Kaiserslautern Der Held mit der schwarzen Maske

Drei Minuten hielt Kevin Lahn durch, dann warf er seine Maske Richtung Trainerbank und überraschte nicht nur seinen Coach. „Er fing einfach an, Fußball zu spielen“, sagt Konrad Fünfstück, der Trainer der U23 des 1. FC Kaiserslautern, der eigentlich nicht vorhatte, Lahn zwei Wochen nach seinem Nasenbeinbruch ins Getümmel zu werfen.

„Mein Matchplan war ein anderer“, gesteht er. Doch nach einer Gelben Karte und einer letzten dringenden Ermahnung des Schiedsrichters entschied er sich, den Mann mit der Maske für Christian Lensch auf den Rasen zu schicken. Zu dem Zeitpunkt lag sein Team 0:1 gegen KSV Hessen Kassel hinten. Und es schien sich zu wiederholen, was in den letzten Spielen passierte, in denen der FCK kämpfte und sein Gegner die Punkte mitnahm. „Die Mannschaft war in der Halbzeitpause geknickt. Man musste sie aufrütteln“, erzählt er. Fünfstück fand die richtigen Worte. „Er hat gesagt, dass wir noch eine Halbzeit haben, dass es nach vorn geht. Und er hat daran erinnert, was im Spiel Frankfurt gegen Stuttgart passiert ist“, erinnert sich Kapitän Alexander Bugera, der seine Jungs gut verstehen kann. „Es ist schwer, den jungen Spielern da zu helfen. Das hängt in den Köpfen, und das merkt man auf dem Platz. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht bis zum Gegentor. Dann passiert ein kleiner Fehler, es steht 0:1, und man fällt in ein Loch.“ Auch Fünfstück kann das verstehen. „Das sind alles junge Burschen. Manni Osei Kwadwo, Johannes Hofmann, Raphael Sallinger haben letztes Jahr A-Jugend gespielt. Aber die machen das wett durch Engagement und Teamgeist.“ Wie Kevin Lahn, der zwar mit Maske trainierte, aber nicht mit einem Einsatz gerechnet hätte und trotzdem alles gab. Auch wenn das mit der Maske nicht so einfach war. „Es hat nicht so funktioniert. Die Sicht war eingeschränkt“, begründet er, warum er die schwarze Plastikschale auf den Rasen pfefferte. Er ging trotzdem schonungslos in die Zweikämpfe. „Eigentlich hätte ich ihn auch bald auswechseln müssen“, erzählt Fünfstück mit einem Augenzwinkern. Denn auch Lahn sah Gelb und wurde nochmal ermahnt. Dass er keine Angst hatte, begründet der 22-jährige Mittelfeldmann so: „Ich kann es nicht ändern, wenn was passiert.“ Er warf sich ins Getümmel und wurde zu einer der Schlüsselfiguren: „Manni spielt einen klasse Ball. Ich will ihn über den Torhüter lupfen, rufe Kuba, der Torhüter knallt in mich rein“, erzählt er, was dann passiert. Rauhut traf ihn ihm Gesicht. Lahn nahm es mit Humor. „So ist es meistens.“ Nach erstem medizinischen Check ist die Nase heilgeblieben. Und das bisschen Schmerz, das er noch spürt, ist sowieso verflogen, wenn er an den Punkt denkt, den er mit seinem Team erkämpft hat. „Der ist für die Mannschaft ganz wichtig und hilft für die Moral. Wir haben eine Niederlage abgewendet und gehen mit einem positiven Gefühl raus“, sagt Kapitän Bugera und strahlt. Und Trainer Konrad Fünfstück ist einfach nur erleichtert. „Die letzten Wochen waren nicht einfach für uns. Wir haben unheimlich viel investiert und standen am Ende mit leeren Händen da.“ Diesmal hat Kassel zwei Punkte verloren. „Umso ärgerlicher, dass es in der 90. Minute passiert“, grummelt KSV-Trainer Matthias Mink neben ihm und schiebt hinterher: „Aber für den Aufwand, den Kaiserslautern im Spiel nach vorn betrieben hat, ist das Ergebnis okay.“

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