Kaiserslautern Der Tradition treugeblieben
Hauptstuhl. Eine außergewöhnliche Dachform ziert die katholische Kirche St. Ägidius in Hauptstuhl. Zwiebelförmig wölbt sich das Kupferblech auf dem Turm. Für die Westpfalz ist ein solches Kirchendach ungewöhnlich, für Hauptstuhl ist es zum Wahrzeichen geworden.
Ob als Reisender auf der nahen Autobahn A6 oder als Benutzer der Landstraße aus Richtung Bruchmühlbach-Miesau oder Landstuhl, der kupferblechbeschlagene Turmhelm in Zwiebelform der katholischen Kirche Sankt Ägidius in Hauptstuhl zieht unwillkürlich die Blicke auf sich. Denn in der Westpfalz ist diese Kirchturmdachform selten anzutreffen. In bayrischen oder österreichischen Gefilden ließe sich diese Turmform wohl eher vermuten. Annahmen, dass im fernen München – die Pfalz gehörte 1931 beim Bau der Kirche zu Bayern – Pläne vertauscht oder verstärkt bayrische Kultur eingeführt werden sollte, geistern auch heute noch durch die Westpfalz. Die Entscheidung für einen Zwiebelturm dürfte wohl jedoch gefallen sein, weil die Bauherren in der Tradition der alten Kapelle aus dem 18. Jahrhundert bleiben wollten. Das genaue Erbauungsjahr der Kapelle ist nicht mehr bekannt. Im Ortsmittelpunkt dürfte zwischen 1712 und 1722 das kleine Andachtshaus entstanden sein – genau am höchsten Punkt, den die „strata et via imperatoria“, die heutige Kaiserstraße, im Ort überwinden muss. Auch die Kapelle trug ein schiefergedecktes Zwiebeltürmchen. Am 2. März 1931 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kapelle statt. Bereits am 21. März 1931 war das 200 Jahre alte Kirchlein aus dem Ortsbild verschwunden. Über die Grundsteinlegung für die neue Kirche auf dem Platz der ehemaligen Kapelle berichtete am 31. Mai das „Pfälzer Tageblatt“ unter anderem die interessante Tatsache, „dass die Steine der alten Kapelle beim Bau der neuen Kirche mitverwendet wurden, ja sogar einige Steine einer ganz alten Kirche des untergegangenen Ortes Ruppach, die auf dem heutigen Hauptstuhler Friedhof stand und vor mehreren Jahrhunderten (im Bauernkrieg?) zerstört wurde“. 1957 bekam der Turm mit der Zwiebelhaube ein neues musikalisches Innenleben. „Mit den vier neuen von der Glockengießerei Hamm in Frankenthal gegossenen Glocken erfüllte sich ein langersehnter Wunsch der Bevölkerung“, berichtete die „Rheinpfalz“ am 7. Oktober 1957. Umfangreiche Renovierungsarbeiten in den vergangenen Jahren lassen das Gotteshaus mit dem besonderen Turm nun wieder in neuem Glanz erstrahlen. Eine kleine Stahlglocke aus der alten Kapelle hängt heute noch als Überbleibsel in dem 35 Meter hohen Turm. (gi)