Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Das ist nicht normal“: Wie FCK-Fans das Spiel zu Hause erleben

Vorm „Hannenfass“. Ein Zuschauer trägt ein T-Shirt der Band Red Hot Chili Peppers. Doch erwies sich der FCK nicht als besonders
Vorm »Hannenfass«. Ein Zuschauer trägt ein T-Shirt der Band Red Hot Chili Peppers. Doch erwies sich der FCK nicht als besonders scharf, von teuflisch erst gar nicht zu reden.

Minimale Chance, maximaler Fan-Einsatz: Das letzte Saisonspiel in der Zweiten Bundesliga verfolgen viele FCK-Anhänger in der Lautrer Altstadt.

Gerade hat Mark Uth das 4:0 für den 1. FC Köln geschossen. Es ist Sonntagnachmittag – und seit 84 Minuten versucht die Elf des 1. FC Kaiserslautern, im Rheinenergiestadion irgendetwas zu reißen. Wie erfolgreich die Spieler dabei sind, bringt ein FCK-Fan in der Altstadt-Kneipe „Salzstein“ in der Salzstraße treffend auf den Punkt: „Das ist nicht normal“, kommentiert er das Gerangel vor dem Lautrer Tor, bei dem Keeper Julian Krahl schließlich rettet.

Knapp zwei Stunden zuvor herrscht in der Kaiserslauterer Altstadt reges Treiben. Ob am Schillerplatz, am Durchgang vom Unions- auf den Martinsplatz und auch auf dem Martinsplatz selbst wollen alle Fußball schauen. Obwohl die Chance, dass der 1. FCK einen Relegationsplatz für den Aufstieg in die Erste Fußball-Bundesliga erkämpft, minimal ist. „Im Fußball ist alles möglich“, hält eine Landstuhlerin dagegen, die zusammen mit Freunden ins „Hannenfass“ gekommen ist. Dort zieren schon vor dem Anpfiff etliche Meter Bier die Tische, zehn Bildschirme sorgen dafür, dass drinnen und draußen möglichst kein Gast im toten Winkel sitzt.

Im Schnitt zufrieden

Im Gegensatz zu ihrer Begleitung ist die Landstuhlerin zufrieden damit, in der Lautrer Altstadt statt im Kölner Stadion zu sein. „In der Pfalz ist es am schönsten“, lautet ihre Devise. So wie auch etliche Fans mit der jüngsten Zweitliga-Saison des 1. FCK nicht unzufrieden sind. Die Bilanz sei okay, sagt einer, für mehr sei einfach nicht genug Geld da gewesen.

Thorsten Schäfer verfolgt mit seiner Frau Olga das Geschehen auf dem Martinsplatz. Der 63-Jährige ist fast von Geburt an Fan, hat selbst mal zwei Jahre bei den FCK-Amateuren gespielt, kennt den Verein sozusagen von der Pike auf. Am liebsten erinnert er an Kalli Feldkamp, der sei ein Trainer gewesen, vor dem die Mannschaft Respekt gehabt hätte und daher teamfähig gewesen sei. Dass Ragnar Ache nicht wegen einer Verletzung passen muss und kurz vor 15.30 Uhr aufläuft, freut viele. Ob er jetzt zu Köln wechselt? Thorsten Schäfer warnt davor, die Leistung Aches überzubewerten. Auf engem Raum habe auch Ache seine Probleme.

Zwölf Fanschals umgebunden

Während die FCK-Fans zumindest in den ersten Minuten noch Grund zur Hoffnung haben, flitzt ein Junge zwischen den Schäfers und seinen Eltern hin und her. Ihn nicht zu bemerken, ist unmöglich. Der zehnjährige Alan wohnt über den Schäfers und ist ein echter Lautern-Fan. Zwölf Fanschals hat er sich umgebunden, ergänzt durch Trikot, Hose, Basecap, Stulpen, Becher und Teufel. Mehr geht eindeutig nicht.

Viele Fans auf dem Martinsplatz sind klar zu erkennen, jene auf dem Schillerplatz im Schiller-Café tragen überwiegend zivil. Doch auch dort findet ein Spruch des TV-Kommentators sofort Zustimmung: „In dem Moment ist Fußball nur einfache Mathematik.“ Schon nach zehn Minuten hatte der Betze mit zwei Toren zurückgelegen, dass er das Spiel noch umdrehen kann, dafür gibt es keinerlei Anzeichen.

Wunder unwahrscheinlich

Im „Salzstein“ sind fast alle Tische besetzt, hinter der Theke sorgt Lukas dafür, dass keine Kehle austrocknet, während die Fußball-Fans das Spiel auf zwei TV-Bildschirmen verfolgen. Hoffnung hat der Lautrer Dennis Stein nicht, „auch wenn es immer mal ein Wunder gibt“. Doch mittlerweile wurde die zweite Halbzeit angepfiffen, und schon nach wenigen Minuten wundert es keinen der Experten mehr, dass Köln am Ende vier Tore und Lautern kein einziges geschossen hat. Doch auch hier herrscht die Meinung vor, dass der FCK zumindest eine solide Saison vorweisen kann.

Witze über Lemperle

Als in der 71. Minute der Kölner Timo Lemperle eingewechselt wird, sorgt dessen Gesichtsmaske natürlich auch im „Salzstein“ für spöttische Kommentare. Er soll bei einer Schlägerei verletzt worden sein, dass er spielt, war nicht sicher. Doch das Witzeln vergeht den Fans, als ausgerechnet Lemperle ein Tor schießt, das dann aber nicht anerkannt wird. „Beide Mannschaften sind froh, wenn hier abgepfiffen wird“, hatte der Kommentator kurz zuvor gesagt, und die Kumpels im „Salzstein“ können dem nur zustimmen. „Spielerisch nichts, kämpferisch nichts, wie wollen die da gewinnen“, lautet die Frage.

Wie die Konkurrenz spielt, muss keiner übers Mobiltelefon verfolgen. Der TV-Sender blendet die Stände immer wieder ein, am Ende ist klar, dass auch ein guter Auftritt der Roten Teufel nichts genutzt hätte, außer dass die Ehre weniger angekratzt worden wäre. Zwar verlieren Paderborn und Düsseldorf, Elversberg aber verabschiedet sich mit drei Punkten von Schalke. Der 1. FC Köln hat bravourös den Aufstieg geschafft. Das letzte Wort hat der Kommentator: „Selbst uns wurde hier zwischenzeitlich Freibier ausgeschenkt.“ Die Gäste im „Salzstein“ machen sich ans Zahlen.

Auch im „Salzstein“ war die Stimmung nicht gerade überbordend.
Auch im »Salzstein« war die Stimmung nicht gerade überbordend.
Trotz allem Flagge gezeigt: Fanclubs wie das Höllenfeuer Trippstadt.
Trotz allem Flagge gezeigt: Fanclubs wie das Höllenfeuer Trippstadt.
Fußballbegeisterte Nachbarn: Olga und Thorsten Schäfer mit dem zehnjährigen Alan.
Fußballbegeisterte Nachbarn: Olga und Thorsten Schäfer mit dem zehnjährigen Alan.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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