Kaiserslautern
Doppelabend der Reihe „Konzert am Kamin“ wirft Schatten voraus
Eigentlich gab und gibt es mit den Städtischen Konzertreihen des Kulturreferats nahezu alle Gattungen wie Sinfonie- und Kammerkonzerte, dazu die Jazzbühne und beim Pfalztheater Operngalas sowie an diversen Aufführungsorten Kleinkunst verschiedenster Stilrichtungen. Und doch hat das neue Format „Konzert am Kamin“ des Fördervereins Kultur Quadrat doch noch eine Nische gefunden. Und diese in der Zeit des fünfjährigen Bestehens so markant besetzt, dass das nächste Konzertvorhaben sogar angesichts der erwarteten Resonanz zwei Mal aufgeführt werden muss – eigentlich sogar dreifach, weil es für die Ortsansässigen des Vereins in Alsenborn bereits zuvor als öffentliche Generalprobe (am 21. Januar) zu erleben war.
Es ist eine kunterbunte programmatische Mischung, die auf Kurzweil statt Langeweile, auf Abwechslung und Vielseitigkeit anstelle von Spezialisierung und Einseitigkeit setzt. Der Akzent und stilistische Schwerpunkt liegt zwar im klassischen Genre, öffnet sich aber auch hinsichtlich der Unterhaltungsmusik und entdeckt hier einstige Kassenschlager wie Rudi Schurickes Schlager und Filmmelodie „Mit Musik geht alles besser“. Dessen Textbeispiel daraus ist auch das Motto einer froh gestimmten und mit Lebensfreude das derzeitige gesellschaftliche Stimmungstief vertreibenden Vortragsfolge.
Vom Madrigal zum Tango
Diese spannt in der Klassik einen weiten Bogen vom frühbarocken englischen Madrigal John Dowlands über Henry Purcells Opernarie und weiter über die Romantik mit Kompositionen von Tschaikowski, Sibelius und Berlioz bis hin zu Jazzstandardtiteln wie Paul Desmonds „Take ive“ oder der Tangomelodie von Carlos Gardel „El dia que me qieras“.
Zum bereits fünften Mal laden die Lokalmatadoren aus Enkenbach-Alsenborn, die beiden Sängerinnen Esther Mertel und Sabine Heinlein, nicht nur ihr Publikum zu diesem bunten Stelldichein bei Wein (vom befreundeten Weingut Schönhals) ein, sondern beziehen auch wechselnde Gäste ein. Dabei erarbeiten sie gemeinsam einen thematischen Leitfaden: In diesem Jahr sind es „Saitenspiele“ und dies im wörtlichen Sinn. Für die wegen Mutterschaft ausgefallene Schwester Mertels, Klarinettistin Rebecca Gerstel, wirken daher dieses Mal die Cellistin Katja Zakotnik und der Harfenist Victor Emanuel Pohl mit. Beide Gäste solistisch und in der Umspielung oder Begleitung von Gesangspartien.
Verkannte Komponistinnen
Wie bei einem Probenbesuch am Samstag im Zink-Museum eindrucksvoll zu erleben war, ergeben solistische und Ensemblepartien ebenso wie Kontraste aus vokal und instrumental in der Kombination mit konzertanten und unterhaltenden Programmpunkten ein buntes Kaleidoskop an Ausdrucks- und Kombinationsmöglichkeiten. Auf einen weiteren Aspekt verwies die beim Pfalztheater als Chefdisponentin engagierte Sopranistin Esther Mertel mit dem Zyklus der „Six Morceaux“ für Cello und Klavier von Pauline Viardot (1821 bis 1910), weil auch besonders unbekannte oder verkannte Komponistinnen in dieser Konzertreihe zu neuen Ehren kommen sollen.
Betörende Kantilenen und konzertante Höhenflüge – sie wurden ohne Bauchlandung alle getragen und aufgefangen vom glänzenden Pianisten Younggeun Yoon, der alles souverän begleitet und bei wenigen Gesamtproben dieser Art allen Sicherheit verleiht. Man darf also gespannt sein auf einen bunten Reigen von Wieder- und Neuentdeckungen, die hier mehr als Mischung aus Revue und Variete sowie mit jeder Menge Charme und Esprit vorgetragen werden.
Termine
Doppelkonzert „Am Kamin“ im Zink-Museum am Sonntag, 28. Januar, jeweils um 11 und 17.30 Uhr.