Kaiserslautern
Der Neujahrsempfang in Zahlen und Bildern
Wie viele Menschen waren beim Neujahrsempfang der Stadt?
Knapp 700 Menschen, 680 geladene Gäste plus 17 Pressevertreter, strömten ab 16 Uhr – ab dann waren die Türen der Fruchthalle geöffnet – in die gute Stube der Stadt. Die Stadtverwaltung hatte vor der Veranstaltung rund 1000 Einladungen verschickt.
Wie lief der Neujahrsempfang ab?
Der offizielle Beginn des Empfangs war auf 17 Uhr festgelegt, Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) ließ allerdings das akademische Viertel verstreichen, bevor sie um 17.15 Uhr ans Rednerpult auf der Bühne trat. Ihre Ansprache dauerte exakt 29 Minuten. Im Anschluss wurde gemeinsam das „Palzlied“ der Anonyme Giddarrischde gesungen. Der Text dazu war auf einem Bildschirm über der Bühne eingeblendet, die Musik kam vom Band. Im vergangenen Jahr hatte Beate Kimmel ihre Gäste ebenfalls singen lassen. 2024 stand „Die Gedanken sind frei“ auf dem Programm.
Welche Themen sprach Beate Kimmel an?
Das Stadtoberhaupt spannte thematisch einen weiten Bogen, sprach die Themen Lauterfreilegung und damit verbundene Belebung der Stadtmitte an, aber auch die beiden Dauerbrenner-Themen der Stadtentwicklung, Pfaff-Gelände und Betzenberg. Sie lobte den FCK als „stärkste Marke der Stadt“. Die Fans des Fußballvereins hätten mit der beeindruckenden Choreographie beim DFB-Pokal-Endspiel Ende Mai in Berlin weltweit für Aufsehen gesorgt. Kimmel brach weiterhin eine Lanze für die Demokratie, die insgesamt gestärkt werden müsse. Zudem zeichnete sie den Wandel ihrer Heimatstadt vom Industrie- zum Wissenschaftsstandort nach.
Wie kam die neuerliche Gesangseinlage an?
„Bis Freitag wollte ich nicht singen lassen“, verriet Beate Kimmel ihrem Publikum einen relativ spontanen Sinneswandel mit Blick auf den Abschluss des offiziellen Teils des Neujahrsempfangs. Das hatte die neuerliche Ankündigung eines gemeinsamen Liedes zunächst mit einem Raunen quittiert, der Titel wurde vom Auditorium mit einem lauten „Oh“ aufgenommen. Beim Singen des „Palzliedes“ war dann in puncto Lautstärke auch noch ein wenig Luft nach oben – vor allem im direkten Vergleich mit dem Fritz-Walter-Stadion, wo das Lied fester Bestandteil der Routine vor dem Anpfiff der Heimspiele des 1. FC Kaiserslautern ist. Dort wird das Lied um kurz vor 13 Uhr am Samstag wieder erklingen. Dann wahrscheinlich wieder aus mehr als 40.000 Kehlen. Allerdings schlug sich auch der rund 700 Köpfe zählende Fruchthallen-Chor recht wacker. Im direkten Sing-Vergleich hat aber die 2024er-Version von „Die Gedanken sind frei“ die Nase vorn. Wir sind auf 2026 gespannt. Beate Kimmel zeigte sich offen für Liedvorschläge für den nächsten Neujahrsempfang.
Was wurde aufgetischt – und was kam ins Weinglas?
Selbstverständlich flossen in der Fruchthalle ausschließlich Pfälzer Tropfen. Hit des Abends war ein trockener, zitrusfrisch-mineralischer Riesling aus dem Deidesheimer Nonnenstück – abgefüllt von der Niederkirchener Winzergenossenschaft „Die Weinmacher“. Auf der Karte standen außerdem noch zwei weitere trockene Weine: ein würziger Grauburgunder vom Weinkontor Edenkoben sowie ein beeriger Merlot vom Deutschen Weintor. Für die „Süßen“ unter den rund 700 Gästen bot das Catering einen lieblichen Portugieser Weißherbst von „Die Weinmacher“ an. Neben den obligatorischen Neujahrsbrezeln kredenzte der Service kleine Gebäckteilchen in Form von Fischen sowie kalte Cabanossi, eine Art schnittfeste Räucherwurst. Die Bierfreunde durften sich an einem kühlen Karlsberg erfreuen.
