Kaiserslautern
Eine WG aus Kleinkindern: Was steckt hinter dem neuen AWO-Projekt?
Fische, Äffchen und Sterne verschönern die Wände in den Räumen der neuen Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Südwest in der Donnersbergstraße Kaiserslautern. Ab Mitte Mai sollen hier Säuglinge und Kleinkinder im Alter von null bis fünf Jahren einziehen. „Wir versuchen, damit eine Lücke zu schließen“, erklärt Sarah Henrich, Awo-Bereichsleiterin in Meisenheim. Bei Pflegeeltern würden gerade Säuglinge gerne aufgenommen, reguläre Wohngruppen würden allerfrühestens Kinder ab fünf Jahren aufnehmen. Die neue Kleinkinderwohngruppe soll den Bereich dazwischen abdecken.
Vermittelt werden die Plätze über das Jugendamt. Einziehen sollen Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, sich selbst um sie zu kümmern – die Gründe dafür können vielfältig sein, sagt der pädagogische Leiter Mathias Gierig. Sieben Kinder können fest aufgenommen werden, zwei weitere Notfallplätze stehen ebenfalls zur Verfügung.
Wohngruppe soll zu einem Zuhause werden
Für die Wohngruppe mit sieben Kindern sind neun Vollzeitbeschäftigte geplant. Darunter Kinderkrankenschwestern, Erzieher, Sozialarbeiterinnen und -pädagogen, Hebammen und Heilerziehungspfleger. Man habe bewusst auf eine bunte Mischung gesetzt, um allen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden zu können – und das rund um die Uhr. Jeweils drei Mitarbeiterinnen sollen gleichzeitig zusammenarbeiten, eine Nachtwache ist eingerichtet. „Es wird natürlich spannend, denn wir wissen noch nicht, mit welcher Altersstruktur wir es zu tun haben werden. Wie viele Säuglinge und wie viele Kleinkinder wir hier haben werden“, sagt Gierig.
Ausgelegt sei die Wohngruppe dafür, dass die Kinder längerfristig dort bleiben. Im Gegensatz zu einer Inobhutnahmestelle, die Kinder kurzfristig aufnimmt, wenn ein akutes Problem in der Familie besteht, soll die Wohngruppe zu einem echten Zuhause für die Kinder werden. Trotzdem sei es das Ziel, dass die Kinder, wenn möglich, wieder bei ihren Eltern wohnen können. Ein Besprechungszimmer steht deswegen ebenfalls zur Verfügung. „Die Eltern spielen die wichtigste Rolle im Leben der Kinder. Wir wollen ein sicherer Hafen sein, bis die Eltern so weit sind, dass das Kind wieder ausziehen kann“, sagt Gierig. Regelmäßige Treffen und Elternkompetenztraining gehörten deswegen auch zum Konzept.
Kreativ-Bad und Snoozleraum
Obwohl die AWO viel Erfahrung mit betreuten Wohngruppen und auch im Kleinkinderbereich hat, ist die jetzt geplante Gruppe die erste dieser Art. Beim Tagesablauf orientiere man sich deswegen erst mal an der Mutter-Kind-Wohngruppe, die in den Nachbarräumen untergebracht ist und ähnlich funktioniert – nur dass die Mütter hier mit den Kindern zusammenwohnen. Geplant seien gemeinsame Mahlzeiten, ein Morgenkreis mit Musik und eine Ruhephase am Nachmittag. Das pädagogische Angebot werde durch Spaziergänge, Aktionen im Garten und andere Aktivitäten ergänzt. In der Wohngruppe gibt es beispielsweise ein Kreativ-Bad mit Schaummaschine und einen Snoozleraum, der zur Entspannung mit speziellem Licht, Liegelandschaften und Wassersäulen ausgestattet ist.
Viele Kinder dürften hier zum ersten Mal wirklich Kind sein: also dreckig, laut oder wütend sein, sagt Henrich. In den Familien seien die Eltern oft überfordert, wodurch sie einfach nicht in der Lage seien, den Kindern den nötigen Raum für die Entfaltung zu geben. Die Kinder würden sich in den Wohngruppen dann oft schnell entwickeln, das habe jedenfalls die Erfahrung aus der Mutter-Kind-Wohngruppe gezeigt. „Die Hoffnung ist natürlich, dass das in der neuen Wohngruppe auch alles so klappt, auch ohne dass die Mamas dabei sind“, so die Bereichsleiterin aus Meisenheim.
Anfragen aus der ganzen Region
Bei der Ausstattung habe man auf neue und hochwertige Möbel geachtet und Wert auf Details gelegt. Jedes der Zimmer hat ein eigenes Bad. Eine Tür, versteckt hinter einem Löwenmaul, eine Lampe mit bunten Ballons oder ein Kinderbett in Hausform zeigen: Hier stehen die Kinder im Fokus. Der Bereich der Wohngruppe umfasst zwei breite Flure und einen Gemeinschaftsbereich mit offener Küche, großem Esstisch und einer Couchecke, auch ein kleiner Garten gehört dazu.
Zwei Plätze seien bereits sicher belegt, weitere Anfragen von Jugendämtern gebe es ebenfalls. Die kommen aus der gesamten Region von Mainz über Ludwigshafen bis Bad Kreuznach und natürlich auch aus Kaiserslautern. „Jede Wohngruppe ist auch immer ein Experiment“, sagt Gierig. Man freue sich, jetzt in der neuen Einrichtung starten zu können, sei aber gleichzeitig flexibel, um sich individuell den Bedürfnissen der Kinder anzupassen, sobald es im Mai richtig los geht.