Empörend! Empörend!

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In Kaiserslautern treibt seit fünf Jahren eine vierköpfige Gruppe von Spöttern ihr Unwesen. Klar, dass die Kabarett-Truppe sich „Die Untiere“ nennt.

Über Kaiserslautern lässt sich mancherlei sagen. Auch Dinge, die einen Außenstehenden womöglich stutzig machen könnten. So wurde jüngst kolportiert, dass die SPD allen Ernstes (und in Absprache mit der CDU) einen freiberuflichen Immobilienmakler aus den eigenen Reihen in den Aufsichtsrat der kommunalen Bau-AG entsenden wollte. Die uferlos verworrenen Beziehungen der Stadt zum 1. FCK sind derweil eher was für Zahlenfetischisten mit Faible für rechnerische Klimmzüge. Gigantische Summen kosten ferner eine derzeit im Bau befindliche, durchaus monströs konzipierte Einkaufsgalerie sowie die angestrebte „Neue Stadtmitte“. Günstiger kommt ein Projekt, das in schnittig-kühner Formulierungskunst als „Wiedererlebbarmachung“ der Barbarossaburg firmiert. Und dann gibt es ja auch noch ... – aber nein! Dieser Aufsatz soll ja nicht von Kaiserslautern handeln, sondern von der ebendort ins Leben gerufenen und wirkmächtigen Kabaretttruppe: „Die Untiere“. Das Treiben der Stadtoberen garantiert dem Querdenker-Quartett dauerhaft Futter für süffige Sottisen. „Die Untiere“ sind eine so autoritätsungläubige wie literarische Viererbande, die seit fünf Jahren ihr Unwesen treibt. Wann und wo immer die Ruchlosen auftreten, ist ihnen ein volles Haus gewiss – und die Empörung der Kommunal-, Kultur- und vor allem Parteipolitiker ebenso. Denn der treffsichere Trupp ums Kabarett- und Lautern-Urgestein Wolfgang Marschall versucht sich in einem Metier, das es in der Fußball-, Nähmaschinen-, Autozulieferer- und Universitätsstadt im Nordwesten des Pfälzerwalds bisher nicht gab: politischem Kabarett auf kommunalem Niveau – es ist ein intellektuell und literarisch gehobenes. Wolfgang Marschall – Selbstauskunft: Defätist und Zotenreißer – entstammt einem „alten sozialdemokratischen Elternhaus“, hat Psychologie studiert und kennt die Druckwerke der Denker von Adorno bis Wittgenstein beängstigend genau. Ein paar Semester Biologie verbinden ihn mit dem Kaiserslauterer OB Klaus Weichel (SPD), der für eine Schrift über die Auswirkungen des Paarungswillens aufs Zwitschern von Kanarienvögeln sogar promoviert wurde. Marschall dagegen drängte es früh in die Ecke der Spaßvögel. Schon während des (nicht auf Kanarien ausgerichteten) Studiums machte er Kabarett, mit Ende 20 wurde er „hauptberuflicher Beleidiger und Spaßmacher“, später dann überwiegend Autor und Regisseur. Unter anderem schrieb er die Texte für Reiner Kröhnert, der von Honecker und Cohn-Bendit über Klaus Kinski und Boris Becker bis hin zu Müntefering und Stoiber alle parodiert, die auf Schwadronieren statt auf Substanz setzen. Er belieferte Fernsehsendungen wie „Scheibenwischer“ und „Kanzleramt Pforte“, schrieb und inszenierte unter anderem fürs Stuttgarter „Renitenztheater“, die Berliner „Stachelschweine“ und die Mannheimer „Dusche“. In der Quadratestadt am Neckar traf den gedrungenen Spötter mit dem schütter gewordenen Pferdeschwanz schließlich der Pfeil Amors: Marina Tamássy, in Ludwigshafen geborene Mannheimerin aus altem ungarischen Adel, lief ihm in der Einfahrt zur Kleinkunstbühne „Klapsmühle“ über den Stänkererweg. Der Westpfälzer und die kurpfälzische Sängerin und Schauspielerin taten sich zusammen, sind inzwischen verheiratet und brennen auch im Gespräch ihre vom Augenblick befeuerten Extempores ab. Den Hinweis, sie sehe mit ihrer Wespentaille dem verrätselten Blick und dem nachtdunklen Haar aus wie die Hollywood-Ikone Vampira, nimmt sie, wie er gemeint ist: als Kompliment. Man muss wissen: Vom Stammschloss ihrer Familie kann man auf die siebenbürgische Burg Dracula blicken. Nachdem Marschall seinen einstigen Partner aus der „Politera & Show KG“, den Lauterer Musiker Edwin Schwehm-Herter, ins Boot geholt hatte, waren die „Untiere“ fast komplett. Der Vierte im Bunde, Philipp Tulius, stieß nach den ersten Auftritten eher zufallshalber hinzu – und ist heute ein besonderer Publikumsmagnet. Denn der 27-Jährige kann die Stimmlage und das rollende R im Sprachduktus des Lauterer OB Weichel so täuschend echt nachahmen, dass sich der Zuhörer bei geschlossenen Augen tatsächlich „dem Klausi“ gegenüber wähnt. Im phonetischen Fachjargon heißt das „stimmhafter alveolarer Vibrant“, bei Dr. rer. nat. Weichel klingt es etwa wie „prrroschberrrierende Barrrbarrrossa-Metrrropole am Rrrande des Pälzerrrwalds“. Übrrrigens: Eine Stimm-, Sprach- und Mundart-Jongleuse von hohen Gnaden ist auch Marina Tamássy, die schöne Ungarin. Besonders gut versteht sie sich auf die Bundeskanzlerin. Insofern steht überregionalen Auftritten des „Untiere“-Quartetts nichts im Wege. Aber ohne Weiteres ziehen lassen werden die „Lautringer“ – die echten, mit jahrhundertealtem Heimatrecht geadelten Lauterer – den viergezackten Angriff auf ihre Metrrropole ohnehin nicht.

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