Kaiserslautern Der perfekte Dreh
Angela Banf lebt ihre handwerkliche Begeisterung aus: Eines Tages schaute sie einem Nachbarn beim Drechseln zu und war sofort von der Arbeit mit dem Holz fasziniert. Seitdem steht sie regelmäßig an der eigenen Drechselbank und dreht Kugelschreiber, Ringe oder Parfümzerstäuber.
Der Tisch ist über und über mit Stiften dekoriert: Es sind schmale und dicke, schlichte und mit Ornamenten versehene Kugelschreiber, Bleistifte und Füller. Je nach Zielgruppe gibt es für den Harley-Davidson-Fan einen Stift mit dem typischen Harley-Flügelpaar und einer Teleskopgabel mit Vorderrad, für den Autoliebhaber mit einer Gangschaltung oder den Musikfreund sogar einen mit Noten, einem Gitarrenhals, einem Band aus Klaviertasten und einer Trommel. Aber neben diesen wuchtigen Exemplaren gibt es auch zartere, die bescheidener daher kommen. Gemeinsam haben allerdings fast alle den Mittelteil aus Holz. Und hier kommt Angela Banf ins Spiel. Ihre Leidenschaft ist das alte Handwerk des Drechselns. „Mein Nachbar war Ami“, erzählt die 25-Jährige, „und er war Tag und Nacht in seiner Garage beschäftigt. Irgendwann habe ich nachgeschaut, was er da macht“. Damals kommt die junge Frau das erste Mal mit der Drechselkunst in Kontakt und ist direkt begeistert. Lächelnd erinnert sie sich, dass der Amerikaner nach Hawaii versetzt und der Umzugswagen am nächsten Tag bestellt war, weshalb die beiden nur fünf Stunden für die Einweisung in die Kunst des Drehens hatten. Alles Weitere hat sich Banf später dann selbst beigebracht, durch einschlägige Literatur, aber auch durch reines Ausprobieren. Heute ist sie es, die jede freie Minute an der Drechselbank in ihrer Werkstatt im Keller zubringt. Die Hölzer, die sie für das Drehen braucht, stammen aus fast jedem Land der Welt: von Brown oder Red Mallee aus Australien bis hin zu Eiche und Erle aus Deutschland. Damit aber nicht genug, färbt sie manches Holz vor dem Drechseln ein. Ein Stück Esche beispielsweise hat sie rot gefärbt und dann in einem Drucktopf mit Acryl stabilisiert, bevor es zu einem Kugelschreibergehäuse aus marmoriertem Holz geworden ist. Am Anfang ihrer Arbeit steht immer ein viereckiges Ausgangsstück, das mit dem Drechseleisen bearbeitet wird. Für einen gewöhnlichen Kugelschreiber brauche sie zwischen einer Dreiviertel- und einer ganzen Stunde, sagt sie. Nach dem Schleifen trägt Banf eine Lackschicht zum Schutz auf, bevor sie das entstandene Holzrohr mit einem Kugelschreiber-Bausatz zusammengebaut. Von Bankzien aus Down-Under bis zu heimischen Tannenzapfen oder von Carbon bis Silber findet die Marketing- und Kommunikationskauffrau für alles Verwendung und verwandelt es in Schreibgeräte von manchmal wunderlichem Aussehen. Dennoch sind das laut eigenen Aussagen noch nicht einmal die außergewöhnlichsten Materialien. Als verrückteste Idee bezeichnet Banf, das Verwenden von Kaffeebohnen im Werkstück oder auch die Bitte, etwas aus einer alten Uhr zu machen. Sie baute damals das Zeitmessgerät auseinander, erwärmte und bog die Zahnrädchen und goss sie in Polyester, um daraus wiederum eine Kuli-Sonderanfertigung zu machen. Ebenfalls eine Anfertigung auf speziellen Wunsch war ein Stift aus dem Holz einer alten Erle von etwa 1500, das einst in einer Scheune verbaut war. Ihre Lieblingsstücke aber sind der erste Kugelschreiber, den sie überhaupt gemacht und dann dem Vater geschenkt hat und ihr eigener, der sie als Amerikafan outet. In der Hauptsache sind ihre Produkte zwar Schreibgeräte, daneben hat sie aber auch Parfümzerstäuber, Brieföffner, Armbänder, Holzringe und Zigarrenzubehör im Programm. Tatsächlich verwundert Außenstehende da nicht, dass sie als Wahlspruch das Motto „Holz ist für mich der Inbegriff von Inspiration, Kreativität und Leidenschaft“ gewählt hat. Eher wundert es, dass sie neben diesem intensiven Zeitvertreib noch als Trainerin arbeitet, Tennis und Fußball spielt sowie als treuer Fan des 1. FC Kaiserslautern mit Dauerkarte in der Westkurve steht. Info Angela Banf ist mit ihren gedrechselten Produkten aus Holz am Samstag und Sonntag, 17. und 18. November, in Ramstein-Miesenbach beim Adventsmarkt und vom 3. bis 9. Dezember auf dem Kulturmarkt in der Fruchthalle.