Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Aufschrei ist riesig: Was Leser zu einem möglichen Gartenschau-Aus sagen

Zu jeder Jahreszeit schön: der Gartenschau-Eingang.
Zu jeder Jahreszeit schön: der Gartenschau-Eingang.

Die Gartenschau Kaiserslautern schließt Ende 2026, wenn sich an der prekären Finanzlage nichts ändert. Die RHEINPFALZ hat Leser nach ihrer Meinung gefragt.

Bernhard Opp, Kaiserslautern: Die Gartenschau, geführt von der Lebenshilfe, ist ein großer Erfolg für Kaiserslautern. Die Besucherzahlen sprechen doch für ein Konzept, das bei den Gästen sehr gut ankommt. Diese kommen nicht nur aus Kaiserslautern und Umgebung, sondern aus der ganzen Pfalz und darüber hinaus. Was soll mit den Mitarbeitern, vor allem den Inklusionsmitarbeitern, geschehen? Was geschieht mit dem Gelände? Zuschließen und verkommen lassen? Offenhalten ohne Eintritt? Wer kümmert sich dann darum? Wieso hat der Aufsichtsrat nichts gewusst? Für was ist der da? In diesem sitzen die OB und ein Mitglied des Stadtrates, gewählt von uns Bürgern und diesen auch verpflichtet. Was bleibt noch in Kaiserslautern, wenn die Gartenschau schließt? Für ein Stadtjubiläum sind anscheinend 750.000 Euro da, obwohl eigentlich kein Geld für freiwillige Leistungen vorhanden ist. Dies so zu feiern, ist auch freiwillig. Fragt doch mal die Bürger, was ihnen wichtiger ist, offene Lauter, 750-Jahr-Feier oder eine Gartenschau, die angemessen unterstützt wird.

Im Frühjahr blühen die Tulpen.
Im Frühjahr blühen die Tulpen.

Eva Niebergall-Walter, Kaiserslautern: Die Gartenschau und ihre Betreuung durch die Lebenshilfe sind für Kaiserslautern und insbesondere Familien mit Kindern unverzichtbar und unersetzlich. Jede Änderung, auch des Betreibers, würde zu einem nicht wiedergutzumachenden Schaden für das Areal der Gartenschau selbst, für die Stadt, ihre Einwohner und auswärtige Gäste, die gerade auch wegen der Gartenschau nach Kaiserslautern kommen, führen. Vorschläge zur Finanzierung: 1. Klarstellung bei der ADD, dass es sich nicht um eine freiwillige Leistung handelt und Genehmigung der Zuschüsse durch die Stadt. 2. Einrichtung eines Spendenkontos, auf das jeder einzahlen kann. 3. Start einer Aktion durch die Werbegemeinschaft (oder die RHEINPFALZ) – vergleichbar mit der Aktion „Lautern leuchtet“ – um jährlich/ dauerhaft Sponsoren zu gewinnen.

Eva Höhn: Ich bin seit dem Jahr 2000 Dauerkartenbesitzerin und regelmäßige Besucherin der Gartenschau. Für mich ein Stück „Heimat“ und ich fühle mich als älterer Mensch dort sicher. Die Schließung wäre eine Katastrophe für die Stadt Kaiserslautern.

Thomas Bundenthal, Kaiserslautern: Die Gartenschau ist in die Jahre gekommen. Ihr täten Veränderungen und neue Impulse ganz gut. Man sollte das bisherige Konzept auf den Prüfstand stellen, denn manchmal braucht es eben Reformen, so wie in vielen anderen Bereichen auch. Es ist zwar aus der Sicht von Herrn Lyle verständlich, wenn er für die Lebenshilfe weiter die hohen Zuwendungen haben will, aber ohne Einsparmöglichkeiten dürfte es schwierig werden, die Gartenschau zu erhalten. Wenn Kürzungen nicht möglich sind, sollten andere Bereiche der Stadt nicht wegen der hohen Aufwendungen Nachteile erleiden, denn es gibt auch viele Kaiserslauterer, die mit der Gartenschau nicht viel anfangen können. Ihre Attraktivität hängt stark von der Gestaltung ab, da gibt es durchaus noch Spielräume. Neue Freizeitangebote würden Interesse wecken und mehr Besucher und Besucherinnen anziehen.

Iris Chodura, Kaiserslautern: Die Eintrittspreise der Gartenschau sind seit Jahren niedrig. Wer einmal mit einer vierköpfigen Familie am Wochenende einen Kinonachmittag im UCI verbracht hat, weiß, dass er dafür eine Saisonkarte für die Gartenschau bekommt. Die Gartenschau ist für Kaiserslautern eine echte Marke. Sie muss bleiben wie sie ist, inklusive Kaiserberg. Darum: Ein moderater Anstieg der Eintrittspreise ist verkraftbar. Das war bisher kein Diskussionsthema. Warum nicht?

