Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Dachdeckerei Voegeli bereitet der Holzmangel extreme Probleme

Weiß heute nicht, wie der Holzpreis morgen ist: Udo Heyl, Chef der Dachdeckerei Voegeli.
Weiß heute nicht, wie der Holzpreis morgen ist: Udo Heyl, Chef der Dachdeckerei Voegeli.

In der Krise: Was vor einem guten Jahr Klopapier war, ist heute Bauholz: Mangelware. Für Udo Heyl, Chef der Dachdeckerei Voegeli, hat das immense Folgen. Denn wie kann er seine Aufträge pünktlich und zuverlässig ausführen, wie einen Kostenvoranschlag erstellen, und mit welchen Preisen kann er kalkulieren?

Udo Heyl schüttelt nur noch den Kopf. „Das habe ich so noch nicht erlebt.“ Seit er 1980 seine Lehre als Dachdecker in dem 1898 gegründeten Betrieb begonnen hat, acht Jahre später mit dem Meisterbrief nachgelegt hat und mittlerweile seit 28 Jahren die Position des Geschäftsführers innehat, waren solche Probleme bis dato unbekannt. „Es ist praktisch kein Bauholz zu bekommen“, hält er fest, „weder über den Einkaufsverband der Dachdecker, noch über örtliche Händler.“ Im Frühjahr habe sich die Lage urplötzlich verändert. „Wir konnten uns nicht darauf einstellen.“ Aber die Misere betrifft nicht nur Holz. „Bei Holzdämmstoffen, Bitumenbahnen oder Aufsparrendämmung ist es das Gleiche.“

Als Firmenchef steht er damit gleich vor mehreren Herausforderungen. Denn ergattert er ein meist kleines Kontingent an Ware, dann zu etwa dreimal so hohen Preisen, und zwar zu Tagespreisen und längeren Lieferzeiten. „Das Einsparen beim Materialkauf ist nicht mehr möglich“, hält er fest und ärgert sich darüber, dass sein kaufmännischer Mitarbeiter täglich Stunden mit Telefonieren verbringt, um Baustoffe aufzustöbern. „Das kann doch nicht die Aufgabe eines einzelnen Unternehmers sein, sich darum zu kümmern, wo was zu welchem Preis zu bekommen ist.“

Die erhöhten Preise bedeuten nicht nur für ihn steigende Kosten, sondern auch für seine Kunden, hauptsächlich Privatleute, die ihr Dach sanieren lassen. Der Quadratmeterpreis für Dämmstoffe sei um 25 bis 30 Prozent gestiegen, gedämmte Dachbleche sogar um fast 50 Prozent. „Das gängige Dach für ein Einfamilienhaus wird jetzt locker 3000 bis 4000 Euro teurer“, rechnet Heyl vor. Vor sechs Monaten noch sei dieselbe Leistung und Qualität etwa 20 Prozent günstiger gewesen.

Auszubildende fehlen

Er ist alles andere als glücklich über diese Entwicklung. „Meine Kunden sind für mich Vertragspartner. Ich leide mit ihnen mit und bin schon fast geneigt, meine Kalkulation zu ändern, um meine Marge runterzusetzen.“ Klar ist ihm aber auch, dass er als Unternehmer wirtschaftlich denken muss und als Arbeitgeber für zwölf Mitarbeiter, von denen viele seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigt und die ganzjährig fest eingestellt sind, Verantwortung trägt. Wenn es nach ihm ginge, könnte sein Personalstamm größer sein, aber: „Es kommen keine Auszubildenden nach.“

Gleichzeitig tun sich noch ganz andere Probleme auf. Wie kann der Chef der Dachdeckerei einen Kostenvoranschlag erstellen, wenn er nicht weiß, wie hoch der Preis für das Material morgen ist? Mit diesen Fragezeichen im Hinterkopf geht er nun dazu über, eine zusätzliche Klausel in die Verträge einzubauen. Sie bezieht sich auf die nichtkalkulierbaren Preise, die in das Angebot einfließen, ob zu seinem oder zum Kundenvorteil. Schwierig war auch die Situation bezüglich bereits angenommener Angebote, denn auf ein Nachverhandeln habe er verzichtet. „Da ging die Teuerung zu meinen Lasten. Ich habe sie nicht weitergegeben.“

Die Auftragslage hat sich im Corona-Jahr nur unwesentlich verändert. „Es lief nicht alles ganz so rund wie sonst“, erzählt der Geschäftsführer. Aber mit Fristen, die eingehalten werden müssen, steht die nächste Schwierigkeit schon bald an die Tür: Ohne Material ist das Ausführen der Arbeit nicht möglich. Bis September sind die Auftragsbücher gefüllt – und noch ist der Meisterbetrieb voraussichtlich in der Lage, Fristen einhalten zu können.

Hoffnung auf Polen

Geholfen hat dabei Heyls glückliches Händchen, das er beim Kauf von 5000 Quadratmetern Dachlattung bereits kurz nach Beginn der Holzkrise beweisen konnte und wovon er jetzt noch zehrt. Anders ein befreundeter Firmenchef, der sich angesichts des leeren Marktes in Deutschland bei seiner Suche nach Bauholz ins Ausland orientiert hat und auf einen Betrieb in Polen gestoßen ist. Nun will er dort hinreisen, um die Qualität der Ware einschätzen zu können. Ist er zufrieden, will er zuschlagen, berichtet Heyl.

Er geht davon aus, dass die Aufträge bis in den frühen Herbst hinein sichergestellt sind. Was dann aber kommt und wie sich der Markt weiterhin entwickelt, kann er nicht einschätzen. Fragezeichen über Fragezeichen tun sich auf, denn auch seine Branche ist wetterabhängig, ein weiteres unwägbares Risiko. Da bleibt vorerst nur ein Schulterzucken und die Aussage: „Wir müssen abwarten, wo die Reise hingeht.“

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