Kaiserslautern Castorfs „Baal“: Suhrkamp klagt gegen weitere Aufführung

Der Suhrkamp Verlag will weitere Aufführungen von Bertolt Brechts Drama „Baal“ am Münchner Residenztheater verbieten lassen. Gegen die Inszenierung von Skandal-Regisseur Frank Castorf habe der Verlag beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung beantragt, bestätigte gestern eine Verlagssprecherin. Es handle sich „um eine nicht-autorisierte Bearbeitung des Stückes“. In der Produktion würden viele Fremdtexte verwendet, „die Werkeinheit wird aufgelöst“, bemängelte Suhrkamp. Absprachen habe es vorher nicht gegeben. Dies verletze das Urheberrecht und sei durch den mit der Bühne geschlossenen Aufführungsvertrag nicht gedeckt. Der Intendant des Residenztheaters, Martin Kusej, zeigte sich „außerordentlich irritiert“ über das Vorgehen des Verlages, das er „völlig unverständlich“ nannte. Er kritisierte, der Verlag kenne Castorfs Arbeitsweise und habe sich für die Vergabe der Aufführungsrechte an das Residenztheater und den Regisseur entschieden. Zudem sei Suhrkamp auf dem Laufenden gehalten worden. Beim Verlag sieht man das anders: „Das Theater hat uns trotz mehrfacher Aufforderung die endgültige Spielfassung bis heute nicht zur Verfügung gestellt.“ Ein Zeichen setzen möchte indes die Jury des Berliner Theatertreffens, die gestern bekanntgab, Castorfs „Baal“-Inszenierung zum Berliner Theatertreffen einzuladen. (dpa)

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