Dietmar Theiss, Kaiserslautern: Als langjähriger Vorsitzender des ehemaligen Fördervereins der Gartenschau kann ich aus vielfältigen Erfahrungen bestätigen, dass Herr Lyle ein Geschäftsführer ist, wie ihn die Integrationsgesellschaft Kaiserslautern mbH (iKL) sich nur wünschen kann: klar rechnend und kalkulierend (was wir vom Förderverein nicht immer so toll fanden) – und immer voller Ideen zur Verbesserung. Wenn er nun nach so vielen Jahren des Bestehens der iKL mitteilt, dass es nicht mehr weitergehen kann auf der bisherigen Basis, ist das nicht verwunderlich, denn die Situation des eingefrorenen Zuschusses der Stadt ist ja schon lange bekannt. Und den regelmäßigen Besuchern der Gartenschau ist seit Jahren aufgefallen, dass das Veranstaltungsprogramm dünner wurde und die Themengärten auf dem Kaiserberg immer weniger wurden. Daher kann ich den Appell an die Stadt für höhere Zuschüsse und die Suche nach weiteren und neuen Sponsoren nur unterstützen. Und ich füge gleich noch einen Appell an meine Mitbürger/innen an: die Gartenschau besuchen! Noch ist Zeit, möchte man sagen. Und jeder zahlende Besucher verringert das Defizit.

Stephan Brohl, Otterberg: David Lyle ist für mich einer der größten Macher, die wir in Kaiserslautern haben. Neben der Kammgarn ist die Gartenschau für mich eines der großen Erfolgsmodelle Kaiserslauterns, nicht im monetären Sinn. Sie ist eine Bereicherung für uns alle, ein Aushängeschild für die Stadt. Und dahinter steckt noch mehr. Menschen mit Behinderung finden in der Gartenschau Beschäftigung, Sinnhaftigkeit, Struktur, soziales Leben. Nicht zuletzt deswegen ist es so, wie Lyle es sagt, deshalb kann man das nicht zu den freiwilligen Leistungen zählen. Für mich unvorstellbar, dass die Gartenschau nicht mehr da sein sollte. Die Politik, unser Stadtrat, das Land, sind gefragt und dringend gefordert, das gleiche Ziel zu verfolgen und an einem Strang zu ziehen. Hoffentlich wird das Thema nicht zum Opfer politischen Taktierens.

Horst Wittig, Sembach: Bis Ende Januar, also in drei Monaten, wird die Zusage zur künftigen Finanzierung der Gartenschau benötigt. Vor diesem Hintergrund klingt die Aussage von Beate Kimmel, erst vor drei Monaten (!) von David Lyle über das drohende Aus der Gartenschau informiert worden zu sein, mehr als schräg. Da stellen sich folgende Fragen: Was hat Oberbürgermeisterin Kimmel in der Zwischenzeit unternommen? Was wäre passiert, wäre Lyle nicht von Ursula Düll (CDU) in die Stadtratssitzung eingeladen worden? Wann wäre der Stadtrat vollumfänglich über die Finanznot der Gartenschau informiert worden? Nun muss Beate Kimmel nach Trier zur ADD reisen. Das dürfte ihr sichtlich schwerer fallen, als im Tross von Alexander Schweitzer die letztlich erkenntnisarme Reise in die USA angetreten zu haben. Verlorene Zeit angesichts der drängenden Probleme zu Hause. Die Ausarbeitung eines Finanzkonzeptes müsste bereits kurz vor dem Abschluss stehen. Stattdessen lediglich eine Idee, wer ein solches erarbeiten könnte. Ganz schwache Leistung angesichts der Bedeutung der Gartenschau als Inklusionsbetrieb und Besuchermagnet weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Jürgen Lungstraß: Wenn Hunde erlaubt wären, wären wir schon längst gegangen. Tütchenspender am Eingang und Bußgeld bei Nichtbeachtung täten das ihrige.

Helga Fischer, Kaiserslautern: Die Gartenschau muss unbedingt erhalten bleiben, sie ist genau wie der FCK ein Publikumsmagnet. Sie muss, egal wie, gerettet werden. Kaiserslautern ohne Gartenschau – das ist nicht vorstellbar. Unsere Stadtverwaltung wird doch hoffentlich in der Lage sein, hier die richtigen Schritte und Unternehmungen zustande zu bringen. Es wurde schon so vieles vermasselt, und zu diesem Schluss für die Gartenschau darf es nicht kommen.

