Wo isst Kaiserslautern? RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrliches Handwerk: Im Wallonenhof isst man edel, aber nicht protzig

Benjamin Wolter, der Hausherr im Wallonenhof, hat bereits in renommierten Häusern gekocht. Seine Vorspeise überzeugt in allen Be
Benjamin Wolter, der Hausherr im Wallonenhof, hat bereits in renommierten Häusern gekocht. Seine Vorspeise überzeugt in allen Belangen, auch ästhetisch: Ziegenfrischkäse mit Fenchel-Apfelsalat, Feigen und Pinienkernen.

Gehoben, nicht abgehoben: Im Otterberger Wallonenhof werden Klassiker neu interpretiert – weniger mit Chichi als mit Finesse. Ohne Abzüge kommt das Restaurant nicht aus.

Lassen Sie uns heute einfach mal über Rinderrouladen reden, den allseits begehrten Klassiker der deutschen Hausmannskost. Wie mögen Sie die saftigen Fleischwickel am liebsten? Ganz urig mit Klößen und Rotkohl, nehmen wir an – „futtern wie bei Muttern“, richtig? Dachten wir auch. Bis wir die zarten Exemplare im Otterberger Wallonenhof verköstigen durften: ein Teller mit dem Zeug zum Lieblingsgericht! Statt Knödel gibt’s einen buttrigen Pfifferling-Kartoffelstampf (ganze Pilze), statt Kohl ein fein abgeschmecktes Karamellkraut, getoppt mit Selleriecreme (Achtung, getrüffelt!). Und arrangiert ist das alles auf einem Soßenspiegel, der dann doch an die gute, alte Omaküche erinnert: dunkel, kräftig, über Stunden reduziert. Schmecken Sie’s bereits auf der Zunge, werte Leserinnen und Leser?

Benjamin Wolter heißt der Chef am Herd. Warum er einen – für die westpfälzische Provinz – mutigen Weg geht in seinem Restaurant, wieso er ewige Klassiker neu, dabei bodenständig und ohne überbordendes Chichi auftischt, lässt sich schon aus seiner Vita herauslesen.

Das Interieur stand einst im Lautrer Villenviertel

Aber gut, der Reihe nach. Im Wallonenhof, benannt nach den im 16. Jahrhundert hier gelandeten Glaubensflüchtlingen, speist man recht feudal. Bunte Glasmalerei, reich verzierte Holzvertäfelungen, der rustikale Charme eines hohen Saals – herrschaftlich! Wenn auch ein bisschen düster, um ehrlich zu sein. Kurios ist durchaus die Geschichte des Hauses: Als Freimaurerloge soll das prunkvolle Interieur einst im Kaiserslauterer Villenviertel gedient haben – ehe es originalgetreu umgesetzt wurde, mitten in die Abgeschiedenheit des Otterberger Walds. Nach seinen Wanderjahren durch die weite Welt, bis nach Australien und in die österreichische Haute Cuisine (drei Hauben im Gault Millau), verschlug es Wolter mit Ehefrau Mona im Jahr 2021 zurück in die pfälzische Heimat.

Mit dem Wallonenhof hat sich das Paar einen Lebenstraum erfüllt. Während er regelmäßig neue, klug inszenierte Arrangements auf die Karte setzt, führt die gebürtige Otterbergerin ihren Service angenehm, herzlich, aber nie aufdringlich durch den Abend.

