Amerikaner und wir RHEINPFALZ Plus Artikel Einmarsch der Amerikaner und „Nacht der Millionen“

Einheiten der 80. Amerikanischen Infanteriedivision besetzten 1945 die Stadt. Die 10. Panzerdivision zog weiter zum Rhein.
Einheiten der 80. Amerikanischen Infanteriedivision besetzten 1945 die Stadt. Die 10. Panzerdivision zog weiter zum Rhein.

Am 20. März 1945 nehmen die Amerikaner Kaiserslautern ein. Am 10. Juli ziehen sie ab und kommen 1951 zurück. Nun bleiben sie. Sie werden größter Arbeitgeber der Region. Sie werden Wirtschaftsfaktor. Sie werden Mieter bei deutschen Familien. Sie werden Verbündete. Sie werden Freunde.

Die Deutsche Wehrmacht trottet in ungeordneten Splittergruppen mit Pferden, Panzern und Kanonen von Westen nach Osten durch Kaiserslautern. In den Straßen herrscht Chaos. Von Westen rücken die Amerikaner nach. Sie nehmen die Stadt am 20. März kampflos ein. Das entschied der deutsche Oberst Paul Esser. Er hat sich dem Führerbefehl Nr. II vom 19. März widersetzt, Kaiserslautern zu einer „mit allen Mitteln zu verteidigenden Festung“ zu machen. Und er widersetzte sich dem Befehl des in Wiesbaden stationierten Generalkommandos XII, Kaiserslautern „bis auf den letzten Mann“ zu verteidigen. Im Stadttagebuch steht unter dem 19. März 1945: „Die furchtbaren Fliegerangriffe haben aufgehört ... Deutsche Truppen ziehen durch die Stadt Richtung Osten. Die Straßen sind verstopft. Es herrscht ein furchtbares Durcheinander ...“.

Einheiten der 80. Amerikanischen Infanteriedivision und der 10. Panzerdivision rückten am 20. März von Süden, Südwesten und Westen auf Kaiserslautern vor und nahmen die Stadt vormittags gegen 9 Uhr ein. Die amerikanischen Soldaten durchkämmten die Straßen. Die Panzertürme mit Kanonen und MGs strichen die Hausfassaden ab. Es fiel kein Schuss. Auf einem Flugplatz in Metz-Frescaty standen, wie die Amerikaner hinterher bestätigten, 200 Bomber bereit, um das schon zu über 60 Prozent zerstörte Kaiserslautern im Falle größeren Widerstands „völlig einzuäschern“. Im Raum Kaiserslautern machten die amerikanischen Streitkräfte etwa 11.000 deutsche Kriegsgefangene, steht in der Stadtgeschichte. Auf dem Areal der heutigen Geschwister-Scholl-Schule wurde kurzfristig ein Kriegsgefangenenlager errichtet.

Weiße Fahnen, kein Jubel

Beim Einmarsch sahen die Amerikaner ein paar weiße Fahnen, Bett- und Handtücher auf Trümmerhaufen. Es gab keinen Jubel wie in französischen Dörfern, die sie durchzogen. Die Lauterer waren am frühen Vormittag nach Sirenen-Panzeralarm in Bunker und Keller geflüchtet, den Amerikanern war „No fraternization“ als militärischer Befehl auferlegt. Einheiten der 80. Infanteriedivision übernahmen die Besetzung der Stadt. Die 10. Panzerdivision zog weiter in Richtung Osten, ihrem nächsten Ziel entgegen, dem Rhein.

Die erste unmittelbare Kommunikation der amerikanischen Truppen mit der deutschen Bevölkerung lief über vorgefertigte Plakate in deutscher Sprache, die an Hauswänden angeschlagen wurden. Darauf war zu lesen, dass Waffen und Fotoapparate sofort abzuliefern sind und dass eine Ausgangssperre verhängt ist. Einige Wochen später wurden die Bekanntmachungen, Hinweise und Verbote auf Anweisung der Amerikaner von einer Kaiserslauterer Druckerei produziert. Amerikanische Quartiermacher zogen zwei Tage nach dem Einmarsch durch die Straßen. Sie forderten zahlreiche deutsche Familien auf, „innerhalb weniger Minuten“ ihre Häuser zu verlassen. Außer Handgepäck durfte nichts mitgenommen werden. Die US-Streitkräfte suchten Wohnungen für ihre Offiziere.

Am 6. Juli trat auf Anordnung der US-Streitkräfte ein Bürgerrat aus Mitgliedern der bis dahin untergetauchten SPD, der KPD und des Zentrums zusammen. Am 10. Juli war kein Amerikaner mehr in der Stadt. Die Leute rätselten, es verbreiteten sich Gerüchte. Offizielle Informationen über den Abzug der US-Streitkräfte gab es nicht. Die Besatzungszonen waren neu aufgeteilt worden, weil die Franzosen auch partizipieren wollten. Was war attraktiver für sie als die Pfalz bis zum Rhein zu besetzen? Kaiserslautern wurde französische Besatzungszone.

