Kaiserslautern
Einzige Schornsteinfeger-Schule in RLP steht in Kaiserslautern – mit Internat
In Kaiserslautern kommt alles zusammen: Etwas versteckt hinter dem Schulzentrum Süd, im Stadtwald, hat der Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks in Rheinland-Pfalz seinen Sitz. Im selben Gebäude ist die Technische Prüfstelle für den Bereich Kaiserslautern untergebracht, in der die Messgeräte der Schornsteinfeger halbjährlich abgenommen werden. Und: Hier gibt es die einzige Berufsschule für Schornsteinfeger im ganzen Bundesland. „Das ist schon ein kleines Alleinstellungsmerkmal, dass wir hier alles an einem Ort haben“, sagt Landesinnungsmeister Marco Villmann, der auch Vorsitzender des Vereins für Fort-, Aus- und Weiterbildungen im Schornsteinfegerhandwerk ist.
Alle drei Bildungsmöglichkeiten werden hier im Ausbildungszentrum angeboten. Aktuell läuft eine Meisterprüfung, der Abschluss der Meistervorbereitungskurse. Auch andere Bereiche der Erwachsenenbildung werden abgedeckt, vertiefende Seminare zu Wärmepumpen oder dem Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus stehen zum Beispiel auf dem Plan. Und zuletzt findet auch der berufsbildende Unterricht für die angehenden Schornsteinfeger aus Rheinland-Pfalz hier statt.
Lehrlingszahlen in den letzten Jahren gestiegen
Die Ausbildung zum Schornsteinfeger ist wie die meisten anderen Ausbildungen auch aufgebaut: Sie dauert in der Regel drei Jahre und besteht aus den praktischen Teilen, die in den jeweiligen Betrieben erlernt werden, theoretischem Unterricht und der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung. Die beiden letzten Teile werden hier, im Ausbildungszentrum hinter dem Betzenberg, unterrichtet, bei dem es sich um eine Außenstelle der BBS 1 Technik in Kaiserslautern handelt.
Der Unterricht findet in Blöcken von jeweils zwei bis drei Wochen statt, zusammen mit der überbetrieblichen Ausbildung sind die Schüler etwa 16 Wochen im Jahr hier. Weil sie dabei aus dem ganzen Bundesland kommen, ist die Schule als Internat angelegt. Etwa 40 bis 50 Schüler seien es aktuell pro Jahrgang. „Unsere Lehrlingszahlen haben sich in den letzten Jahren sogar erhöht, vor drei Jahren waren wir noch 30, zwischendurch sogar 50 Auszubildende“, sagt Villmann. Etwa 80 Prozent der Schüler würden auch im Internat wohnen. „Manche schlafen hier, obwohl sie gar nicht so weit weg wohnen. Die sind dann wegen der Gemeinschaft hier“, sagt Villmann. Er selbst fahre mit seinen Zimmergenossen von damals heute noch in Skiurlaub.
Heizung, Kessel und Kamin im Klassensaal
Ein Blick in die Zimmer zeigt: Auch heute schlafen noch drei Personen in einem Raum. Die Zimmer sind modern und hell, ein Waschbecken ist in allen vorhanden, Dusche und Toilette gibt es nur in manchen – in den anderen muss dafür über den Gang gehuscht werden. Die Zimmer nehmen die oberen Stockwerke ein, in den Etagen darunter sind die Unterrichtsräume untergebracht. Während einige davon ganz gewöhnlich aussehen, stehen in anderen Pelletheizungen und Holzkessel dicht aneinander gereiht. „Die Batterie unserer Photovoltaikanlage und die Steuereinheit der Wärmepumpen haben wir extra auch in die Übungsräume gebaut“, erklärt Villmann. Vor dem Gebäude gibt es sogar ein kleines Übungsdach, wo das richtige Anstellen einer Leiter oder das Anbringen von kleinen Stufen geübt werden kann. Nach draußen geht es auch für die Mahlzeiten. Zumindest ein kleines Stück zum benachbarten Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer, deren Kantine die Schornsteinfeger mitbenutzen.
Familiärer Umgang spürbar
Im eigenen Gebäude gibt es außerdem noch einen kleinen Fitness- und einen Gemeinschaftsraum mit Fernsehecke, Spieleautomat und Tischkicker zur Freizeitgestaltung. Bei dieser muss auch die Sperrstunde ab 22 Uhr berücksichtigt werden, erzählt Tom Folszke. Der 25-jährige Azubi kommt aus Koblenz und wohnt während der Unterrichtseinheiten im Ausbildungszentrum. Abends werde die Haustür nämlich abgeschlossen. „Ab 22 Uhr wird es dann meistens auf den Zimmern lauter. Es will ja keiner draußen schlafen“, sagt er lachend. Am Anfang sei es schon etwas komisch gewesen, von der Familie und den Freunden entfernt zu sein. Die Gemeinschaft hier gefalle ihm aber sehr gut. „Auch nach dem Unterricht kann man sich austauschen, lernen und gegenseitig helfen und die meisten haben auch Spaß dabei und werden später wahrscheinlich zu Kollegen“, sagt er.
Lilly Spitzer, ebenfalls Auszubildende, kommt aus dem Raum Pirmasens. Sie schläft zwar nicht im Internat, den familiären Umgang spürt und schätzt sie trotzdem, erzählt die 22-Jährige. Am Schornsteinfeger-Beruf gefalle beiden, wie abwechslungsreich er sei und dass sie viel mit Menschen zu tun haben. „Und gerade bei älteren Menschen ist es immer besonders schön, wenn sie sich auch noch wegen des Glücksbringer-Motivs über den Besuch freuen“, sagt Folszke.