Marc Ehle: Ich bin mit der Gartenschau aufgewachsen. Dort wurden Geburtstage gefeiert, Ausflüge mit Freunden und der ganzen Familie unternommen und unzählige schöne Momente erlebt. Wir haben gespielt, getobt, gemalt, gebastelt und geforscht. Jeder Besuch war ein besonderes Erlebnis voller Freude. Die Entwicklung und der Wandel der Gartenschau über die Jahre waren beeindruckend: neue Spielplätze, die Lego-Ausstellung im Eingangsbereich und immer wieder besondere Events haben das Gelände lebendig gehalten. Ob jung oder alt, für jeden ist etwas dabei. Und auch heute, nach all den Jahren, ist es etwas ganz Besonderes, diese Anlage gemeinsam mit der Familie zu besuchen und zu sehen, wie die Neffen dieselben Erfahrungen machen wie ich einst als Kind. Es ist kaum vorstellbar, sich diesen Ort wegzudenken. Eine Schließung der Gartenschau wäre ein großer Verlust, für alle Generationen.

Hans-Günter Paul: Eine Schließung der Gartenschau wäre ein großer Verlust für die Stadt Kaiserslautern. Seit dem Jahr 2000 als Landesgartenschau entstanden, haben wir bis heute eine jährliche Saisonkarte erworben. Falls wirklich eine Schließung erfolgen sollte und die Anlage als öffentlicher Park weiter genutzt wird, befürchte ich, dass in kürzester Zeit durch Vandalismus und Verschmutzung der Park verkommt. Ich hoffe, dass die Mitglieder des Stadtrates alles dafür tun, um die Gartenschau in ihrer jetzigen Form zu erhalten. Vor allem, dass nicht jede Partei im Hinblick auf die im nächsten Jahr stattfindenden Wahlen ihr eigenes Süppchen kocht. Die Gartenschau muss erhalten bleiben.

Karin Kern, Kaiserslautern: Auf keinen Fall darf die Gartenschau geschlossen werden. Sie ist eine der wichtigsten Attraktionen in unserer Stadt. An den Kfz-Kennzeichen der geparkten Fahrzeuge kann man sehen, dass die Besucher auch von weit her kommen, um einen schönen Tag in unserer Gartenschau zu verbringen. Die in der Halle stattgefundenen Blumenausstellungen waren wunderschön, die Eisbahn in der Veranstaltungshalle fehlt leider auch. Wir haben seit Bestehen der Gartenschau jedes Jahr die Saisonkarte gekauft und sind sehr häufig mit unserem Enkel auf die Spielplätze gegangen. Es wurde gebaggert, gerutscht und gematscht mit der Wasserpumpe. Ein Rundgang durch die Gartenschau lohnt sich immer. Die liebevoll und jahreszeitlich bunt gestalteten Blumenbeete und im Herbst die Kürbisfiguren sind einmalig schön. Herr Lyle und seine Mitarbeiter leisten wirklich tolle Arbeit. Wir sind dankbar, dass es die Gartenschau gibt und auch weiterhin geben wird. Es wird soviel Geld in unnötige und nicht vorrangige Projekte gesteckt, da muss der Erhalt der Gartenschau jetzt einmal Vorrang haben.

Bianca Korn: Die Gartenschau Kaiserslautern ist eines der sehr wenigen Dinge, die Kaiserslautern lebens- und liebenswert machen. Gerade für Familien mit Kindern ist sie unverzichtbar. Und ein Besuchermagnet ist sie noch dazu. Wenn ich über viel Geld verfügen würde, würde ich den fehlenden Betrag gerne spenden, um sie zu erhalten.

Manfred Barthen, Kaiserslautern: Die Gartenschau ist eine Institution geworden, die zusammen mit dem Japanischen Garten dafür steht, dass Kaiserslautern mehr ist als ein Industriestandort, mehr als nur „Betze“ und mehr als das Tor zum Pfälzerwald. Die Gartenschau ist ein Magnet, der Besucher aus ganz Deutschland anzieht und so die Westpfalzmetropole bekannt macht. Besonders hervorzuheben ist jedoch, dass es sich hier um einen Inklusionsbetrieb handelt, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung Arbeit finden und auch Menschen mit Behinderung einen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz finden. Es ist daher schon erstaunlich, dass die Stadt Kaiserslautern einen Hilferuf der Lebenshilfe brauchte, um sich um die Finanzierung dieser Attraktion zu kümmern. Kaiserslautern hat finanzielle Nöte, dies ist anzuerkennen, nichtsdestotrotz hätte man sich der abzusehenden Probleme der Gartenschau annehmen müssen. Das Haupthindernis für eine entsprechende Finanzierung durch die Stadt (eventuell auch durch den Landkreis) liegt an der Einordnung der notwendige Zuschüsse durch die ADD als freiwillige Leistung.

Während die Kofinanzierung für die Werkstätten für Menschen mit einer Behinderung zu den Pflichtaufgaben der Kommunen gehören (Eingliederungshilfe ergänzende Sozialhilfe), werden die Zuschüsse der Stadt zu einem inklusiven Betrieb als freiwillige Leistung gewertet. Höchste Zeit, dass sich dies ändert; schließlich hat Deutschland die UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit einer Behinderung ratifiziert, die die Inklusion von Menschen mit Behinderung auch auf dem Arbeitsmarkt fordert. Nun muss man dem Lippenbekenntnis auch Taten folgen lassen.

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