Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Das ignorierte Schachgebot im Meisterturnier des Pfälzischen Schachkongresses

Konzentriert: der neue Pfalzmeister Martin Heider (rechts) in der Partie gegen Jonas Roth.
Konzentriert: der neue Pfalzmeister Martin Heider (rechts) in der Partie gegen Jonas Roth.

Beim Pfälzischen Schachkongress in Kaiserslautern lieferten sich an die 200 Spieler teils dramatische Partien. Für Kopfschütteln sorgte ein Zug im Meisterturnier.

In der vorletzten Runde des Pfälzischen Schachkongresse im Hohenstaufen-Gymnasium Kaiserslautern spielte Martin Heider (SV Worms) mit den weißen Steinen gegen Jonas Roth vom SK Landau. Die beiden gehörten zu den zehn Spielern, die im Meisterturnier A den Pfalzmeister ermittelten.

Die Partie versprach wenig Spannung. Denn der das Turnier dominierende und mit großem Vorsprung an der Spitze stehende Martin Heider traf auf den abgeschlagenen Tabellenletzten, der in den vorausgegangenen sieben Partien sieglos geblieben war. Gegen den Youngster wählte Heider einen Doppelfianchetto-Aufbau. Trotz der zurückhaltenden Partieeröffnung drang er mit seinem 16. Zug in die schwarze Stellung ein. Heider zog den Springer nach d6 und bot dem gegnerischen König Schach. Nach diesem Zug stand er auf und entfernte sich vom Brett.

Kopfschütteln und Verwunderung

Jonas Roth dachte lange über seinen Gegenzug nach, bevor er seinen weißfeldrigen Läufer in die Hand nahm, ihn von b7 nach a8 zog, die Uhr drückte und sich erneut in die Stellung vertiefte. Bei den Kiebitzen löste der Zug Verwunderung aus. Hatte der im Meisterturnier spielende Roth übersehen, dass sein König noch im Schach stand? Offensichtlich. Als dann Heider ans Brett zurückkehrte, schüttelte er ungläubig den Kopf und lächelte. Ohne ein Wort zu sagen, deutete er mit dem Zeigefinger auf den schwarzen König. Erst da wurde seinem Gegner klar, dass er einen unmöglichen Zug gemacht hatte. Der herangeeilte Schiedsrichter korrigierte die Uhr, der Läuferzug wurde zurückgenommen und die Partie fortgesetzt. Roth zog den König von e8 nach f8, wo er nicht mehr im Schach stand. Lange dauerte das Spiel allerdings nicht mehr. Nach einer exakt berechneten Variante erreichte Heider eine Gewinnstellung, und sein Kontrahent gab wenige Züge später den aussichtslosen Kampf auf.

In einer klassischen Schachpartie habe er so etwas „noch nicht gesehen“, bemerkte Heider später zu diesem sonderbaren Zug. In der anschließenden gemeinsamen Partieanalyse fand sein 17-jähriger Gegner keine Erklärung für diesen Fauxpas. „Das ist mir noch nie passiert.“ Für den 35 Jahre alten Martin Heider war es die siebte Gewinnpartie, mit der er sich vorzeitig den Pfalzmeistertitel sicherte, den er zum dritten Mal gewann.

Der überlegene Meister

Auch die neunte und letzte Partie, in der Matthias Huschens (SK Kaiserslautern) einen wilden Königsangriff mit Turmopfer auf h7 inszenierte, entschied der Pfalzmeister am Karsamstag für sich. Wie überlegen Martin Heider das Turnier spielte, zeigte die Abschlusstabelle. Mit phantastischen 8,5 Punkten gewann er die Meisterschaft und hatte damit drei Zähler mehr als sein Klubkamerad David Musiolik, der Zweiter wurde. Oleg Yakovenko vom SK Kaiserslautern sammelte auch 5,5 Punkte und belegte den vierten Platz. Auf dem drittletzten Rang landete

Markus Müller. Der Spieler des SC Thallichtenberg erlebte seinen großen Moment in diesem Turnier, als er in der siebten Runde den Pfalzmeister des Vorjahres, Arkadi Syrov vom SK Frankenthal, besiegte. Letzterer musste sich diesmal mit dem dritten Platz begnügen.

Auch im Meisterturnier B gab es einen überlegenen Sieger. Marco Albert vom SK Kaiserslautern blieb ungeschlagen, gewann sieben Partien und teilte nur zweimal den Punkt. Ein bemerkenswerter Auftritt des 26 Jahre alten Lokalmatadors, der auf dem Schachkongress sein erstes Rundenturnier überhaupt bestritt. „Meine beste Partie habe ich in der ersten Runde gespielt“, sagte Albert, der am Ende zwei Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Johannes Feldmann vom SV Worms hatte. Dritter wurde Marcel Agne vom SC Thallichtenberg. Mit seinem Sieg qualifizierte sich Albert für das Meisterturnier A im kommenden Jahr.

SV Worms gewinnt Blitzturnier

Erfolgreich für den SK Kaiserslautern war auch Andy Sievers, der das Meisteranwärterturnier (MAT) I gewann. Mit sieben Punkten verwies er Philip Baier (SC Schifferstadt) und Ralph Slany (SC Haßloch) auf den zweiten Platz; beide hatte jeweils 6,5 Punkte gesammelt. Das MAT II gewann Oliver Prestel (SK Frankenthal/7,5 Punkte).

Der 93. Schachkongress des Pfälzischen Schachbundes ging am Karsamstag traditionell mit dem Mannschaftsblitzturnier zu Ende. Diesen Titel sicherte sich der SV Worms vor dem SK Kaiserslautern und dem SK Landau.

93. Pfälzischer Schachkongress im Kaiserslauterer Hohenstaufen-Gymnasium.
93. Pfälzischer Schachkongress im Kaiserslauterer Hohenstaufen-Gymnasium.
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