Krickenbach
Carlos Monge beim Bildhauersymposium
Carlos Monge lässt den Trennschleifer aufheulen. Eine Staubwolke umhüllt ihn und seine Besucher. Im Handumdrehen entstehen die glatten Konturen seines Steines. Nur zwei bis drei Tage benötige er für eine Seite seiner Skulptur. Der Rest sei minutiöse Vorarbeit und natürlich der finale Feinschliff.
Dass es dem 78-Jährigen, dem man sein Alter nun wirklich nicht anmerkt, so flott von der Hand geht, liegt auch an seiner immensen Erfahrung. Er selbst spricht von lebenslangem Lernen und Reifen und daneben vom Aufsaugen der Kunsttraditionen seiner mexikanischen Heimat, der Azteken und der Inkas. Man müsse dabei die Seelen der Leute erfassen, ist Monges Credo. Formal tritt dieser Bezug auf die Tradition in vielen seiner Skulpturen hervor, auch in der gerade entstehenden.
Ein Lob auf den Picard’schen Stein
Auf 141 Symposien in 30 Ländern kommt der in Mexiko und Spanien beheimatete Künstler inzwischen. Fünf davon fanden in Deutschland statt, darunter Leipzig, Bremen und Dresden, das seitdem eine Sandstein-Skulptur Monges auf dem Uni-Campus besitzt. Kennt der Bildhauer also das Material bereits bestens, so ist er doch von dem Picard’schen Stein besonders angetan. Härter sei er, wesentlich kompakter und daher auch ohne Probleme zu scheiden. Doch vorab stand – wie meist bei Monges Projekten – die Vorbereitungsphase an.
Zunächst fertigt Monge einen kleinen Plan und die dazugehörige Kleinskulptur aus Granit oder auch aus Metall. Danach wird der Plan, einem Schnittmuster gleich, vergrößert, damit er später eins zu eins auf das Werkstück projiziert werden kann. Mit Lineal, Maßband und wasserfestem Stift überträgt Monge die Linien auf den Stein. Erst dann geht es mit dem Trennschleifer zur Sache. Und das, wie gesagt, in erstaunlichem Tempo.
Helles Licht und dunkles Licht
„Ich bin ein Mann des Steines“, macht Monge aus seiner Präferenz für das Material keinen Hehl. Und seine dunklen Augen unter den buschigen Brauen blitzen, wenn er von seiner Arbeit spricht. Auch von jenen Plastiken, die er in Stahl umsetzte, weil mit diesem Werkstoff gerade größere Arbeiten schneller zu realisieren seien. Eine davon aus Edelstahl steht in dem Fischerdorf Ajuy auf der Kanareninsel Fuerteventura; sie kommt der entstehenden Skulptur mit ihren Wellenstrukturen formal nahe. Eine andere Plastik, fünfteilig, ebenfalls aus Stahl, begrüßt den Ankommenden in der Nähe des Inselflugplatzes. Und noch etliche andere Monge-Skulpturen aus Stein zieren die Kanareninsel. Doch zurück zur Pfälzer Symposiumsarbeit und der Idee dahinter.
Die Skulptur „New Dawn“ (in Deutsch: neue Morgendämmerung) verändere sich wesentlich mit dem tageszeitlich wechselhaft einfallenden Licht, erklärt der Bildhauer. Licht und Schatten erschienen in beständigem Wandel, Monche spricht dabei von „hellem und dunklem Licht“. Auch durch das offene Innere des radgleichen Steins dringt es hervor. Zudem ergäben sich Analogien zu Wellenstrukturen – wie das Licht spielt auch das Wasser eine wichtige Rolle in Monches Kunstverständnis, das auf eine Verflechtung von Kunst und Leben(sumgebung) abzielt. „Zu diesem Zweck gießt der Stein seine Fossilien in die Zunge des Raums, um seine Beweglichkeit zu entwickeln und in der Lücke all seine Klarheit, seine Lichter und seine Schatten als Mittel der Möglichkeit des Seins zu finden“, ist auf der Internetseite des Symposiums dazu zu lesen. Aha.
Alles außer Lippenbekenntnissen
Jenseits philosophischer Ansätze und Betrachtungen erweist sich der Künstler als äußerst diesseitig, lebensfroh und empathisch. So sang er beim Bergfest des Symposiums mit der Band Buskers Deluxe aus voller Brust das zum Jazzstandard avancierte Liebeslied seiner Landsfrau Consuelo Velázquez, „Bésame mucho“. Und auch seine tief empfundenen Dankesworte an die Familie Picard waren alles andere als Lippenbekenntnisse.
Sichtlich am Herzen liegt Carlos Monge also der Kontakt mit den Menschen vor Ort. Und dass er diesmal neben der intensiven Arbeit mit seinen Kollegen und dem Team des Steinbruchs auch die Region und die Stadt Kaiserslautern erkunden kann, freut den Vater dreier Söhne, die allesamt in Mexiko leben, besonders. Keinesfalls sei dies an der Symposiums-Tagesordnung: „Oftmals heißt es nur arbeiten, arbeiten, arbeiten vor Ort und nicht mehr.“
Und so wird ihm, der die älteste der drei Generationen im Künstlertrio darstellt, das Westpfälzer Symposium in besonderer Erinnerung bleiben. Und er den Kunstfreunden der Region über sein Werk, das auf dem ZAK-Gelände seine neue Heimat finden wird, sicherlich auch.
Info
Das 15. Bildhauersymposium des Vereins Skulpturen endet mit einer Finissage am 28. September, 15 Uhr, im Steinbruch Picard, inklusive Kunstrundgang und Musik. Bis dahin freuen sich die drei Künstler, der 78-jährige Mexikaner Carlos Monge, der 47-jährige Deutsch-Österreicher Stefan Esterbauer und der 27-jährige Pole Jan Jaworski-Brach auf Besuch bei ihrer Arbeit im Schweinstal.