Amerikaner und wir
Ein Blick auf die komplexe Welt des US-Militärs rund um Kaiserslautern
Wer in die Welt des US-Militärs eintaucht, der braucht ein gutes Gedächtnis und ein Faible für Abkürzungen. Denn nahezu alle Einrichtungen und die darin untergebrachten Truppenteile arbeiten mit Abkürzungen und Bezeichnungen, in die sich Nicht-Militärangehörige erst einmal einarbeiten und einhören müssen.
Army und Air Force sind zwei Paar Schuhe
Grundsätzlich wird beim US-Militär in der Region zwischen Einrichtungen der US-Luftwaffe (Air Force) und der Heeresstreitkräfte (US Army) unterschieden. Die größte Einrichtung der Luftwaffe ist die Air Base in Ramstein, die US Army ist verstärkt in der Stadt Kaiserslautern angesiedelt und hat dort fünf Standorte: Daenner Kaserne, Kaiserslautern Army Depot, Kleber Kaserne, Pulaski Barracks und Rhine Ordnance Barracks. Zusammen genommen heißen die Militäreinrichtungen KMC, eine Abkürzung, die auch ständig im US-Radio AFN zu hören ist und die Gesamtheit der US-Militäreinrichtungen in der Region bezeichnet. KMC steht für Kaiserslautern Military Community, also Lauterns Militärgemeinde. Zu der gehört auch die etwas weiter entfernt liegende Husterhöh-Kaserne in Pirmasens, aus der das US Army Medical Material Center Europe (USAMMCE) erst im September nach Kaiserslautern verlegt wurde. Im November wurde bekannt, dass die US Air Force das Gelände übernehmen wird und rund 200 Millionen Euro in die Gebäude und Einrichtungen investieren will.
Zurück zur US Army, die hauptsächlich die Militäreinrichtungen im Stadtgebiet von Kaiserslautern bevölkert. Diese gehören zur übergeordneten Garnison Rheinland-Pfalz der US-Armee. Darüber hinaus verfügt die Garnison über Standorte in Baumholder, Germersheim, Mannheim, Miesau und Sembach, heißt es aus dem Pressebüro der Garnison. Die Soldaten, die in Kaiserslautern leben und arbeiten, gehören unterschiedlichen Einheiten an, etwa dem 10th Army Air and Missile Defense Command, der 16th Sustainment Brigade, dem 21st Theater Sustainment Command und der US-Army Garrison Rheinland-Pfalz. „Die Army hat etwa 6000 Soldaten in der Region und beschäftigt 3000 Zivilisten in unterschiedlichen Funktionen“, heißt es aus dem Pressebüro. Zudem arbeiten auch eine Menge an Zivilbeschäftigten aus Deutschland bei den US-Streitkräften: Nach Angaben der Pressestelle in den Rhine Ordnance Barracks arbeiten neben den 3000 zivilen US-Beschäftigten auch rund 2700 einheimische Mitarbeiter für verschiedene Einrichtungen des Militärs. „Die Zahl schwankt aufgrund von Pensionierungen, Übergängen und regelmäßiger Fluktuation“, teilten die Amerikaner mit.
Die Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Deutschen bewertet die Pressestelle als sehr gut. „Die Stabilität und Beständigkeit der Partnerschaft über die Jahrzehnte hinweg stellen sicher, dass die Garnison die führende strategische Bereitschaftsplattform des Heeres in Übersee bleibt.“
Im Westen der Stadt gibt es eine weitere Stadt
Wer Kaiserslautern in Richtung Westen auf der Pariser Straße verlässt, der kann spätestens ab dem Opelkreisel den Eindruck gewinnen, sich nicht mehr direkt in Mitteleuropa zu befinden. Die Schilder beispielsweise der Autohäuser werden zweisprachig, preisen Fahrzeuge auch in englischer Sprache an. Der Stadtteil Vogelweh wird überwiegend von US-amerikanischen Militärangehörigen und deren Familien bewohnt. Das Gelände ist dreigeteilt, die Pulaski Kaserne der Army sowie Kapaun und Vogelweh Housing (beides US-Air-Force-Einrichtungen) sind direkt nebeneinander und gehen fließend ineinander über. Wer die Sicherheitskontrolle dort hinter sich gebracht hat, wähnt sich tatsächlich eher in einer US-amerikanischen Siedlung als noch in einer westpfälzischen Stadt. Die Militärpolizei – die Military Police ist zuständig für die Army, die Polizei der Air Force heißt Air Force Security Forces – hat dort einen Stützpunkt, dazu gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Sportanlagen und mehrere Schulen.
