Kaiserslautern
DRK zum Rettungswachen-Neubau: „Hinhalten haben die Mitarbeiter nicht verdient“
Bereits im Oktober hatte sich die DRK-Rettungsdienst Westpfalz GmbH in einem offenen Brief, der der RHEINPFALZ vorliegt, an die Stadtratsfraktionen gewandt. Sie wollen das Thema wieder auf die politische Tagesordnung heben, um nach einer Entscheidung zügig mit den Planungen beginnen zu können. Rund um den Neubau der Rettungswache des Roten Kreuzes gebe es innerhalb des Stadtrats „offensichtlich noch Klärungsbedarf“. Mit dem achtseitigen Schreiben wolle man zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Diese hat Mitte Mai in einer Stadtratssitzung zu Neubauvorhaben der Feuerwachen und der Rettungswache begonnen. Unter anderem gehen die Unterzeichner des Briefs, Rettungsdienst-Westpfalz-Geschäftsführer Axel Gilcher und Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Weichel, darin auf Fragen aus der Stadtpolitik ein.
Thematisiert wird auch der Vorschlag, eine gemeinsame Rettungswache von DRK und Feuerwehr zu errichten, um Synergieeffekte zu nutzen. Solche seien „bei einer gemeinsamen Nutzung mit freiwilligen Feuerwehren tatsächlich möglich“, heißt es. Da sich in dem Fall die Nutzungszeiten der Räumlichkeiten unterscheiden – nicht jedoch bei einer Berufsfeuerwehr, die ebenfalls tagsüber Schulungsräume, Werkstätten und Waschhallen benötige: „Dies bedeutet, dass selbst bei einer gemeinsam genutzten Feuer- und Rettungswache sämtliche genannten Räumlichkeiten in mehrfacher Ausführung vorgehalten werden müssen.“ Das führe zu keiner Kosteneinsparung, so das Rote Kreuz.
Standortwahl wird verteidigt
Im Brief wird auch die Standortwahl verteidigt. Mit dem vorgeschlagenen Standort am Kniebrech, im Osten Kaiserslauterns, erreichten die Rettungsfahrzeuge in der Innenstadt nahezu alle Einsatzorte innerhalb von „höchstens fünf Minuten. Damit gewährleisten wir – gemeinsam mit dem ASB (...) – die bestmögliche Abdeckung.“ Von dem Standort aus verfügten Rotes Kreuz und ASB durch eine Überlagerung der Einsatzgebiete über die „höchste Anzahl an verfügbaren Rettungsmitteln“ in der Innenstadt. Eine Standortveränderung, weg vom Kniebrech, würde „diesen Fünf-Minuten-Bereich verkleinern und damit die notfallmedizinische Versorgung der Stadtbevölkerung verschlechtern“.
Ein in der Stadtratssitzung im Frühjahr vorgeschlagener Betrieb des Rettungsdienstes durch die Berufsfeuerwehr sei ein enormes finanzielles Risiko für die Stadtverwaltung – „bei nicht zu erwartenden Verbesserungen der notfallmedizinischen Versorgung der Stadtbevölkerung“, heißt es im offenen Brief.
Belastende Situation für die Mitarbeiter
Darin gehen Gilcher und Weichel auch auf den städtebaulichen Aspekt einer Rettungswache ein: Eine Rettungswache sei aufgrund ihrer Funktion schon kein „Highlight“, aber für die Bevölkerung essenziell wichtig. Das Rote Kreuz wolle „keinen ästhetischen Prachtbau, sondern ein funktionelles Gebäude errichten, das sich möglichst gut in sein Umfeld integriert und vor allem seiner Funktion gerecht wird.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungsdienstes stünden das ganze Jahr über rund um die Uhr parat, um anderen Menschen zu helfen – „oftmals unter höchsten physischen und psychischen Belastungen“. Sie seien es, um die es in der Diskussion um den Neubau einer Rettungswache ebenfalls gehe. Dass sie seit Jahren in einer Rettungswache arbeiteten, die bereits länger aktuellen Anforderungen an einen Rettungsstützpunkt nicht mehr entspreche, wirke sich „zusätzlich belastend auf unsere Mitarbeiter*innen aus“. Weiter schreiben Gilcher und Weichel: „Die ständigen Verzögerungen, die sich aus den Diskussionen um den Standort ergeben und das damit verbundene Hinhalten haben sie nicht verdient.“
Im offenen Brief räumt die Rettungsdienst Westpfalz GmbH mit einem offenbar kursierenden Gerücht zu den Kosten des Bauprojekts auf: „Die Aufwendungen der Stadt Kaiserslautern für den Neubau der DRK-Rettungswache betragen jedenfalls keine 100 Millionen Euro, die genannt wurden.“ Und selbst wenn von einem Neubau-Preis von zehn Millionen Euro für eine Wache ausgegangen werde, „so würde der Zuschuss der Stadt Kaiserslautern bei unter zwei Millionen Euro liegen“. Laut Rettungsdienstgesetz sei die Stadt beim Neubau einer Rettungswache zu gut 25 Prozent am Gesamtzuschuss beteiligt – neben den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel sowie dem Donnersbergkreis.
Appell an die politisch Verantwortlichen
Abschließend heißt es in dem Schreiben: „Wir appellieren erneut an alle politisch Verantwortlichen, den Neubau einer Rettungswache für das DRK am Kniebrech zu unterstützen und schnellstmöglich gemeinsam mit uns voranzutreiben.“ Stadtrat und Rotes Kreuz seien das sowohl der Stadtbevölkerung „wie aber auch den hauptamtlichen Rettungsfachkräften und den Ehrenamtlichen im Katastrophenschutz schuldig, die tagtäglich im Einsatz sind, beziehungsweise in ihrer Freizeit im Katastrophenfall anderen Menschen helfen“. Der Neubau einer DRK-Rettungswache am Kniebrech sei „gerechtfertigt, sinnvoll und wirtschaftlich.“