Kaiserslautern
CL Tech: Insolvenz in Eigenverwaltung
Pleiten nehmen zu, auch in der Region. Firmen straucheln aufgrund der Energiekrise, zu viel Bürokratie, Absatzproblemen. Bei CL Tech ist das anders. „Die Auftragsbücher sind voll, die Produkte von CL Tech sind toll, aber das neue Werk im Industriegebiet Nord hat nicht so performt, wie es geplant war, die Produktion ist nicht schnell genug ins Laufen gekommen“, sagt der Kaiserslauterer Fachanwalt Paul Wieschemann. Es habe Schwierigkeiten in der Fertigung gegeben, „einzelne Anlagen liefen nicht effizient, hatten Mängel, damit stimmten am Ende die Erträge nicht und die Schulden konnten nicht bedient werden“. Der Jurist bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass er am 9. Februar beim Amtsgericht Kaiserslautern für die CL Tech GmbH & Co. KG einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt hat. Seitdem ist er Teil der CL-Tech-Geschäftsführung, neben Firmengründer Jürgen Gottschall und Geschäftsführer Tobias Frank.
Wieschemann wird als Generalbevollmächtigter versuchen, die Firma, die 78 Mitarbeiter beschäftigt, zu sanieren. „Wir machen das im Team, auch mit den Gesellschaftern.“ Zu denen gehört beispielsweise Jochen Wasem, der die Spedition in der Nachbarschaft betreibt. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung hat laut Wieschemann den großen Vorteil, dass der Schuldner die volle Kontrolle über den Betrieb behält, was wichtig sei für die vertrauensvollen Beziehungen zu Lieferanten und Kunden. „Wir müssen Ruhe bewahren, es darf kein Flurschaden entstehen“, betont der Eigenverwalter. Als Sachwalter wurde Michael Wellstein aus Mannheim bestellt. Er führt quasi die Aufsicht über das Verfahren. Wieschemann ist optimistisch, CL Tech spätestens bis Ende des Jahres gerettet zu haben.
„Wir suchen einen strategischen Investor“
Wie hoch die Verpflichtungen von CL Tech sind? Kein Kommentar. „Stand jetzt läuft alles auf ein Insolvenzplanverfahren hinaus. Dazu suchen wir einen strategischen Investor und machen dann einen Schuldenschnitt mit dem Ziel, dass CL Tech gestärkt aus der Insolvenz hervorgeht und alle Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Im Prinzip fehlten schon jetzt Mitarbeiter, denn mittlerweile laufe die Brettsperrholzproduktion im Zwei-Schicht-Betrieb, das Werk sei gut ausgelastet, so Wieschemann. „Das Geschäftsmodell von CL Tech ist sehr innovativ. Gottschall verarbeitet Holz aus der Region, das ist nachhaltig. Und der Holzbau befindet sich im Aufwind. Ich bin sehr, sehr zuversichtlich“, sagt er. Es gebe bereits aussichtsreiche Gespräche mit potenziellen Investoren, auch aus dem Bereich der Holzverarbeitung. Das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter sei bis Ende April sicher. „Und die Signale aus dem Umfeld sind positiv. Die Kunden bestellen weiter, die Lieferanten bleiben uns treu und angefangene Projekte werden fortgeführt“, erläutert der Generalbevollmächtigte, der sich mit seinem Team jetzt ums Personal und die Buchhaltung kümmert.
CL Tech war 2019 gegründet worden. Gottschall, von Haus aus Zimmerermeister, spezialisierte sich auf die vollautomatische Fertigung von Holzbauelementen für den Wohn- und Gewerbebau. Das war seine Antwort auf den Fachkräftemangel. Innerhalb von fünf Jahren wuchs die Belegschaft von acht auf 75 Mitarbeiter. Zunächst bezog er das Holz aus Österreich, baute dann aber im Jahr 2024 für 50 Millionen Euro eine eigene Brettsperrholzfertigung auf. Allein der Maschinenpark hat 35 Millionen Euro gekostet, viele Maschinen sind Unikate. Bei der Einweihung im November 2024 nannte Petra Dick-Walter, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, Gottschall einen „Mutmacher“. So eine Investition in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei für die Region ein „Sechser im Lotto“. „Sie machen Hightech-Holzbau vom Feinsten“, sagte sie. Das Land hatte fünf Millionen Euro beigesteuert. Ein paar Monate zuvor war Alexander Schweitzer (SPD) bei CL Tech zu Gast, es war sein erster Besuch als neuer Ministerpräsident in der Stadt. Ihn beeindruckte Gottschall damals mit den Worten: „Im Jahr 2021 waren wir gezwungen, Holz in Lettland zu kaufen. Als Pfälzer Bub hat mich das extrem genervt. Damals habe ich beschlossen, dass das anders gehen muss. Jetzt kommt das Holz aus dem Pfälzerwald.“
„Der Druck auf der Gläubigerseite war zu groß“
Wieschemann bedauert, dass es überhaupt zum Insolvenzantrag kommen musste. Mitte des Jahres 2025 schon sei CL Tech in Schieflage geraten. „Dann haben wir hart verhandelt und haben mit allen Mitteln versucht, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Am Ende mussten wir aber doch die Reißleine ziehen, weil wir nicht schnell genug frisches Geld gekriegt haben“, räumt der Sanierer ein. Der Druck auf der Gläubigerseite sei zu groß gewesen.
„Das ist eine ganz schlimme Situation“, gesteht Firmengründer Jürgen Gottschall auf RHEINPFALZ-Anfrage. Er sei von dem Konzept der vollautomatischen Brettsperrholzproduktion immer noch absolut überzeugt. „Aber wir hätten mehr Zeit gebraucht.“ Die komplizierte neue Technik und die Software hätten anfangs einfach nicht so funktioniert, wie es vorgesehen war. „Wir haben nur 40 Prozent von dem, was budgetiert war, geschafft.“ Der 53-Jährige ist aber sicher, dass der Betrieb weitergeführt wird. „Das ist mein Lebenswerk“, betont er. Er glaubt fest daran, dass ein Käufer gefunden wird. „Es waren wirklich schon viele Interessenten da, die sehr beeindruckt sind.“ Leid tun ihm die Mitarbeiter. „Die sind verunsichert, aber bis auf ganz wenige sind alle geblieben. Und sie geben richtig Gas, damit alles weiterläuft“, so der Zimmerermeister, der BWL studiert hat.
Die Zimmerei Gottschall in Thaleischweiler-Fröschen, die Gottschalls Vater aufgebaut hat und die zu den größten Abnehmern der Holzbauteile für Häuser, Schulen und Kitas gehört, ist von der Insolvenz nicht betroffen.
