Kaiserslautern Der Holznutzung nachspüren

Geschichte erlebbar machen: Gunter Wahl (links) erklärt den Teilnehmern einer Exkursion durch das Leinbachtal die Funktion einer
Geschichte erlebbar machen: Gunter Wahl (links) erklärt den Teilnehmern einer Exkursion durch das Leinbachtal die Funktion einer früheren Triftanlage.

Die Naturfreunde Kaiserslautern setzen auch in diesem Jahr ihre Kooperation mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz fort und boten am vergangenen Samstag eine Exkursion zum Thema Holztrift und Flößerei im Pfälzerwald an. Auf der 15 Kilometer langen Tour gewährten Vertreter des Forstamts Kaiserslautern Einblicke in ihre Arbeit, erklärten den aktuellen Zustand des Waldes und informierten darüber, mit welchen Maßnahmen auf den Klimawandel reagiert wird.

Der untere Biedenbacher Woog im Leinbachtal, südöstlich von Kaiserslautern ist umgeben von Sitzbänken – ein idyllischer Fleck mitten im Pfälzerwald. Reste einer ehemaligen Triftanlage und das ausgemauerte Ufer des Leinbachs erinnern daran, dass es hier im 19. Jahrhundert weniger romantisch zuging. „Damals war das Holz aus dem Pfälzerwald in den Städten der Vorderpfalz und der Rheinebene sehr gefragt. Gebraucht wurde es als Brennholz, zur Herstellung von Pottasche und Harzgewinnung.“, erklärte Gunter Wahl, der beim Forstamt Kaiserslautern für Information, Umweltbildung und Walderleben zuständig ist. Er hatte, begleitet von Benedikt Buss, Forstinspektoranwärter und Praktikantin Juliane Eichhorn, die Teilnehmer seiner Wandergruppe hierhin geführt um ihnen die Geschichte dieser Region nahezubringen. Zum Transport des maximal 1,75 Meter langen Scheitholzes sei der Leinbach ab 1816 in seiner gesamten Länge von Waldleiningen bis zur Einmündung in den Hochspeyerbach bei Frankenstein ausgebaut worden. Ein ausgeklügeltes System von Speicherseen und Wehren machte es möglich den Wasserstand bedarfsgerecht zu regulieren. „Die Bewohner der umliegenden Dörfer verdingten sich als Holzmacher, Woogmeister, Flößerknechte, Bollerplatzbeschicker und Holzschlittler. Es war ein hartes Leben, die Leute lebten in großer Armut. Sie konnten sich das Brennholz, das vor ihrer Haustür wuchs, nicht leisten“, erzählte Wahl. Zwar währte die Saison nur zwei Monate im Frühjahr, aber zuvor musste das Holz geschlagen, zersägt und zu Zwischenlagerplätzen transportiert werden. „Bis das Holz an seinem Bestimmungsort ankam, konnten eineinhalb Jahre vergehen. 1882 war das Ende des Triftens im Leinbachtal gekommen, die Steinkohle hatte das Holz als Energieträger abgelöst, berichtete Wahl am vergangenen Samstag. Auf dem Weg vom Startpunkt in Hochspeyer und zurück hatten die Teilnehmer Gelegenheit Fragen zu stellen und wurden von den Experten auf Details aufmerksam gemacht. Beim Anblick einer vom Sturm umgewehten Fichte erwähnte Wahl, dass landesweit 300.000 Festmeter Windwurfholz auf den Abtransport warteten. Aber: „Wir haben zu wenig Personal bei den Forstämtern und den Transportunternehmen, um das zu bewältigen. Wenn all diese Bäume nicht rechtzeitig aus dem Wald herausgezogen werden, wird sich der Borkenkäfer massiv ausbreiten“, so seine Befürchtung. Der Klimawandel sei insgesamt eine große Herausforderung, der die Forstmitarbeiter unter anderem mit dem gezielten Aufbau von Mischwäldern begegnen wollen, berichtete Wahl. „Wir als Forstleute haben ihn nicht verursacht, aber wir müssen uns damit auseinandersetzen. Es bleibt spannend wie das ausgeht“, lautete sein Fazit. Info Die nächste Info-Wanderung am Samstag, 26. Oktober, befasst sich mit dem Thema Köhlerei. Anmeldungen im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal sind telefonisch unter 06306/2882 möglich.

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