Als Hauptgang serviert der Wallonenhof als vegetarisches Gericht eine frische Pasta mit Herbsttrüffel und wildem Blumenkohl.
Als Hauptgang serviert der Wallonenhof als vegetarisches Gericht eine frische Pasta mit Herbsttrüffel und wildem Blumenkohl.
Saftige Rinderroulade mit Pfifferling-Kartoffelstampf, Karamellkraut und getrüffelter Selleriecreme. Pluspunkt: die kräftige Bra
Saftige Rinderroulade mit Pfifferling-Kartoffelstampf, Karamellkraut und getrüffelter Selleriecreme. Pluspunkt: die kräftige Bratenjus.
Kam gut an bei den Vorspeisen: das Ceviche von der Bernsteinmakrele, mit Miso, Zitronengras, Garnelentartar und gelben Linsen.
Kam gut an bei den Vorspeisen: das Ceviche von der Bernsteinmakrele, mit Miso, Zitronengras, Garnelentartar und gelben Linsen.
Zur Einstimmung gibt’s ein Cranberry-Brot mit Tomaten-Frischkäse.
Zur Einstimmung gibt’s ein Cranberry-Brot mit Tomaten-Frischkäse.
Mitten im Otterberger Wald gelegen: der Wallonenhof, eine einst aus Kaiserslautern umgesetzte Villa.
Mitten im Otterberger Wald gelegen: der Wallonenhof, eine einst aus Kaiserslautern umgesetzte Villa.
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Zurück zu den „Gaumenspielen“ also, wie die Wolters ihre Künste umschreiben. Unser kleines Menü startet mit dem Gruß aus der Küche, dem Beerenbrot mit Tomaten-Frischkäse. Eine nette Aufmerksamkeit, die einen ankommen lässt. Es sind die Vorspeisen danach, die den Gaumen anregen – dank ausgefallener Kombinationen. Asiatisch angehaucht das Ceviche der sehr frischen Bernsteinmakrele, das an Miso, Garnelentatar und bissfesten Linsen serviert wird. Cremig, knackig, fruchtig hingegen der mit gepickeltem Rettich aufgemotzte Ziegenfrischkäse – auf Apfel-Fenchelsalat, Feigen und Pinienkernen. Vegetarier (die wir nicht sind) finden zumindest beim Auftakt ihr kulinarisches Glück. Kunstvoll und beeindruckend: die Präsentation der Speisen. Gut kuratiert: die Weine dazu. Kredenzt werden ein Grauburgunder und ein Riesling von der üppigen, fair kalkulierten Karte, die von eleganten Pfälzer Tropfen lebt.

Abzüge in der B-Note gibt’s bei der Trüffelpasta

Bei den Hauptgängen dann wird’s ernst – und wir kommen nicht umhin, Abzüge in der B-Note zu verteilen. Nicht bei den schmackigen Rinderrouladen, nein. Eher ist es die frische (nicht hausgemachte) Pasta, die nicht ganz unser Herz zu erwärmen vermag. Verstehen Sie uns bitte nicht falsch. Die Nudeln sind gut, sie werden mit einem Berg von frischem Trüffel gereicht. Nur, mit der Kraft, der Finesse, vor allem dem Aufwand der anderen Teller können sie nicht mithalten – über ein zweites oder drittes Röschen wilden Blumenkohl hätten wir uns außerdem gefreut. Ein Wort auch zum ansprechenden, zugleich übersichtlichen Menü: Als Vegetarier könnte man sich hier etwas verlassen fühlen – die Trüffelpasta ist leider der einzige Hauptgang, der ohne Fleisch oder Fisch auskommt. Wirkt ein bisschen wie Alibi. Aufs herbstliche Dessert, eine Maronenmousse mit Portweinfeige und Kürbiseis, verzichten wir heute. Es ist ja reichlich aufgetischt worden, die Portionsgrößen gehen voll in Ordnung.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Google Maps.

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Was also bleibt von einem schnuckeligen Abend im fürstlichen Wallonenhof? Gehoben, aber nicht abgehoben – edel, und doch nicht protzig. So ungefähr ließe sich das Gebotene zusammenfassen. Natürlich ist der Besuch nicht gerade was für den schmalen Geldbeutel. Nur: Qualität darf (und muss) ihren Preis haben. Im Wallonenhof werden nicht bloß Hacksteaks auf den Grill und Pommes in die Fritteuse geschmissen, es wird ehrliches Handwerk gelebt. Exquisite Produkte, etliche Arbeitsschritte und Handgriffe, kreative Ideen – das alles fließt in Benjamin Wolters Gerichte. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis passt absolut.

Wer hier speist, inmitten des dunklen Otterberger Walds, der isst nicht einfach nur. Der genießt, der gönnt sich. Probieren Sie mal die Rinderroulade!

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