Wann war die Veranstaltung zu Ende?
Ab 19.30 Uhr wurde es langsam merklich leerer in der Fruchthalle, um 21 Uhr waren die letzten Gäste weg. Dann war die Veranstaltung offiziell vorbei und das Orga-Team der Pressestelle konnte die Halle geschlossen verlassen.
Was hat der Neujahrsempfang gekostet?
Wie im Vorjahr hat die Veranstaltung rund 20.000 Euro gekostet, informiert der Stadtsprecher auf Nachfrage. Bei zehn Euro Eintritt pro Person sind damit also nicht annähernd die Kosten gedeckt. Damit erübrige sich der Vorschlag, das Eintrittsgeld einem guten Zweck zukommen zu lassen, wie aus der Gästeschar vorgebracht.
Gab es einen Dresscode?
Nein, bei dem Neujahrsempfang gibt die Stadt keinen Dresscode vor, jeder und jede kann kommen, wie er oder sie mag. Die Kleidung ist also bunt gemischt: Der Großteil zieht sich eher schicker an, viele Herren tragen also ein Sakko, teils mit Krawatte. Einige wenige Damen werfen sich für den Abend besonders in Schale, kamen zum Beispiel auch diesmal im glitzernden Cocktailkleid. Viele Gäste erscheinen jedoch schlicht im üblichen Casual- oder Büro-Outfit, das sie auch tagsüber tragen.
Stimmen und Stimmungen
Die RHEINPFALZ hat sich am Montagabend in der Fruchthalle umgehört, hat Menschen aus Kaiserslautern gefragt, was sie sich für die Stadt fürs gerade angebrochene Jahr wünschen. Außerdem wollten wir die persönlichen Wünsche der Menschen wissen.
„Weniger Baustellen.“ Thomas Hengen, der Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, musste nicht lange überlegen bei der Frage, was er der Stadt fürs laufende Jahr wünscht. Die vielen Umleitungen in der Stadt hätten zu einigen Verzögerungen beim Weg von A nach B geführt – normalerweise seien ja kurze Wege der Vorteil einer kleinen Stadt. Dass es bei der Neuen Stadtmitte voran gehe, freue ihn. Der FCK soll sich 2025 „weiter stabilisieren und weiter verbessern“, wünscht sich der Geschäftsführer. Die Konkurrenz in der Zweiten Bundesliga schlafe nicht. Eine besondere Rolle spiele dabei das Fritz-Walter-Stadion, für das eine Prioritätenliste erarbeitet werden soll, welche Maßnahmen wann angegangen werden sollen.
Sandra Bankowsky, die Leiterin der Integrierten Gesamtschule (IGS) Bertha-von-Suttner, wünscht sich für Kaiserslautern und die Stadtgesellschaft einen guten Zusammenhalt. „Und insbesondere ein Bewusstsein für Demokratie“, gerade mit Blick auf die in wenigen Wochen anstehende Bundestagswahl, unterstreicht die Schulleiterin. Für die IGS erhofft sich Bankowsky – nach den Feierlichkeiten zum 50. Schuljubiläum im vergangenen Jahr – „ruhigeres Fahrwasser“. Beim Thema Bauarbeiten am Fachklassentrakt darf es aber laut Bankowsky schon vorangehen 2025.
