Kaiserslautern „Es fehlt an Fachgeschäften“

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„Willkommen in der Pirmasenser Straße“, kündet ein Transparent über dem Straßenanfang. Eine Initiative der Interessengemeinschaft Unionsviertel. Sie ist im vergangenen Jahr angetreten, den Straßen im Stadtviertel rund ums Unionkino ein freundliches Gesicht zu geben. Wie hat sich das Geschäftsleben in der Pirmasenser Straße seit der Zeit entwickelt? Die RHEINPFALZ hat sich vor Ort bei Ladeninhabern umgehört.

„Es war Zeit, dass etwas passiert“, sagt Holger Ohnesorg, Filialleiter der Bären-Apotheke. So sehen es auch die Kunden der Apotheke. Doch was fehlt, seien Fachgeschäfte als Magnete, verweist der Apotheker auf die hohe Fluktuation und den Leerstand. Als Aldi und Wasgau noch in der Kerststraße angesiedelt waren, sei die Kundenfrequenz in der Pirmasenser Straße höher gewesen. Jetzt, wo es die Mall gibt, läuft der Strom der Passanten vom Hauptbahnhof über die Richard-Wagner-Straße direkt zur Mall. „Shoppen geht man woanders.“ Aber gut, dass die Pirmasenser Straße weiter im Gespräch sei. Geht es nach Oya Yapar, die seit sieben Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Mehmet eine Bäckerei als Systempartner der Barbarossa Bäckerei an der Ecke Pirmasenser Straße/Richard-Wagner-Straße betreibt, haben die Maßnahmen zur Belebung der Pirmasenser Straße wenig gebracht. Was die Frau ärgert, dass die Stadt nur Vorschriften mache und kein Entgegenkommen zeige. Als Beispiel verweist sie auf ein Angebotsschild vor ihrem Laden. „Pro Schild sind das 80 Euro.“ Ohne Verkaufsangebote aber liefen die Passanten an der Bäckereifiliale vorbei. Hoch sei auch die Gebühr für die Außenbestuhlung. Den Betrag hole sie bei einer Tasse Kaffee für 1,70 Euro nie rein. Folglich habe sie die Freisitze auf vier Tische reduziert. Ganz zu schweigen von der Miete, die sie monatlich an den Hauseigentümer bezahlen müsse. Unverständlich für Oya Yapar, dass die Pirmasenser Straße, was die Veranschlagung von Gebühren angehe, wie die Freisitze vorm Café am Markt als 1a-Lage veranschlagt werde. „Die Stadt kassiert nur!“ Schmücken und sauber halten der Pirmasenser Straße alleine genüge nicht. „Es fehlt an Fachgeschäften mit einem attraktiven Angebot, das Kunden anzieht.“ Tran Cong Ly, der seit fünf Jahren einen Laden mit asiatischen Lebensmitteln und Geschenken betreibt, findet ebenfalls, dass der Passantenstrom, bedingt durch die Mall, zurückgegangen sei. Gleichwohl sieht er eine Besserung in Sicht. „Die Mieten müssten runter!“ Nicht vorteilhaft für die Pirmasenser Straße seien die ständig wechselnden Geschäfte. Von einem Fußgängerübergang auf der Alleestraße verspricht sich Christel Braun, Mitarbeiterin der Filiale des Sanitätshauses Ank in der Pirmasenser Straße, eine Aufwertung des Unionviertels. „Die Pirmasenser Straße ist ab der Alleestraße einfach abgeschnitten, ist abseits von der Kernstadt und weit davon entfernt, was sich an Leben in der Fackelstraße und in der Kerststraße abspielt.“ Hinzu kämen fehlende Parkmöglichkeiten. Herbert Braun, seit vier Jahren mit einem Weinhandel am Anfang der Pirmasenser Straße präsent, lobt den Zusammenhalt der Geschäftsinhaber. „Es hat sich vieles zum Guten verändert. Es gibt kleine Kooperationen, wir treffen und helfen uns gegenseitig.“ Angetan sei die Kundschaft in der Vorweihnachtszeit von brennenden Fackeln und dem Lichterfest gewesen. „Da kam Leben in die Straße. Die Leute sind stehengeblieben und haben das Gespräch mit den Ladeninhabern gesucht.“ Insgesamt habe sich durch Maßnahmen zur Sauberkeit und der Nutzung von Leerständen als Ausstellungsraum das Erscheinungsbild des Unionviertels verbessert, findet Braun. Besser geworden sei auch der Kontakt zur Stadtverwaltung. Noch seien die Verbesserungen am Umsatz nicht spürbar. „Was man 20 Jahre lang versäumt hat, kann man nicht binnen kurzer Zeit aufholen“, gibt sich der Weinhändler realistisch. Auch habe sich mit dem Online-Handel die Zeit geändert. Als Einzelhändler müsse man aktiv auf seine Kunden zugehen. Doris Jünemann, Inhaberin des Textilgeschäftes „Success“, lobt die Optik in der Pirmasenser Straße und zeigt sich enttäuscht von der Sauberkeit rund um den Schillerplatz. Sie hofft auf eine Belebung der Pirmasenser Straße, wenn das Wetter besser wird und Freisitze die Fußgängerzone beleben. Als Zeichen für ein einheitliches Erscheinungsbild verweist sie auf weiß-orangefarbene Luftballons und Windrädchen für Kinder, die in den Geschäften verteilt werden. (jsw) INFO Anlässlich des bundesweiten Tages der Städtebauförderung laden Oberbürgermeister Klaus Weichel und das Team des Citymanagements, heute, Samstag, 21. Mai, 11 Uhr, zu einer öffentlichen Veranstaltung Projektwerkstatt „Quartiersentwicklung Unionsviertel“ ins Union-Kino ein. Susanne Schultz vom Citymanagement wird über die Quartiersentwicklung als Chance für den Einzelhandel berichten, Quartierssprecher Matthias Quinten zu den Aktivitäten.

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