Kaiserslautern „Ein Song ist wie ein Vogel“

Mit ihrer Lakewood-Gitarre: Christina Lux.
Mit ihrer Lakewood-Gitarre: Christina Lux.

Am Donnerstag kommt das musikalische Ein-Frau-Unternehmen Christina Lux auf die Bühne der Friedenskapelle. Eine charismatische Künstlerin mit besonderen Live-Qualitäten, die es vermag, in Köpfe und Herzen zu schauen, und die berührt. Sie verspricht durch ihre Ton- und Text-Geschichten eine interessante musikalische Reise. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Matthias Haag durfte Interessantes erfahren.

Was steckt hinter dem aktuellen Tour-Thema „Wege“?

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Dieser Text von Franz Kafka hat mich inspiriert und eine ganze Weile beschäftigt. So ist auch ein Song auf der neuen CD entstanden. Passt Ihre Musik in Genre-Schubladen? Songpoetin, Jazz, Worldmusic passen, aber im Grunde ist es von allem etwas, das mir Freude macht. Am liebsten wäre es mir, wenn man eines Tages meine Musik einfach als „Lux-Musik“ bezeichnen würde. Nach 30 Jahren Bühnenerfahrung, was war die Initialzündung für Ihren Musikerinnenweg, und wie würden Sie Ihre Musikalität beschreiben? Tatsächlich begann es mit einer Annonce „Sängerin gesucht“. Nachdem ich meine Stimme in der Studioaufnahme gehört hatte, wollte ich weiter dran bleiben. Mit einer Rockband spielte ich erste Konzerte, und von da ging es weiter. Ich sang in Soul-Bands und war dann in einer A-cappella-Formation. Gitarre und eigene Songs kamen Anfang der 1990er dazu. Ich wollte das, was mir durch Kopf, Herz und Bauch ging, mit Musik ausdrücken. Mein Stil hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt. Ich bin Autodidaktin, also ohne Notenkenntnis. Groove ist das Zentrum von Musik. Wenn nicht die Gitarre, welches Instrument würden Sie dann spielen? Schön, diese Frage wurde mir noch nie gestellt. Ich glaube, ich würde Bass spielen. Einer meiner großen Helden ist Sting. Und bei meinen Stücken spielt die Basslinie immer eine ganz wichtige Rolle für den Groove und die Verzahnung mit dem Gesang. Songwriting, wie funktioniert das bei Ihnen? Das ist nicht immer gleich. Es gibt kein festes Schema. Wach sein und beobachten kommt zuerst. Dann ist eine Zeile oft der erste Schritt. Bald danach brauche ich den Klang der Gitarre und die Akkorde. Beim Balancieren mit Klängen und Worten kommt dann zum Vorschein, was mich wirklich bewegt. Intuitives Schreiben könnte man es am ehesten nennen. Es ist eine kleine Reise, ich folge Impulsen, finde Poesie und Bilder und muss dann den Moment erwischen. Am Ende ist ein Song wie ein Vogel. Man muss ihn frei lassen. Das erlebe ich auch immer wieder bei meinen Songwriting-Workshops. Wenn die Tür einmal auf ist, kommt es in Bewegung. Songideen kommen mir oft in den Sinn, wenn ich unterwegs bin. Dann bin ich raus aus dem Alltag und habe eher Freiraum im Kopf. Wie lange braucht eine Idee, ohne klischeehaft im Song zu wirken? Erst mal muss man den inneren „Kontroletti“ abschalten und Dinge zulassen. Nicht gleich abwerten. Im Prozess dann konzentriert darauf achten, ob es da innerlich einen Widerhall gibt, der sagt, gut so. Es ist gut, wirklich seine eigenen Worte zu finden und mit der Emotion zu verbinden und eigene Bilder zu entwerfen. Nach „Playground“ ist das neue Studioalbum eine rein deutsche Spielwiese? Ja, die deutsche Sprache ist mir in den letzten Jahren immer näher gekommen. Hinter den englischen Texten konnte ich mich manchmal verstecken. Das geht im Deutschen nicht, und die Direktheit tut gut. Ich muss Songs live spielen, um zu sehen, was sie machen. Mit mir und den Lauschern. Im Studio wird es dann spannend, die richtige Atmosphäre wieder einzufangen. Welche Gitarren spielen Sie, und _ Hand aufs Herz – wie steht es mit dem Üben? Ich spiele seit etwa 22 Jahren eine Gibson Jazzgitarre, meine Akustische ist eine Lakewood. Später hab’ ich mir dann noch eine tieftönende Baritongitarre zugelegt. Was das Üben angeht, da bin ich eher faul, ich gestehe. Was mich treibt, ist der Song. Will der erzählt werden, dann spiel ich’ ihn so lange, bis ich ihn fest in den Zellen habe. Ältere Stücke muss ich mir manchmal wieder neu raus hören, da ich mir selten etwas aufschreibe. Gab es Zweifel auf Ihrem musikalischen Weg? Zweifel an Musik selbst nie. Aber manchmal ist es einfach sehr viel, wenn man alles allein wuppt. Organisation für Konzerte, Marketing, Website, neue Songs schreiben, Album produzieren, fahren, aufbauen, Konzerte spielen. Das ist schon manchmal ein harter Job, aber auch der beste der Welt für mich. Die Freiheit, das zu tun was ich liebe, ist wunderbar. Und die zwei Stunden Konzert an den Abenden bringen alles wieder an seinen Platz und mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Tipps für den musikalischen Nachwuchs? Covern und nachspielen ist erst mal gut zum Lernen, aber findet heraus, was Ihr wirklich liebt und was Euch Freude macht und werdet so eigenständig wie möglich. Viel live spielen und sich nicht verheizen lassen. Ich danke fürs Gespräch. Konzert Christina Lux gastiert am Donnerstag, 5. Oktober, 20 Uhr, in der Friedenskapelle, Friedenstraße 42, Karten an der Abendkasse.

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