Michael Staudt, Leiter der Volkshochschule Kaiserslautern, fände es gut, wenn „im nächsten Jahr das Eintrittsgeld für den Neujahrsempfang“, zehn Euro pro geladenem Gast, „als Spende eingesetzt wird“. Schon seit Jahren würde er das Geld lieber einem gemeinnützigen Zweck zugewandt sehen – „oder vielleicht für die freie Kulturszene“, schlägt er vor. Persönlich hegt er den Wunsch, „dass der rechte Spuk aufhört“. Dass rechtes Gedankengut und rechte Rhetorik mal salonfähig werden, hätte er früher nicht gedacht. Dringend nötig sei auch, dass mehr in die Schulen investiert wird, sagt er Richtung Stadtpolitik.
Alt-Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) findet spontan einen Weg, seinen persönlichen Wunsch mit dem für die Stadt zu verbinden. Der Bezirksverband Pfalz, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, hat im Herbst vergangenen Jahres das Gebäude der Landeszentralbank in der Fischerstraße 49 gekauft. „Darin wird eine Bibliothek der Dinge entstehen“, schwärmt Weichel. Nicht nur die Pfalzbibliothek soll dort eine neue Bleibe finden und sich neu aufstellen, sondern auch das Museum Pfalzgalerie erhält Depoträume in dem Gebäude. Dadurch wird die Aula im Museum wieder „zu einem Raum für Begegnungen“. Und „das ist gut für die Stadtentwicklung“, bilanziert er. Dass die Umgestaltung nun möglichst schnell geht, wünscht sich der Ex-OB. „Wir hoffen auf einen vorzeitigen Baubeginn.“
Die Grande Dame der Pfälzer Wirtschaft, Annemarie Becker von den Entsorgungsbetrieben Jakob Becker in Mehlingen, ist beim Neujahrsempfang der Stadt eine feste Größe. Nichts eingebüßt hat die 88-Jährige auch von ihrer resoluten und zupackenden Art: „Persönlich wünsche ich mir Gesundheit“, sagt sie in gewohnt robustem Ton, der keinen Zweifel an ihrer Gesundheit aufkommen lässt. Und für die Stadt wünscht sie sich, fast etwas ungeduldig, „dass sie die notwendigen Dinge endlich zu Ende bringt“, zum Beispiel „die Baustelle in der Stadtmitte“. Mehr Frau der Tat als der großen Worte packt sie kurzerhand ihr Gegenüber und stellt es ihrem Enkel vor, der inzwischen auch in die Geschäftsführung eingestiegen ist.
Wesentlich redseliger ist Dorothee Wüst, die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz. Auch sie sagt – quasi entschuldigend –, dass sie sich, „wie wohl alle“, Gesundheit wünscht. „Und dass die Kinder einen guten Weg finden, das jüngste macht gerade Abitur.“ Für die Stadt hat sie eher einen Rat als einen Wunsch an die Bürger: „Die Stadt soll ihre lebens- und liebenswerten Seiten ausbauen und die Menschen sollten diese wertschätzen.“ Das Positive entdecken und gemeinsam fördern bringe die Gesellschaft voran: „Das Glas sollte halbvoll statt halbleer sein.“ Dazu müssten die Menschen selbst den Mut haben anzupacken: „Es ist die eigene Verantwortung mitzugestalten. Nur Politiker wählen und dann fordern, die sollen alles tun, funktioniert nicht“, appelliert sie.
Als Präsident der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) muss Malte Drescher nicht lange überlegen, was er sich für die Stadt wünscht – insbesondere für das Wissenschaftszentrum Kaiserslautern: „Dass die einzelnen Standorte der RPTU auf allen Ebenen mehr zusammenwachsen, thematisch und bei den Studierenden, denn davon profitieren alle“, sagt der 49-jährige Kieler. Er hofft, dass Lautern näher an die Rheinschiene rückt – und die Rheinschiene natürlich näher an die Stadt. Sein ganz persönlicher Wunsch für 2025? Wie Drescher betont, wolle er „einfach die hohen Erwartungen, die ich erlebe und als extrem motivierend empfinde, ein Stück weit erfüllen“. Darin sehe er einerseits bereits „eine große Wertschätzung“ – andererseits aber auch das, was ihn täglich in seinem Tun antreibe.