Zehn Prozent des Stadtgebietes für die Amerikaner

Hinsichtlich ihrer Rückkehr nach Kaiserslautern trugen die US-Streitkräfte ab September 1949 bei der Stadtverwaltung ihre Geländewünsche vor. Die „Wünsche“ umfassten, wie die Stadtverwaltung informierte, rund zehn Prozent des damaligen Stadtgebiets, im Westen teilweise Wiesen, Moor, Ackerland und Ödland und im Osten Stadtwald. Die Situation, bezogen auf das Stadtgebiet vor den Eingemeindungen, hat sich bis heute kaum geändert. Nur kleinere Flächen wurden im Laufe der Jahre wieder freigegeben. In den Jahren des Wirtschaftswunders war es der Stadt nicht möglich, größere Industriegebiete anzusiedeln.

Der 10. April 1951 ist das offizielle Datum der Rückkehr der US-Streitkräfte in den Großraum Kaiserslautern. Noch bevor die US-Truppen verlegt wurden, liefen bereits ab Mitte Oktober 1950 die ersten Bauarbeiten für Wohnblocks auf requiriertem Gelände bei der Vogelweh. Geplant und gebaut wurde ohne Absprache mit der Stadt. Die Entscheidung für Kaiserslautern war im Pentagon gefallen. Den Deutschen war erlaubt, „Stockholz“ der gefällten Bäume abzuräumen. Die Grenzen zwischen Kaiserslautern und der Gemeinde Hohenecken, die sich auf der Vogelweh tangierten, interessierten die Amerikaner nicht. Der Bau des Flugplatzes, teilweise auf Ramsteiner Areal, wurde 1951 begonnen, 1953 trafen die ersten Maschinen ein.

Vor Baubeginn des Wohnkomplexes auf der Vogelweh lief am 22. März 1951, abends ab 21 Uhr, in der Panzerkaserne die „Nacht der Millionen“, wie die RHEINPFALZ schrieb. Die Amerikaner vergaben Bauaufträge für rund 400 Millionen Deutsche Mark. Die Aufträge erhielt grundsätzlich der billigste Unternehmer, der sich dann nach Subunternehmern umsah. Bestechung, Betrug, Korruption, Konkurse und Bauskandale beschäftigten viele Jahre die deutschen Gerichte. Nach der „Nacht der Millionen“ zogen rund 6000 Arbeiter deutscher Bauunternehmen in sieben Monaten „Klein Amerika“ auf der Vogelweh hoch. Kirche, Kino, Clubs, Sportanlagen und ein Leichenhaus standen auf nachfolgenden Bauprogrammen. Die Gesamtinvestitionen der Amerikaner im Großraum der Stadt addierten sich auf über eine Milliarde DM.

Arbeitslosenquote sinkt zweistellig

Die „Nacht der Millionen“ war die Geburtsstunde des „Goldenen Westens“. Die Arbeitslosenquote sank zweistellig. Die Amerikaner wurden im Laufe der Jahre zum größten Arbeitgeber in der Region. Techniker, Handwerker, Verwaltungsleute und Dolmetscher fanden Arbeit beim „Ami“. Das damalige Amt für Verteidigungslasten gab in den 1950er und 1960er Jahren zwischen 10.000 und 12.000 Beschäftigte bei den US-Streitkräften an. Die Amerikaner wurden ein Wirtschaftsfaktor, der sich auch in den Konjunkturkrisen der 70er und 80er Jahre als stabil erwies. Die Zuzüge arbeitsuchender Menschen nach Kaiserslautern verschärften jedoch die Nachkriegs-Wohnungsnot. Die US-Armee belegte nach ihrer Rückkehr die Kasernen im Osten der Stadt, die Kleber-Kaserne, die Daenner-Kaserne und die Panzerkaserne. In diesen Kasernen wollte die Stadt „Ostzonen“-Flüchtlinge und Vertriebene unterbringen. Die Amerikaner entlasteten jedoch auch den Wohnungsmarkt, indem sie für die vielen entwurzelten Letten, Litauer und Estländer, die arbeitsuchend nach Kaiserslautern kamen, die Arbeitskolonie „Labor Service Company“ (LSC) gründeten, für die eigene Wohnbaracken gebaut wurden. Diese Männer hatten in der deutschen Armee gedient und waren vor den Russen geflüchtet.

Die „Bastion Pfalz“ entsteht

Die „Bastion Pfalz“, die größte US-Garnison außerhalb der USA, stand, nach den Worten General Rebers, im Jahr 1955. Sie soll nach damaligen Angaben rund eine Milliarde DM (Einnahmen für deutsche Unternehmen) gekostet haben: Flugplätze bei Ramstein und Sembach, Munitionsdepot in Miesau, Medical Center auf dem Einsiedlerhof, Hospitalcenter auf dem Kirchberg in Landstuhl, das Rhine Engineer Depot von der Daenner-Kaserne bis zum Kilometer 5. Die amerikanische Rundfunkanstalt (AFN) sendet seit 1954, ein englisches Fernsehprogramm wurde 1957 in Ramstein gestartet.

Amerikaner und wir

Die RHEINPFALZ-Lokalredaktion Kaiserslautern widmet sich in den kommenden Tagen dem Thema Amerikaner in und um Kaiserslautern:

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