Betze-Geflüster Doping für den Rasen auf dem Betze

Oben drehen sich die Spulen mit den grünen Fäden, unten versenken Nadeln reihenweise künstliche Grashalme im Spielfeld.
Oben drehen sich die Spulen mit den grünen Fäden, unten versenken Nadeln reihenweise künstliche Grashalme im Spielfeld.
Noch sind die Kunstfasern länger als die natürlichen Halme, sie werden später gekürzt.
Noch sind die Kunstfasern länger als die natürlichen Halme, sie werden später gekürzt.
Maria Huber
Maria Huber

Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen auf den Rasen, das Stadion ist leer, bis auf ein paar Menschen, die um eine Maschine am Torraum stehen. Eine Art Walze, die sich lärmend zwischen zwei Lichtschranken bewegt. Ratter, stanz, ratter, stanz. Sie gehört zu Programmpunkt zwei des neuen Belags auf dem Betze: Nachdem der Rasen entfernt, der Untergrund aufbereitet und frischer Rollrasen verlegt wurde, wird jetzt der Bereich vor dem Tor verstärkt, er bekommt Hybridrasen, und das bedeutet, dass genäht wird.

Das Nähgarn ist aus grünen Kunstfasern, die auf Fadenspulen im Kasten über der Walze befestigt sind. Ihre Enden sind durch Nadeln gefädelt, die in einer Reihe nebeneinander angebracht sind und 80 Zentimeter breite Streifen auf einmal bearbeiten.

England ist Vorreiter

Ratter, stanz, ratter, stanz. Die Maschine bewegt sich im Schneckentempo, angetrieben von einem Dieselmotor und Hydraulik. Sportplatzspezialist John France beobachtet ganz genau, wie das gute Stück arbeitet. Er liebt seinen Job und klingt begeistert, wenn er über seine Arbeit auf den Fußballplätzen der Welt spricht. „Ende der 80er-Jahre wurde eine solche Maschine in Holland entwickelt“, erzählt er. Eine amerikanische Firma habe die dann gesehen und das System verbreitet. „Inzwischen sind in Englands Erster Liga 100 Prozent der Stadien mit Hybridrasen ausgestattet, in der Zweiten Liga 80 Prozent und in der Dritten und Vierten Liga mindestens 50 Prozent“, erzählt er von dem System, das den Rasen stabiler und unempfindlicher macht.

115 Quadratmeter Hybrid

Das Prinzip, das dahintersteckt: Kunstfasern zwischen den natürlichen Halmen verhindern, dass sie sich vom Untergrund lösen. Und sie bewirken, dass der stark beanspruchte Torraum eben und gut bespielbar bleibt. 18 Zentimeter sind die Fasern lang, neun Zentimeter tief sticht sie die Nadel in den Boden. „Das stabilisiert die ganze Schicht, die Fußballer kommen da nicht mehr rein mit den Stollen, es verhindert, dass man eine Mulde hat, bringt Effizienz beim Abschlag“, erklärt France. Sysgras Light heißt das Paket der bayerischen Firma Euro Sports Turf, für das sich der FCK entschieden hat. 115 Quadratmeter des Spielfeldes werden damit ausgestattet. „In Torbreite bis zum 16er.“ Weil der Hauptbeanspruchungsbereich wie ein Trichter oder eine Sanduhr ist, weiß der Spezialist, der schon viele Plätze gesehen und bearbeitet hat.

Feine Zinken

Die Pflege des Spezialgrüns ist etwas aufwändiger als die des normalen Rasens. Die Zinken fürs Aerifizieren, das Lüften, müssen feiner sein, damit die Kunstfasern nicht beschädigt werden. Der Untergrund wird vorsichtig mit dem Rechen bearbeitet, braucht viel Sand und ein bisschen Dünger.

Doch erst mal muss die Nähmaschine fertig werden. Ratter, stanz, ratter, stanz. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Tribünendach. „Wie lange macht ihr noch?“, fragt Greenkeeper Steffen Köhler. „Bis es dunkel wird“, sagt France.

Mehrere Tage dauert die Prozedur. Dann werden die künstlichen Halme auf 23, 24 Millimeter gekürzt. Sie sind damit vier Millimeter kürzer als die normale Schnitthöhe, so dass Mähen auch mit dem Rasentraktor funktioniert.

Restarbeiten

Steffen Köhler beobachtet das, was hinter der Walze rauskommt und wirkt zufrieden. Hellgrüne Halme stecken jetzt schön regelmäßig zwischen den etwas dunkleren Stängeln des Naturrasens. Ein paar natürliche Halme müssen noch nachwachsen, es fehlt noch ein bisschen Sand, aber bis zum nächsten Heimspiel sieht alles perfekt aus.

Wie gut der neue Untergrund ist, will er nicht selbst beurteilen. Die Experten fürs Spielen sind andere, die Fußballer, die damit arbeiten.