Susanne Henn-Marker hingegen behält, wie üblich, den Blick auf die ganze Gesellschaft, vor allem auf die Familien. „Ich wünsche mir einfach, dass die Leute zuversichtlich bleiben, die Hoffnung nicht verlieren und Kraft sammeln – denn es gibt gerade zu viel Schlimmes auf der Welt“, betont die Vorsitzende des Schaustellerverbands Barbarossa Pfalz-Saar. „Es geht immer weiter!“ Und natürlich, wo könnten die Menschen die Alltagssorgen besser vergessen, als bei einem Besuch auf den beiden Lautrer Kerwen? Persönlich hegt sie einen an diesem Montagabend oft geäußerten Wunsch – nämlich, dass ihre Liebsten und sie gesund bleiben, das nächste Weihnachtsfest wieder mit rund 20 Familienmitgliedern besinnlich feiern können. „Das steht an oberster Stelle“, sagt Henn-Marker. Vieles andere gehe dann ganz von selbst in Erfüllung.
„Frieden für die Welt. Für alle Menschen.“ Wenn Andrea Bergsträßer, die Pflegedirektorin am Westpfalz-Klinikum (WKK), einen Wunsch für 2025 frei hätte, dann diesen. Der wieder ins Amt des US-Präsidenten gewählte Donald Trump, überall Kriege und Krisen, so manche politische Entwicklung – das alles könne man nur mit Sorge betrachten, sagt sie. Mit Sicherheit einfacher zu erfüllen dürfte dagegen das sein, was sie sich im neuen Jahr in der Stadt wünscht, gerade im Hinblick auf das WKK: eine „offene, ehrliche und vertrauensvolle Kommunikation über das Thema Gesundheitsvorsorge“.
Was ist eine Großstadt, in der die fünfte Jahreszeit begossen wird, nur ohne Fastnachtsumzug? Udo Bröckelmann, der Präsident des traditionsreichen Karnevalvereins Kaiserslautern 1838 (KVK), verknüpft seinen Wunsch für die Stadt deshalb kurzerhand mit einem ganz persönlichen: der Rückkehr eines närrischen Lindwurms, der letztmals 1951 stattfand. „Wir sind da bereits in Gesprächen, stehen aber noch ganz am Anfang“, erzählt er. Um die ganzen Wagen rollen zu lassen, müsse jedoch erst einmal eines beendet sein, pflichtet Bröckelmann FCK-Boss Hengen bei: die ganzen Baustellen. „Klar, es muss alles gemacht werden, das ist auch schön fürs Stadtbild. Wenn es aber weniger Baustellen gibt, können wir alle wieder fleißiger arbeiten“, so der KVK-Mann. Für sich selbst wünscht er sich Gesundheit – „der Rest kommt von allein“.
Ihr Wunsch ist ziemlich konkret – und er könnte persönlicher kaum sein. „Viel gemeinsame Zeit mit meiner Mutter in ihrem neuen Pflegeheim“, antwortet Brigitte Rottberg auf die Frage, was ihr 2025 am Wichtigsten ist. Im vergangenen Jahr sei die Suche nach einem freien Platz nämlich die größte Herausforderung gewesen, sagt die Expertin für Eventsicherheit und Gattin des Pfälzer Kultbarden Stephan Flesch. Und sonst? Eine „gute Zeit“ mit Freunden und Familie steht ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste – „die richtige Balance zwischen Gelassenheit und Leidenschaft ist mir wichtig“, so Rottberg. In der Stadt Kaiserslautern hofft sie vor allem auf „mehr Gestaltungsspielraum“. Auf mehr Freiheiten für Kultur, für Veranstaltungen, für die Kinder- und Jugendarbeit – denn unter dem Diktum der freiwilligen Leistungen habe das alles gerade in letzter Zeit arg leiden müssen. gzi/ppp/bld
asdasd