Vor der Wahl
CDU-Politiker Wolfgang Bosbach fordert im Alcatraz Investitionen in Bildung
„Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maße von der Einbildungskraft jener ab, die gerade lesen lernen.“ Das Zitat stammt nicht von Wolfgang Bosbach, es wird der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren zugeschrieben. Anja Pfeiffer schloss damit ihre Ausführungen und erklärte, was sie im Amt der Oberbürgermeisterin gerne sofort angehen würde: die Bildungslandschaft der Stadt verbessern, insbesondere die Betreuung der Kleinsten. Die Kitas und Schulen seien „das Herz unserer Stadt“, sagte Pfeiffer.
Die Wichtigkeit der (Aus-)Bildung unterstrich knapp eine Stunde später auch Wolfgang Bosbach: Sie sei das beste Mittel gegen den Fachkräftemangel, auf den Deutschland zusteuere. „Wer nix im Boden hat, muss was in der Birne haben“, fasste er griffig die Strategie zusammen, dass das an Bodenschätzen arme Deutschland verstärkt in den eigenen Nachwuchs investieren müsse. Dazu gehöre auch eine Diskussion um die Lehr- und Lerninhalte „in einer Welt, die sich rasant wandelt“.
Bosbach sprach knapp eine Stunde, streifte dabei sowohl weltpolitische Themen wie den Überfall Russlands auf die Ukraine, als auch innenpolitische Dauerbrenner wie Rentenpolitik, Gesundheit und Bildung.
25 Jahre lang selbst in der Kommunalpolitik
Immer wieder kam er auf die Kommunalpolitik zu sprechen, in der er auch 25 Jahre tätig war. „Die Prinzipien der politischen Arbeit sind die gleichen“, spannte er einen Bogen vom Bund in die Kommunen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland sagten zwar von sich, politisch interessiert zu sein. In Parteien organisiert seien allerdings nur rund 1,6 Prozent der Menschen, berichtete Bosbach.
Immer wenn er Zahlen ins Spiel brachte – wie hoch ist der Anteil an Rezessionsjahren in der Bundesrepublik? Rund zehn Prozent – bezog Bosbach sein Publikum mit ein und spiegelte damit eine seiner Überzeugungen mit Blick auf Politik: „Demokratie lebt vom Mitmachen, von Menschen, die sich engagieren.“ Unerlässlich dabei sei Vertrauen. Zwar fragten an Wahlständen auch heute noch Menschen nach Kugelschreibern und Luftballons, liefern müssten die Kandidaten aber zudem „gute Argumente“.
„Nach 16 Jahren SPD spüren wir einen Wechselwillen“
Der CDU-Kreisvorsitzende Michael Littig hatte Bosbach begrüßt. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat warb eindringlich dafür, am Sonntag wählen zu gehen. „Nach 16 Jahren SPD spüren wir einen Wechselwillen“, sagte Littig mit Blick auf die Verwaltungsspitze der Stadt. Er gehe davon aus, dass „ein paar Hundert Stimmen“ die Entscheidung bringen und sehe einem spannenden Wahlabend entgegen. Auch Bosbach warb dafür, wählen zu gehen. Eine Stichwahl habe ihre eigenen Gesetze: „Man nimmt kein Ergebnis mit, es beginnt bei null.“
Auf die neue Oberbürgermeisterin warten laut Littig große und schwierige Aufgaben: Pfaffgelände und Rathaussanierung, beides Projekte „im dreistelligen Millionen-Bereich“, dazu der „katastrophale Zustand der Schulen und Kitas“ sowie die sozialen Brennpunkte.
Pfeiffer will mehr „Treffpunkte für alle“ schaffen
„Wenn niemand mehr gern durch die Innenstadt geht, dann müssen wir dort etwas verändern“, griff Pfeiffer die Sicherheitsfragen auf. Sie wolle sich für eine andere Platzkultur in der Stadt einsetzen, mehr „Treffpunkte für alle“ schaffen. Das Thema innere Sicherheit – Bosbach hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2017 in Nordrhein-Westfalen eine Kommission geleitet, die sich mit Polizeireformen befasste – griff der CDU-Politiker am Ende seiner Rede auf. „Stärken Sie Ihrer Polizei, wenn es darauf ankommt, den Rücken.“