Wo isst Kaiserslautern?
Das Medici ist eine gute Wahl für die Mittagspause
Essen wie in Bella Italia, das steht bei den Deutschen auf der Beliebtheitsskala weit oben. Da macht die Pfalz, da macht Kaiserslautern, keine Ausnahme. Gleich drei klassische Italiener haben es unter die Top-Lokale der RHEINPFALZ-Leserinnen und Leser geschafft. Darunter auch das Medici in der Münchstraße. In einem schönen Altbau macht das Ristorante schon von außen etwas her. Im Sommer gibt es ruhige Sitzplätze im Freien. Der Blick auf die Passage Stiftsplatz 5 ist zwar nicht die erste Wahl, dafür sitzen die Gäste im Schatten der altehrwürdigen Stiftskirche.
Der Chef begrüßt alle per Handschlag
An der Tür begrüßt uns die Chefin beim Testessen mit einem direkten „Hallo, zwei Personen zum Mittagstisch“? Der schön eingedeckte Tisch ist mit einem knappen Fingerzeig schnell zugewiesen. „Bitte schön.“ Das Ehepaar Lutfi und Violeta Lahi führen das Medici gemeinsam seit dem Jahr 2007. 1992 aus dem Kosovo geflohen, hat sich Lutfi Lahi – in seiner Heimat hat er Maschinenbau studiert – nach eigener Aussage vom Kellner bis zum Betriebsinhaber hochgearbeitet. Und in seiner Rolle als Restaurantchef geht er ganz offenkundig auf. Er begrüßt alle – nicht nur die Stammgäste – per Handschlag, geht von Tisch zu Tisch, um sich zu vergewissern, dass alles passt. Hier ein „Buongiorno“, dort ein kleines Schwätzchen.
Das kommt gut an, fast alle Plätze sind an einem Mittwochmittag belegt. Auch das ein oder andere Geschäftsessen findet hier statt. Der Geräuschpegel ist nicht ganz niedrig, störend aber wirkt er auf keinen Fall. Im Gegenteil, die Atmosphäre ist angenehm, zum Wohlfühlen.
Herzlich, direkt, aber ohne Schnörkel
Herzlich, direkt, aber ohne Schnörkel – so präsentiert sich der Service. Und das gilt auch für die Speisekarte und das Ambiente. Ein bisschen rustikal ist es –die Einrichtung ist nicht mehr ganz neu –, das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Es gibt Salat (mit Fleischstreifen oder Lachs), Tomatensuppe, jede Menge Nudelgerichte (Klassiker vor allem wie Spaghetti Bolognese, Aglio e olio, Carbonara oder Nudeln al Forno) und Pizzen. Dazu kommen Parmesanschnitzel, Kalbsleber, Rumpsteak oder Putensteaks vom Grill, zudem Fischgerichte. Und Spezialitäten: Vitello Tonnato, hausgemachte Spinatravioli, Scaloppina mit Steinpilzen. Die Auswahl ist üppig, fast schon ein bisschen zu groß. Braucht es wirklich ein Schnitzel Wiener Art beim Italiener? Weniger ist manchmal mehr. Fündig müssten hier aber alle werden, egal ob Vegetarier, Fleisch- oder Fischesser – das macht das Medici auch für den Besuch in einer größeren Gruppe oder für Familienfeste attraktiv.
Wir entscheiden uns für echte Klassiker der italienischen Küche: Antipasti als Vorspeise (prima zum Teilen), hausgemachte Lasagne und Pizza Speciale. Die Vorspeisenplatte kommt schnell und ist schon optisch ein Genuss – zudem sind alle Zutaten frisch, reichlich und abwechslungsreich. Neben Melone mit Parmaschinken werden Bruschetta (klassisch mit Tomaten und eine überbackene Variante mit Grillgemüse), Champignons in Parmesansoße, Caprese sowie eingelegte Zucchini und Paprika serviert. Lediglich die Tomaten sind etwas wässrig. Ansonsten: Wirklich lecker. Die Vorspeise hatten wir uns geteilt: Zum Glück. Mehr hätte es gar nicht sein dürfen, zumindest nicht in der Mittagspause.
Der Pizzarand ist knusprig
Die gedankliche Reise in den Süden geht weiter, aber ohne viel Tamtam. Die Pizza – wählbar zwischen 24 und 30 Zentimetern groß – ist mit Salami, Schinken, Champignons, Peperoni aus dem Glas und Ei reichlich belegt. Dass sogar ein perfekt gegartes Spiegelei kredenzt wird – verrät die Speisekarte nicht. Die Speciale schmeckt gut, der Rand ist knusprig, an wenigen Stellen ist der Teig jedoch etwas zu dünn.
Die hausgemachte Lasagne ist eines von drei Tagesgerichten. Eine gute Wahl, sich für sie zu entscheiden. Richtig cremig. Hauchdünne Nudelblätter, etliche Schichten, saftiges Sugo mit Hackfleisch und reichlich Bechamelsoße plus Käse. Wie es sein soll. Dazu wird dann sogar noch ein Beilagensalat gereicht.
Aufmerksam, aber nie aufdringlich
Bei diesen Portionen geht beim besten Willen kein Dessert mehr, so gerne wir das Tiramisu, die Panna Cotta oder das Vanilleeis mit Himbeeren ausprobiert hätten. Der aufmerksame Service, der nie aufdringlich wirkt, lässt ganz zum Schluss ein bisschen nach. Den gewünschten Espresso kriegen wir dann aber doch noch, ohne lange warten zu müssen.
Der Küchenchef verzichtet auf große Experimente, die Inhaber halten die Deko schlicht. Hellgelbe Wände und Bilder in Pastell sind die Farbtupfer im Gastraum, dazu gibt es weiße Stofftischdecken und Kerzen plus ein kleines Blümchen als Tischschmuck. Das alles passt in das Konzept: Schlicht und eher unaufdringlich, dafür geschmacklich gut und preisgünstig. Auch mit kleinerem Geldbeutel kann man hier gut essen. Freunde von Schickimicki-Italienern werden wohl eher ein anderes Restaurant aussuchen. Doch wer einfach nur schmackhaft essen möchte, ist hier genau richtig. Nicht nur in der Mittagspause.