Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Die Inquisition der brennenden Hexen: Burning Witches im Interview

Burning Witches sind (von links):Courtney Cox (Gitarre), Lala Frischknecht (Schlagzeug), Laura Guldemond (Gesang), Jeanine Grob,
Burning Witches sind (von links):Courtney Cox (Gitarre), Lala Frischknecht (Schlagzeug), Laura Guldemond (Gesang), Jeanine Grob, (Bass) und Romana Kalkuhl (Gitarre).

Die Burning Witches stellen in der Kammgarn ihr neues Album „Inquisition“ vor. Über ihre Musik hat Christian Hanelt mit Bassistin Jeanine Grob gesprochen.

Zur Tour ist Ihr sechstes Album „Inquisition“ erschienen. Es handelt von der mittelalterlichen Frauenverfolgung und religiöser Unterdrückung. Das klingt auch alles sehr düster – düsterer als auf den Alben zuvor.
Das Album ist megatoll geworden. Unsere Gitarristin Romana ist so gut im Songschreiben und so vielseitig, sie hat so viele und starke Ideen. Ich habe das Gefühl, „Inquisition“ ist ein bisschen rassiger, ein bisschen schneller geworden und wegen des Themas tatsächlich ein bisschen dunkler.

Wie sind Sie auf das Thema gekommen? Es passt ja gut zum Namen der Band: Brennende Hexen.
Erstens passt es zum Namen, und zweitens interessieren wir uns alle für Geschichte. Und die Hexenverfolgung ist eine ganz große Tragödie der menschlichen Geschichte. Damir, Romanas Mann, kennt sich auch sehr gut in Geschichte aus, und unsere Sängerin Laura interessiert sich sehr für Fantasy-Sachen. So sind dann die Ideen zusammengekommen. Und ehrlich: So ganz ausgestorben ist dieses Problem ja immer noch nicht auf der Welt. Leider.

Die Band besteht seit zehn Jahren. Wie hat sich Ihre Musik da verändert?
Ich denke, wir sind alle musikalisch etwas enger zusammengerückt. Wir kennen unsere Stärken und unsere Schwächen, und jede bringt das Bestmögliche ein. Und wenn ich heute unser erstes Album anhöre und dann das letzte, merke ich, dass wir schon etwas rassiger geworden sind. Wir haben auf der Setliste unserer Konzerte von jedem Album etwas dabei.

Bekommen Sie es mit, wenn irgendwo Ihre Musik gespielt wird?
Ich bemerke das ziemlich schnell. Ich war auch schon mal in der Bahn, und plötzlich lief ein Burning Witches-Song. Das ist dann schon eine Ehre, wenn da plötzlich ein Song von uns läuft.

Was hören Sie sonst? Sie haben ja auch viel gecovert. Auf jedem Album war mindestens ein Coversong zu finden.
Ich höre Heavy- und Thrash-Metal, finde Kreator megatoll und natürlich Iron Maiden, King Diamond, Destruction und Gomorrah. Ich kann sie gar nicht alle aufzählen.

Wie kam es eigentlich zur Gründung einer reinen Frauenband?
Die Idee dazu hatte Romana. Zuvor war sie in der Band Atlas & Axis die einzige Frau. Und sie wollte einfach aus Spaß eine Frauenband gründen, aber auch weil sie wissen wollte, wie das ist, nur unter Frauen zu sein.

Und wie ist das jetzt in einer reinen Frauenband?
Es ist toll. Wir sind nicht nur einfach Musikerinnen, die auf die Bühne gehen und sich danach voneinander verabschieden. Lala, unsere Schlagzeugerin, Romana und ich wohnen ja in der Schweiz im gleichen Dorf. Da sehen wir uns fast täglich. Wir gehen zusammen auch mal shoppen, machen Grillpartys oder gehen ins Kino. Auch auf Tour bleiben wir an einem freien Tag nicht im Zimmer sitzen, sondern wollen dann auch immer etwas gemeinsam erleben.

In zehn Jahren reift man ja auch als Mensch, sammelt neue Erfahrungen. Wie schlägt sich das in Ihrem Songwriting nieder?
Unsere Texte drehen sich von Anfang an um Geschichtliches oder eben um Hexen und Geister. Auch das Songwriting läuft seit Gründung der Band ähnlich ab: Romana ist die Hauptsongwriterin, die dann die Riffs im Bandraum mit Lala entwickelt. Die Ideen schicken sie dann zu Laura und Larissa. Gegen Ende komme ich dann mit dem Bass dazu. Und wenn wir den Song zusammen haben, geht es ins Studio zur Aufnahme.

