Kaiserslautern
Die Band Junipa Gold überzeugt im Salon Schmitt
Junge Musiker aus Vorarlberg auf aktueller Tournee. Am Tag zuvor noch auf großer Bühne im Rockenhausener Schloßpark und am Sonntag im kleinen Kulturclub. Zahm und doch wild. Ihre Spielereien mit musikalischen Gegensätzen will die Band auch mit ihrem Namen ausdrücken: „Juniper“ heißt auf Deutsch Wacholder. Die Pflanze soll böse Geister fernhalten, ist Heilmittel und Gewürz zugleich, geeignet zur Schnapszubereitung, aber auch schwach giftig. Und das Ganze gepaart mit verheißungsvollem Gold. So unerwartet und mit überraschenden Wendungen sind auch ihre Songs angelegt.
Nach einem Preis als beste Newcomer-Band (2020) sind Junipa Gold seither beständig auf dem Weg, sich musikalisch zu entfalten und dabei ganz bewusst alle musikalischen Schubladen zu negieren. Und vor allem möglichst viel vor Publikum zu spielen. Auf Nachfrage nach musikalischen Einflüssen lassen sie nichts raus, wollen auf keinen Fall verglichen oder kategorisiert werden.
Erste „Setzlinge“
Die Songs stammen dabei aus der Feder von Sängerin, Gitarristin und Tastenexpertin Mia Berchtold. Sie lernte zunächst jahrelang Klavier und kam erst mit 15 Jahren autodidaktisch zur Gitarre. Da genoss sie die Freiheiten, nach Gehör und nicht nach Notenblatt zu spielen und pflanzte erste „Setzlinge“ für das eigene Songschreiben, wie sie am Rande des Konzerts erzählt.
Als sie später in einer Akustikband spielt und schließlich ein Solo-Projekt startet, nimmt sie einen Song im Privatstudio von Sascha Dimovski auf, der nun Gitarrist von Junipa Gold ist. Der Gitarrist habe irgendwann gemeinsam mit Pascal Thaler, nun Bassist der Band, „rein aus Spaß zwei Instrumentenspuren drüber gespielt und mir zugeschickt“, blickt die Musikerin zurück auf die Entstehung der Band. Die Sängerin schreibt die emotionalen, bisweilen lyrischen Texte, bringt die musikalische Grundidee mit, dann werde im Proberaum herum gespielt: „Wir probieren viel aus, und das so lange, bis es sich gut anfühlt.“
Die Texte handeln von persönlichen Erfahrungen, von einer nicht vorhersehbaren Reise der Gefühle. Hier wirken musikalisch tranportierte rosa Wolken, Schmetterlinge im Bauch oder Höllenqualen unmittelbar mit- und aufeinander ein. Gerne mit offenem Ende. Bei der Live-Präsentation erklingen ehrliche und persönliche Momente aus den Lautsprechern, um das Gehörte im nächsten Moment wieder vage oder fragil erscheinen zu lassen. So unberechenbar, wie das Leben, die Liebe …
In der aktuellen Besetzung besteht die Band nur aus Drummer Fabio Böckle, Gitarrist Sascha Dimovski und Mia Berchtold. Für die Tournee haben Sie einen Gastbassisten und einen Mixer verpflichtet. Der Bühnenteppich im Club ist mit Instrumentarium vollgestellt, darunter ein komplettes Drumset und vollgepackte Konsolen mit Effekten. Es wird nichts dem Zufall überlassen, sogar professionelles In-Ear-Monitoring wird genutzt. Die Band beginnt ihr Set mit einem voluminösen Basssound und fetten Gitarren. Und sofort zieht das gewisse Etwas der Stimme das Publikum in den Bann. Nach einer Rock-Nummer mit eingängigem Refrain outet sich die Musikerin: „Das ist das kleinste Konzert, was wir je gespielt haben!“ Und hat die Lacher auf Ihrer Seite. Für den Song „Devil“ schnallt sie sich die E-Gitarre um und beginnt mit balladeskem Einstieg. Kurz darauf macht die Band richtig Druck. Man sieht und spürt, dass die vier ambitionierten Musiker voll in ihrem Element sind und noch Großes vorhaben. Es fällt auf, dass die Hooklines gut gewählt sind und ins Ohr gehen. Die jüngste Single „Turn To Dust“ ist eigentlich ein Liebeslied, oder doch nicht? „Liebe ist bekanntlich ein furchtbar vielschichtiges Gefühl... Es kann sich sehr überwältigend, beängstigend, intensiv und laut anfühlen“, erläutert die Sängerin dazu. Und das alles packt die Band in ihren musikalischen Ausdruck.
Zwei passende Cover
Insgesamt kommt ein wirklich guter Sound rüber, was in dem kleinen Club mit großem Drumset nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Bei aller Melancholie, die oft in den Songs mitschwingt und durch die dunklen Stimmpräsentationen bewusst verstärkt wird, ergeben sich tanzbare, fast fröhlich erscheinende Nummern. Man weiß an dieser Stelle nicht so genau, ob man aufs Glatteis geführt wird, da die Texte in dem Soundkonglomerat schwer zu verfolgen sind. Leider verzichtet die Textdichterin zudem auch auf Ansagen zu den Inhalten oder Botschaften. Schade, hier wäre noch mehr Nähe zum Publikum möglich.
Und doch hat jeder Song eine etwas eigene Note, was allein schon durch die unterschiedlichen Klangeffekte der Gitarren und des Synthesizers hervor gebracht wird. Und schließlich gibt es doch einen Coversong, „Summertime Sadness“ von Lana Del Rey. Die Stimmfarbe der Österreich passt perfekt zu dem Stück. „Das ist meine Lieblingskünstlerin“, verrät sie denn auch augenzwinkernd. Und es könnte in der Tat auch ihr eigener Song sein; die Nummer reiht sich jedenfalls prima in die Setlist der Band ein.
Es folgt die brandneue Single „Loving Like A Fool“: stampfender Rockrhythmus und messerscharfe Gitarren. Ja, das kommt absolut hitverdächtig rüber. Und natürlich fordert das Publikum am Ende konsequent eine Zugabe. Da wartet die nächste Überraschung: Es gibt Guns 'n Roses ganz akustisch, dann ein großes Finale mit einer weiteren Eigenkomposition. Keine Frage: Junipa Gold hat gute Live-Qualitäten und ist bereit für große Bühnen. Da wird man noch einiges hören.