denen Senioren in dem sonst nicht bestuhlten Saal Platz nehmen können. Im oberen Stockwerk schmücken Fotografien mit malerischen Motiven der grünen Insel die alten Wände. Aufgenommen hat sie Maria Mages, die bereits seit über 30 Jahren im Irish House arbeitet.
Public Viewing zur WM
Großer Beliebtheit bei den Gästen erfreut sich auch der Biergarten unter alten Bäumen, wo ein Teil als Strand abgegrenzt wurde und es auch eine kleine Bühne gibt. Während der Fußball-Weltmeisterschaft will der Pächter, selbst großer Fußballfan, jedes Spiel zum Public Viewing übertragen.
Hinter dem Haus war einst eine Mühle, das alte Mühlrad ist noch erhalten. Ronald Bähr erläutert, er habe bereits mit dem Gewässerschutz gesprochen, ob sie die Wasserkraft nutzen könnten. Das wäre für ihn das i-Tüpfelchen, um das Irish House ganz grün zu bekommen, denn für Energie sorgt schon ein Blockheizkraftwerk im Keller.
Sandra Bähr, die sich in ihrem Heimatort Mehlingen auch sozial engagiert, betont das Miteinander von Jung und Alt im Irish House – nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Gästen. Was sie besonders freut: Viele der Gäste haben eine Geschichte, die sie mit dem Irish House verbindet. „Kürzlich war ein amerikanisches Ehepaar da, das hat sich vor 30 Jahren im Irish House kennengelernt“, verrät sie.
Die Serie : Neues Leben in alten Mauern
Es gibt sie noch, die schönen alten Häuser in Kaiserslautern. Sie haben nicht nur teils mehrere Kriege überstanden, sondern werden auch heute noch genutzt – sei es als Wohnhäuser oder öffentlich zugängliche Gebäude. Wir haben uns die Türen öffnen lassen und werfen einen Blick in eine verwunschene, zum Teil geheimnisvolle Welt.