Kaiserslautern Erst Wohlfühloase, dann Haifischbecken

Es hätten freilich mehr Zuhörer am vergangenen Donnerstag ins Fritz-Walter-Stadion kommen können. Nur 30 waren da, aber die haben eine unheimlich familiäre Atmosphäre erzeugt. Genau richtig zum Plaudern. Konrad Fünfstück, Leiter des Fußball-Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) des 1. FC Kaiserslautern, Willi Orban und Alexander Bugera taten es – und erzählten über Nachwuchsarbeit früher und heute.

Willi Orban hatte an diesem Donnerstag trainingsfrei. Zuhause sei er gewesen, Wäsche abgeben und sich von seiner Mutter bekochen lassen. „Für mich ist das wichtig, um vom Stress etwas abzuschalten“, sagt der junge Innenverteidiger, dessen Besuche im Elternhaus feste Rituale sind – noch. Neben ihm sitzt Alexander Bugera auf der Bühne. Er schmunzelt und sagt: „Das ändert sich, sobald man Familie hat. Wenn man jung ist, ist man noch vogelfrei.“ Orban lächelt, denn ihm wird klar, was der erfahrene Kapitän der zweiten Mannschaft meint. „Inzwischen bin ich ja nicht mehr der Jüngste im Team“, sagt Orban und weiß um seine stetig steigende Verantwortung in der noch jungen Lauterer Mannschaft. Der Weg vom Nachwuchs- zum Lizenzspieler ist ein langer, das wissen alle auf dem Podium. „Es gehört viel dazu, um Profi zu werden. Es zählt nicht nur das Talent, man muss sich reinknien“, sagt Bugera, der noch andere Zeiten der Nachwuchsförderung kennt. „Eigentlich war ich ja immer Fan von Jürgen Klinsmann“, erzählt er von seinen ersten Schritten als Nachwuchsprofi beim FC Bayern München. Aber: „Er war ein Einzelkämpfer, die jungen Spieler haben ihn nicht wirklich interessiert.“ Begeisterung weicht Ernüchterung. Etwas eingeschüchtert sei der Oberpfälzer gewesen, als er mit 17 Jahren in der Kabine des Rekordmeisters mit Fußball-Größen wie Kahn oder Matthäus zusammensaß. „In dem Alter ist man ja fast noch ein halbes Kind“, sagt er. Der Zuspruch der Älteren für einen jungen Spieler sei wichtig – Bugera habe ihn gerade auch vom extrovertierten Matthäus erhalten, den er zuvor kritisch gesehen habe. „Heute bekommen viel mehr junge Spieler die Chance, nach oben zu kommen. Früher hat man noch vornehmlich auf Ältere gesetzt“, sagt Bugera. Das ist heute anders, auch beim FCK. Willi Orban ist nur einer von derzeit zehn Spielern im Lauterer Profikader, die den Sprung vom FCK-Nachwuchskicker in den bezahlten Fußball geschafft haben. „Ich hatte ein Kribbeln im Bauch, wie am ersten Schultag“, erinnert sich Orban, der bereits ein Roter Teufel war, als es noch eine Bambini-Mannschaft beim FCK gab, an seinen ersten Trainingstag auf dem Betzenberg. In der Kabine waren seine Ansprechpartner die Routiniers Mathias Abel und eben auch Bugera. Allmählich wächst Orban nun selbst in die Rolle des erfahrenen Spielers hinein, der den jüngeren Hilfestellungen gibt. Denn der Weg vom Fröhnerhof auf den Betzenberg ist lang und steil. „Das NLZ ist schon noch eine Wohlfühloase, sehr harmonisch und familiär. Wenn man dann aber zum ersten Mal zum Training hier hochfährt, dann wird den Jungs bewusst, dass das ein Haifischbecken ist“, sagt Konrad Fünfstück, „das ganze Fan- und Medienaufkommen, bereits bei Trainingseinheiten, der Druck ist ein ganz anderer. Erst dann beginnt der Beruf.“ Fünfstück leitet nun seit fast zwei Jahren die Lauterer Kaderschmiede. Das NLZ soll die jungen Talente auch auf diese verschärften Gegebenheiten des Profialltags vorbereiten. Auch wenn heute die Vereine vermehrt auf die Jugend setzen und die meisten Klubs über Leistungszentren verfügen, der Konkurrenzkampf im Nachwuchsbereich wird nicht kleiner. Man solle nicht zu verkrampft und verbissen an die Sache herangehen, sagt Orban – und Fünfstück pflichtet bei: „Wenn du keinen Spaß hast, wirst du nicht erfolgreich sein.“ Ja, das Leben als Nachwuchsspieler habe seine Vorzüge, findet Fünfstück, es sei aber auch extrem anstrengend. Und am Ende ist es vor allem der Fleiß, der den Unterschied macht. „Die innere Triebfeder muss sein, mehr zu machen als der Konkurrent.“

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