Die größte auf dem Gelände, die High School, wurde im Juni 2018 erst fertig gestellt. Verantwortlich für den Bau war der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Kaiserslautern. Innerhalb von drei Jahren wurde die Schule, die laut LBB von rund 850 Schülern besucht wird, gebaut. Baukosten: rund 43,5 Millionen Euro.
Ein Milliarden-Projekt: das neue US-Hospital
Der Schulbau ist aber bei weitem nicht das größte Projekt, das die US-Streitkräfte in den vergangenen Jahren angegangen sind. In Weilerbach entsteht ein neues Militär-Krankenhaus der Amerikaner, das das Hospital in Landstuhl ersetzen soll. Auf knapp eine Milliarde Euro werden die Baukosten für das Projekt geschätzt, für das ebenfalls der LBB verantwortlich zeichnet. Der Spatenstich erfolgte bereits im Oktober 2014. Im Sommer 2026 soll das Krankenhaus seinen Betrieb aufnehmen.
Militär ist einer der größten Arbeitgeber der Region
Für die in Diensten des US-Militärs stehenden deutschen Arbeitnehmer ist bei der US-Army in der Region Daniel Nagel zuständig. Der 36-Jährige wohnt in Mackenbach und ist seit August 2019 der Betriebsratsvorsitzende der deutschen Zivilbeschäftigten der Garrison Rheinland-Pfalz der US Army, insgesamt knapp 600 Menschen.
Zuständig ist er neben Kaiserslautern für unterschiedliche Standorte im Land, etwa Sembach, Miesau, Landstuhl, aber auch Germersheim und Mannheim – alle Standorte der Rheinland-Pfalz Garrison. Und im Bereich der deutschen Zivilangestellten herrscht laut Nagel Bewegung: „Für unseren Bereich der US-Streitkräfte haben wir in der vergangenen Wochen und Monaten zusammen mit unserem Command viele neue Stellen geschaffen.“ Allein im Bereich der US-Feuerwehr sollen in den kommenden Monaten 46 neue Feuerwehrkräfte eingestellt werden. „Wir haben hier eine eigene Stadt in der Stadt Kaiserslautern, mit Polizei, Feuerwehr und eigenen Hospital.“
Gesucht: Fast 50 neue Feuerwehrleute
Das sei erst der Anfang: „Auch an uns geht der demografische Wandel nicht vorbei. Im nächsten Jahr gehen viele Kolleginnen und Kollegen in Rente.“ So würden jetzt bereits die Weichen gestellt, dass die Stellen wieder mit deutschen Zivilbeschäftigten besetzt werden. „Wir arbeiten gerade an einem Ausbildungsprogramm für den administrativen Bereich. Auch das ist ein wichtiger Schritt, den die US-Streitkräfte unterstützen“, berichtet Nagel.
Das US-Militär ist laut Nagel einer der größten Arbeitgeber der Region, und ein guter obendrein: Das zeige die Tatsache, dass viele Kollegen jahrzehntelang den Amerikanern die Treue halten und teilweise 40 Jahre beim Militär arbeiten. „Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.“
Die Garrison Rheinland-Pfalz: Was ist das?
Die US Army Garrison (deutsch: Garnison) Rheinland-Pfalz ist eine Militäreinheit der US-Land-Streitkräfte in Europa. Sie hat ihr Hauptquartier in Kaiserslautern seit dem 1. Oktober 2013. Die Garnison hat nach Militärangaben 29 Einrichtungen in der Region, die meisten sind im Bundesland Rheinland-Pfalz, es gehören aber auch Militärbasen in Mannheim dazu. Diesseits des Rheins sind Einrichtungen zu finden in Kaiserslautern, Baumholder, Landstuhl, Sembach sowie in Miesau, Grünstadt und Germersheim.
Im Wappen der Garnison sind nicht nur die amerikanische und die deutsche Flagge zu finden, es zeigt auch das Wappen von Rheinland-Pfalz sowie den Stern der US Army. Die Elemente wurden gewählt, um „einen Neubeginn und die Partnerschaft der deutschen und amerikanischen Kommunen im Bundesland Rheinland-Pfalz zu illustrieren“, heißt es auf der Homepage der Garnison.
Die Amerikaner und wir
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Bisher in der Serie erschienen:
- Wie eine amerikanische Familie Weihnachten feiert: „Wenn das Weihnachtsfest nachts um zwei beginnt“.