Sie sind auch immer wieder in den USA auf Tour. Wie kommt die Band da an?
Amerika ist mega. Wir wären schon im vergangenen Jahr wieder dort gewesen, mussten das aber auf 2026 verschieben. In den USA haben wir wunderbare Fans, die reisen uns zum Teil nach. So sieht man ein paar Leute, die zu jedem Konzert kommen.

Ist es schwierig als Band außerhalb der Schweiz erfolgreich zu sein?
Ja, am Anfang war es schon schwierig als Schweizer Band – das ist mir schon oft aufgefallen. Ich kann dir aber auch nicht sagen, warum. Mittlerweile aber haben wir es geschafft und sind schon weit herumgekommen, auch dank der Werbung, Youtube und dem ganzen Social Media-Kram.

Können Sie inzwischen von der Musik leben?
Wir leben nicht alle ganz von der Musik, denn wenn du ein Auto und eine schöne Wohnung haben möchtest, brauchst du in der Schweiz schon noch einen Job. Deshalb arbeiten wir alle noch nebenher. Romana und Lala sind Musiklehrerinnen, Laura gibt Gesangsunterricht und hat noch andere Projekte. Und ich arbeite nebenher im Verkauf.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Konzert mit der Band erinnern?
Das allererste war nicht öffentlich. Wir hatten dazu nur Familie und Freunde eingeladen. Das waren etwa 100 Leute. Da wollten wir testen, wie unsere Musik ankommt. Danach hatten wir in Lenzburg, das ist 20 Minuten von da entfernt, wo wir wohnen, das erste öffentliche Konzert, und das war mit 240, 250 Leuten ausverkauft.

Aber ist es nicht besonders schwierig, vor der eigenen Familie und vor Freunden zu spielen? Sind die nicht besonders kritisch?
Ich finde es cool, Feedback zu bekommen, denn wenn man weiterkommen möchte im Leben, dann geht das ohne Feedback nicht. Aber es stimmt: Ich war schon sehr nervös, auch weil ich davor noch nie auf einer Bühne gestanden bin. Ich habe das Bassspielen von Romana und ihrem Mann Damir gelernt und war meganervös. Meine Beine haben gezittert. Ich habe deshalb auch ein paar pflanzliche Beruhigungspillen genommen.

Hat sich diese Nervosität dann gelegt?
Das ging schon noch ein paar Monate, bis ich mich sicher gefühlt habe. Romana hat mir auch ein bisschen gezeigt, wie ich mich zu der Musik bewegen kann, wie das Headbangen auf der Bühne funktioniert. Mit der Zeit spürst Du dann selbst den Rhythmus und hast deine eigenen Moves.

Hatten Sie vorher gar nichts mit Musik zu tun?
Ich habe als Kind Klarinette und Flöte gespielt. Aber das kommt in einer Band wie unserer nicht so gut an. Nachdem ich Romana kennengelernt habe, hat sie mir ein Jahr Gitarrenunterricht gegeben, bis ich dann zum Bass gewechselt bin.

Letzte Frage: Nennen Sie drei Gründe, zum Konzert zu kommen.
Da ist zunächst einmal das neue Album, das sehr vielseitig und spannend ist. Wir sind fünf Powerfrauen, die Vollgas geben, weshalb es beim Konzert nie langweilig wird. Und der dritte Grund ist die kleine Party, die wir nach jedem Konzert am Merch-Stand mit unseren Fans feiern.

Das Konzert

Freitag, 30. Januar, Kaiserslautern, Kulturzentrum Kammgarn. Karten gibt es online unter www.kammgarn.de

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Die Band

Burning Witches sind eine 2015 im schweizerischen Brugg gegründete Heavy-Metal-Band, die sich dem klassischen Metal der 80er Jahre verschrieben hat. Initiiert von Gitarristin Romana Kalkuhl, entstand die Band aus dem Anspruch, traditionellen Heavy Metal kompromisslos, technisch präzise und in rein weiblicher Besetzung zu spielen. Nachdem schon das Demo Aufmerksamkeit erregte, erschien das selbstbetitelte Debütalbum 2017 und wurde von Fachmagazinen für seine energiegeladenen Riffs, hymnischen Refrains und seiner Nähe zu Vorbildern wie Judas Priest oder Iron Maiden gelobt. Mit dem Wechsel zu einem internationalen Metal-Label folgten weitere Alben, die der Band internationale Präsenz und Auftritte bei Festivals wie Wacken Open Air, Summer Breeze und Rockharz einbrachten. Musikalisch verbinden Burning Witches klassischen Heavy Metal mit Power-Metal-Elementen und einer starken Bühnenpräsenz. Besetzungswechsel, insbesondere am Mikrofon, führten zu einer klanglichen Weiterentwicklung, ohne die stilistische Handschrift aufzugeben. Heute gelten die Burning Witches als eine der erfolgreichsten Heavy-Metal-Bands der Schweiz mit internationaler Ausstrahlung.

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