Kaiserslautern
Der Mölschbacher Dorfladen ist zurück
Traurig waren die Mölschbacher, als Heike und Heiko Juner nach zwei Jahrzehnten das Lädchen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten. Das kleine Geschäft, das Bäckereiwaren und Artikel des täglichen Bedarfs führte, war für viele ältere Bürger der einzige Laden, den sie fußläufig erreichen konnten. Umso schmerzlicher die Tatsache, dass das Geschäft am Ortseingang vor einiger Zeit schließen musste.
Vom frohen Ereignis der Neueröffnung kündeten schließlich farbige Fähnchen. Sie schmücken den Vorplatz, Luftballons den Eingang des Dorfladens. Der befindet sich an der Kreuzung Mölschbacher Straße und Johanniskreuzer Straße, gegenüber dem Feuerwehrhaus. „Dem Vermieter des Anwesens, einer Familie aus Speyer, war daran gelegen, das Ladenlokal so schnell wie möglich wieder zu vermieten“, berichtet Ortsvorsteherin Jutta Rech. „Für ältere Leute war der Laden eine zentrale Anlaufstelle.“ Neben dem täglichen Bedarf hätten sich die Kunden auch für das interessiert, was in Mölschbach läuft, beschreibt Rech das Geschäft als eine Art Kommunikationszentrale.
Berufstätige haben sich früh morgens auf dem Weg zur Arbeit mit Verpflegung versorgt, Handwerker haben sich mit einem Fleischkäsbrötchen eingedeckt, Frauengrüppchen sich zum Kaffeekränzchen verabredet. Der Ortsvorsteherin war es deshalb ein Anliegen, die neuen Betreiber des Dorfladens mit einem Blumenstrauß willkommen zu heißen.
Für Monika (50) und Andreas (60) Müller, die beide in Mölschbach zu Hause sind, war die Schließung des Dorfladens Gelegenheit, sich selbstständig zu machen und den Laden zu übernehmen. Sie war über viele Jahre in leitender Position bei Kaufland beschäftigt, er fuhr die letzten Jahre täglich zu seiner Arbeitsstelle bei der BASF in Ludwigshafen. „Der Laden wäre etwas für mich. Ich höre auf. Ich will das machen“, erinnert sich Andreas Müller an eine Aussage seiner Frau. Danach habe er sich mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt und erkundigt, ob das Ladenlokal noch zu haben sei. „Es hat geklappt!“
In kurzer Zeit wurde die Inneneinrichtung auf Vordermann gebracht, Decke und Wände neu gestaltet, zusätzlich eine heiße Theke geschaffen. Jetzt finden sich neben Back- und Wurstwaren belegte Brötchen, heißer Fleischkäse, Frikadellen und Schnitzel im Angebot. Lebensmittel für den täglichen Bedarf, Getränke und Zeitschriften ergänzen das Sortiment. In einer Backstube können Brezeln frisch aufgebacken, in einem Kühlraum kann Ware gelagert werden. Ein weiterer Raum wird den Mölschbachern in Kürze als Poststelle dienen. „Wir sind gut aufgestellt“, zeigt sich Andreas Müller zufrieden.
Ehepaar Müller freut sich über den Zuspruch
Das Ehepaar Müller freut sich über den großen Zuspruch. „Bei der Eröffnung waren viele, viele Leute da, alle waren sie happy“, steht dem neuen Geschäftsmann noch immer die Freude ins Gesicht geschrieben. Eine Café-Bar ermöglicht es, dass Gäste bei schönem Wetter einen Espresso oder einen Cappuccino auf dem kleinen gepflasterten Vorplatz des Ladens einnehmen können.
Gut frequentiert war der Platz vor dem Dorfladen beispielsweise zu Wochenbeginn. Bei einer Tasse Kaffee wird erzählt und sich ausgetauscht. Für Maria und Andreas Fichtner, beide gehörten sie über viele Jahre dem Ortsbeirat in Mölschbach an, ist mit der Wiedereröffnung des Dorfladens „ein Stück Lebensqualität zurückgekehrt“. So wie sie die Familie Juner mit Einkäufen unterstützt haben, wollen die Fichtners auch den neuen Betreibern helfen, auf die Beine zu kommen. Ebenso wichtig ist ihnen der Austausch mit den Mölschbachern, die sich hier einfinden.
„Wir hatten einmal drei Gaststätten im Dorf“, trauert Andreas Fichtner den Lokalitäten nach. „Heute haben wir nichts mehr. Selbst zwei Getränkehandel haben die Tore dicht gemacht.“ Am Tisch nebenan fühlen sich Michaela Meschnig, Stefan Blandfort und Peter Eitelbus wohl. Rentner, die Zeit haben und sich gerne bei einem Schwätzchen austauschen. Auch sie sind froh, dass der Dorfladen wieder aufgemacht hat. Mölschbach sei arm an Begegnungsstätten, bedauern sie das nur in geringem Umfang vorhandene Angebot für Jugend und Senioren. Ilona Busch, in Mölschbach aufgewachsen, ist froh, dass sie wieder zu Fuß im Dorfladen einkaufen kann, was sie gerade benötigt. „Ich kenne alle Mölschbacher und tausche mich gerne mit ihnen aus“, so die Frau, deren Großvater als Schuhmacher im Dorf tätig war.
Fragebogen soll dabei helfen, das Angebot zu erweitern
Um das Angebot des Dorfladens noch besser auf die Bedürfnisse der Mölschbacher auszurichten, haben die Müllers Fragebogen im Geschäft ausliegen. Für die Kunden Anlass, mit ihren Vorstellungen nicht hinterm Berg zu halten. Willkommen wäre ihnen ein Stammtisch, ein Lieferdienst und ein Bestellservice per Internet. „Mal sehen, was möglich ist“, denkt Andreas Müller über die Kundenwünsche nach. Eine Idee hat er bereits. „Warum nicht mal an einem Samstag einen Pizzaabend veranstalten?“ Über den notwendigen Backofen dazu verfügt er in der Backstube.
Info
Geöffnet ist Montag bis Samstag 5.30 Uhr bis 18 Uhr. Mittagspause 12.30 bis 14.30 Uhr. Mittwochnachmittag geschlossen.