Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die „Kolonne“ wird abgerissen

Die Bagger rollen schon. Alles kommt weg.
Die Bagger rollen schon. Alles kommt weg.

Die Aufregung ist groß. Auf dem Gelände des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Augustastraße wird alles plattgemacht. Fachleute sprechen von einem Trauerspiel. Weil ein Hussong-Bau fällt. Oberbürgermeister Klaus Weichel, der Präsident des DRK ist, sieht die Sache anders.

Oberbürgermeister Klaus Weichel versteht die Empörung nicht. „Es gibt eine Baugenehmigung, das alte Verwaltungsgebäude war absolut marode, die ganzen Dienstleistungen, die das DRK anbietet, brauchten schon lange sehr viel mehr Platz.“ Es sei jahrelang an einer Lösung gearbeitet worden. Da habe auch Wirtschaftlichkeit eine große Rolle gespielt. „Das DRK ist nicht auf Rosen gebettet“, sagt Weichel, der betont, sich nur als DRK-Präsident in der Sache zu äußern. Die jetzt gefundene Lösung sei für das Rote Kreuz ideal und gut. Zudem sei alles in den Gremien intensiv abgestimmt worden.

Bauträgergesellschaft IWG am Start

Im vergangenen Jahr schon war an der Barbarossastraße ein fünfgeschossiger Neubau für die DRK-Zentrale errichtet worden, für acht Millionen Euro. Der Umzug der Geschäftsstelle, inklusive DRK-Akademie, Betreuungsverein, Beratungsstellen und Fahrdienst beispielsweise, erfolgte zum Jahreswechsel. Auch Service-Wohnen bietet das DRK dort an. Bauherr war laut Weichel neben dem DRK-Kreisverband, der 2000 Mitglieder hat, die Donnersberger Konzepte GmbH, eine Tochter der Sparkasse Donnersberg.

Für den zweiten und dritten Bauabschnitt, für den jetzt alles abgerissen wird, sei eine Bauträgergesellschaft, die innovative Wohnbau Gesellschaft mBH (IWG), gegründet worden, bei der der DRK-Kreisverband 40 Prozent der Anteile hält, die Immo 150 PmS Verwaltungs GmbH, eine Tochter der Firma Horn, 40 Prozent. Beteiligt ist zudem die B11 Stadt-Immobilien-Kaiserslautern GmbH. Die IWG entwickelt, baut und vermarktet das Areal. Das DRK bleibe Grundstückseigentümer, die IWG werde Erbpachtnehmer, erklärt Weichel. „Davon profitiert dann wiederum das DRK finanziell“, erläutert der OB.

46 Wohnungen und eine Tiefgarage

Geplant sind nach dem Abriss auf dem Gelände zwei Mehrfamilienhäuser mit 46 Wohnungen, die vermietet werden sollen. Zudem entsteht eine Tiefgarage. Investiert werden zwölf Millionen Euro. Für die DRK-Rettungswache wird ein neues Grundstück gesucht, das laut Weichel etwas südlicher in der Stadt liegen soll, damit etwa Trippstadt schnell versorgt werden könne.

„Die Empörung in der Bevölkerung ist groß“, berichtet Dieter Burghaus vom Verein für Baukultur und Stadtgestaltung. Wieder einmal werde abgerissen, statt umzunutzen, wieder werde nur mit den Kosten argumentiert und ein weiteres Stück Stadtgeschichte verschwinde.

„Das ist ein Trauerspiel“

Matthias Schirren, Professor für Geschichte und Theorie der Architektur an der Technischen Universität, geht noch viel weiter. „Ich bin empört“, sagt er. Das sei ein Trauerspiel. Kaiserslautern brauche dringend einen Politikwechsel, „der Denkmalschutz nicht als Klotz am Bein betrachtet, sondern das Potenzial hebt“. Solche alten Gebäude seien nicht immer schön, aber identitätsstiftend. Zudem sei Abriss ökologisch schlecht. Wenn jetzt im Auftrag des DRK eine Fotodokumentation über die frühere Sanitäts- und Feuerwache beauftragt wurde, damit für die Nachwelt etwas bleibt, sei das ein Hohn.

Dass die „Kolonne“, wie das DRK-Gebäude im Volksmund heißt, unter Veränderungsdruck stand, war dem Professor bekannt. „Doch eine offizielle Auskunft war weder vom DRK noch von der unteren Denkmalschutzbehörde im Rathaus zu erhalten“, berichtet er und vermutet, dass da auch der ein oder andere Maulkorb verhängt wurde. Als seine Studierenden für die Landesausstellung anlässlich des Bauhaus-Jahres 2019 zu Hermann Hussong, dem früheren Oberbaudirektor von Kaiserslautern, recherchieren wollten, sei ihnen der Zutritt zum DRK-Gebäude verweigert worden.

Die Sanitätskolonne war laut Schirren eines der ersten öffentlichen Gebäude, die Hermann Hussong für die Stadt errichtete, noch vor 1914. „Und sie war von besonderer Qualität, weil sie mit ihrer Erweiterung zu einer Feuerwache den Bogen zu Hussongs Bauten der 1920er Jahre schlug, mit dem modernistischen Schlauchturm auf der Ecke und den angrenzenden Wagenhallen. Natürlich war auch sie im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Und doch ragte ihr Baukörper und seine Detaillierung, mit dem wie eine Schürze hochgezogenen, hohen Sandsteinsockel, qualitativ weit heraus aus der übrigen Bebauung.“ Mit dem Verlust des Bauwerks habe die Stadt ein Stück moderner Identität weniger. „Es wird fehlen.“

Das Sanitätskolonnenhaus in der Augustastraße stammt aus dem Jahr 1912.
Das Sanitätskolonnenhaus in der Augustastraße stammt aus dem Jahr 1912.
Auch der frühere Schlauchturm auf der Ecke zur Friedrichstraße wird abgerissen.
Auch der frühere Schlauchturm auf der Ecke zur Friedrichstraße wird abgerissen.
x