Kaiserslautern
Das „Paradies“ vor 25 Jahren: Die Lautrer und ihr Stolz auf die Landesgartenschau
Zwei Jahre vor der Eröffnung der Landesgartenschau im Jahr 2000 war dort, wo es heute grünt und blüht, noch Niemandsland. „Das war eine Industriebrache, rund um den Westbahnhof und die Kammgarn sah es katastrophal aus, die alten Schlachthofhallen standen leer, wo der heutige Neumühlepark ist, war eine Tankstelle“, erinnert sich Matthias Schmitt bei einem Rundgang über das heutige Gelände. „Wir hatten genau 24 Monate Zeit, das 22 Hektar große Areal zu entwickeln, das war im Rückblick Wahnsinn.“ Am 2. Februar 1998 erst hatte die Stadt aus Mainz den Zuschlag erhalten, die erste Landesgartenschau in Rheinland-Pfalz ausrichten zu dürfen. Schmitt, der nach der Megaschau den Kaiserslauterer Zoo leitete, hatte seinerzeit aus dem Wirtschaftsministerium die Anfrage erhalten, ob er als Geschäftsführer einsteigen wolle. „Ich war damals Oberbauleiter bei der Förderungsgesellschaft für die Landesgartenschauen in Baden-Württemberg, war beteiligt an der Ausrichtung der Schauen in Mosbach und Singen und habe nach kurzer Bedenkzeit zugesagt.“
Schnell war Schmitt klar: Da wartet eine gewaltige Aufgabe auf ein kleines Team. „Es gab keinen Bahnhaltepunkt am Westbahnhof, die B270 musste verlegt werden, wir brauchten eine schnelle Lösung für eine Brücke, um die Besuchermassen über die Bundesstraße zu lenken.“ Mit dem Planer Stefan Fromm aus Stuttgart sei die Entscheidung dann auf genau den richtigen Mann gefallen. „Wir waren voller Energie, hochmotiviert, der zweite Geschäftsführer Joe Weingarten und ich waren ein Kopf und ein Arsch“, sagt Schmitt. „Wir waren jung und haben ein unglaubliches Tempo hingelegt.“ So schnell sei keine andere Landesgartenschau jemals in Betrieb gegangen. Ob das heute noch leistbar wäre? „Eher nicht angesichts der ganzen Vorschriften.“ Gut sei auch gewesen, dass der damalige Oberbürgermeister Bernhard Deubig „uns sein volles Vertrauen geschenkt hatte, er ließ uns machen“. Am Ende habe die Vorbereitungszeit tatsächlich gereicht. „Es stimmt wirklich. Am Eröffnungstag, es war der Gründonnerstag im Jahr 2000, sind vorne an der Kammgarn-Pforte die ersten Gäste reingelaufen. Und hinten fuhren die Gärtner, die letzte Hand angelegt hatten, mit den Schubkarren raus.“
Zu Spitzenzeiten haben 230 Unternehmen zwischen Neumühlepark und Kaiserberg gewerkelt, erinnert sich Schmitt. Überhaupt der Kaiserberg. „Der war anfangs ein großes Getreidefeld. Wir haben ihn bewusst zu einer Ruhezone ausgebaut, dort stellten die Imker aus, es gab das Haus des Waldes, den Biblischen Garten, einen Bauerngarten, es war ein riesiger grüner Schaubereich. Vorher war da nicht viel. Von dort oben über die Stadt zu schauen, das war für viele Menschen ganz neu“, sagt der 67-Jährige.
Die Freilegung der Lauter war eine Attraktion
Beim Gang über die heutige Gartenschau gerät Schmitt immer wieder ins Schwärmen. „Für mich war die Freilegung der Lauter unterhalb des Steinbruchs definitiv das Schönste. Ich habe mich so gefreut, als die ersten Kinder da durchgewatet sind. Natürlich fließt dort kein Original-Lauterwasser. Aber für die Bevölkerung war das emotional.“ Auch der Wasserspielplatz sei von Anfang an an angenommen worden. „Er war ein Renner. Und wir hatten 40.000 Blumen gepflanzt, zum Glück gab es vor der Eröffnung keinen Frost.“ An den alten Schlachthofhallen vorbeikommen, wird Schmitt fast wehmütig. „Hier, in den Blumenhallen, hatten wir 15 unterschiedliche Hallenschauen. Sie waren eine Attraktion, da haben sich Gärtner aus dem ganzen Land richtig reingehängt.“
Den alten Schlachthofturm, heute ein Wahrzeichen des Gartenschau-Entrees, betrachtet Schmitt gerne. „Der war eigentlich zum Abriss freigegeben, drohte zusammenzubrechen. Dann hatte der Architekt Richard Jülg die Idee, ihm mit einer großen Eisenklammer Standfestigkeit zu geben. Das war die Rettung.“ Auch der Westbahnhof habe sich zum Glück als schöne Immobilie in das Areal integrieren lassen. Was viele vergessen haben dürften: Der Eingang der Landesgartenschau war damals auf dem heutigen Hochschul-Gelände. „Und im sogenannten Jean-Schoen-Park hatten die Partnerstädte Gärten angelegt.“
Im Rückblick sagt Schmitt, die Landesgartenschau mit auszurichten sei definitiv die Krönung seiner beruflichen Laufbahn als Landschaftsarchitekt gewesen. Der Stadt habe die Schau einen Schub verliehen. Zumal im ersten Jahr weit mehr Besucher kamen als geplant, nämlich eine Million statt 500.000. „Kaiserslautern war plötzlich weltoffen, da ist ein Wir-Gefühl entstanden, alle waren so stolz.“ Niemand habe damals von Nachhaltigkeit geredet, sagt Schmidt. „Aber was da entstanden ist, ist wirklich nachhaltig.“ Zumal auf dem Gelände jetzt auch die Hochschule residiere und die Blumenschau mit Hilfe der Lebenshilfe in den Dauerbetrieb überführt werden konnte. „Das haben wir auch Peter Kiefer, dem damaligen Beigeordneten, zu verdanken“, betont Schmitt. Der habe von Anfang an betont, die Lebenshilfe schaffe das. „Hätten David Lyle und sein Team damals nicht übernommen, hätten wir heute einen öffentlichen Park an der Stelle. Die Stadt hätte das nie und nimmer so schön bewirtschaften können.“
„Ein Stück vom Paradies zurückgeholt“
22,5 Millionen Euro standen Schmitt und seinen Leuten damals für Investitionen zur Verfügung, 15 Millionen für die Durchführung der Großveranstaltung. Schmitt erinnert sich noch genau an die Eröffnung vor 25 Jahren. „Es war ein Traumstart, wir hatten Bilderbuchwetter.“ An den ersten beiden Tagen kamen 16.000 Besucher. Ministerpräsident Kurt Beck ging damals sogar so weit zu sagen: „Wir haben ein Stück vom Paradies in diese schöne Region zurückgeholt.“