Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Brücke in Pariser Straße: Defizite, aber keine Einsturzgefahr

An der Brücke in der Pariser Straße beim Rauschenweg stehen weitere Arbeiten an – Tempo 30 ist aber wieder aufgehoben.
An der Brücke in der Pariser Straße beim Rauschenweg stehen weitere Arbeiten an – Tempo 30 ist aber wieder aufgehoben.

Über ein Jahr war auf der Brücke in der Pariser Straße am Rauschenweg nur Tempo 30 erlaubt. Die Beschränkung ist vorerst aufgehoben, es stehen aber weitere Arbeiten an.

Seit einigen Wochen dürfen Fahrzeuge wieder mit Tempo 50 über die Brücke in der Pariser Straße in Richtung Innenstadt rollen. Nach über einem Jahr und zahlreichen Untersuchungen steht fest: „Das Bauwerk ist nicht einsturzgefährdet, deswegen haben wir die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben“, sagt Sebastian Staab, der Leiter des Tiefbaureferates der Stadt. Die Brücke habe jedoch Defizite, es könne also sein, dass es weitere Einschränkungen geben wird.

Ähnlichkeit mit Dresdner Carolabrücke vorhanden

Nachdem Schäden an den Lagern der Brücke aufgetreten waren, hatte die Stadtverwaltung für die beiden Fahrspuren in Richtung Innenstadt im Herbst 2024 Tempo-30-Schilder aufgestellt. Stadtauswärts durfte der Verkehr weiter mit 50 Stundenkilometern rollen, denn bei der Brücke handelt es sich eigentlich um zwei separate Bauwerke. Das ältere, über das der Verkehr in Richtung Innenstadt fließt, wurde 1954 als Spannbetonbrücke errichtet. Und damit gibt es eine gewisse Ähnlichkeit zur Carolabrücke in Dresden, die 2024 unvermittelt eingestürzt war.

Über ein Jahr gab es an der Brücke in der Pariser Straße beim Rauschenweg eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30. Diese is
Über ein Jahr gab es an der Brücke in der Pariser Straße beim Rauschenweg eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30. Diese ist wieder aufgehoben.

Die Stadt entschied sich daher dafür, die Brücke auf Herz und Nieren zu prüfen und währenddessen eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu erlassen. Inzwischen liegen die Ergebnisse vor, und die zeigen zunächst, dass der Zustand des über 70 Jahre alten Bauwerks altersentsprechend ist, wie Alexander Mock, Leiter der Abteilung Ingenieurbauwerke bei der Stadt, erläutert. Der Spannstahl sei nicht „spannungsrisskorrosionsgefährdet“, ein Einsturz wie bei der Carolabrücke sei also nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht zu befürchten. Zudem habe das Betongefüge eine hohe Festigkeit, es gebe keine Risse an der Unterseite des Bauwerks. Die Lager auf der Seite in Richtung Vogelweh seien allerdings stark beschädigt. Daher hat die Verwaltung dort bereits mit Sofortmaßnahmen reagiert. Neben die maroden Stützen wurden Stahlplatten aufgestapelt. Sollten die Stützen versagen, senkt sich die Brücke maximal einen halben Zentimeter ab und kommt auf dem Stahl zum Liegen, erklärt Mock. Dank zweier Sensoren sollen solche Bewegungen künftig umgehend gemeldet werden. „Dann können wir das sofort kontrollieren und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten“, erläutert der Ingenieur.

Neben den defekten Lagern gibt es bei der Brücke jedoch weitere Probleme: Eine Nachrechnung habe ergeben, dass die Brücke statische Defizite hat. So tragen nicht alle Stützen die gleiche Last, sondern die äußeren werden doppelt belastet. Die Folge ist deren schlechter Zustand.

Für die Arbeiten werden Sperrungen notwendig

Aus den Untersuchungsergebnissen folgen nun weitere Maßnahmen. Laut Mock stehen unter anderem Reinigungsarbeiten an. Dann müsse der Fahrbahnbelag und die Abdichtung erneuert werden, gleiches gelte für Schutzeinrichtungen sowie die Geh- und Radwege. Verkehrsteilnehmer müssen daher mit Beeinträchtigungen rechnen, denn für die Arbeiten werden Sperrungen notwendig, „vielleicht nur halbseitig“, schränkt Mock ein. Einen Zeitplan gebe es indes noch nicht. Auch die maroden Lager müssen erneuert werden, dazu komme die Sanierung von lokalen Betonschäden.

Gleichzeitig werden durch die aufgefallenen statischen Defizite weitere Maßnahmen notwendig, um herauszufinden, ob die Brücke den heutigen Verkehrsbelastungen noch gewachsen ist. So kann durch Einscannen des Bauwerks untersucht werden, ob gegebenenfalls Puffer bei Sicherheitsreserven abgesenkt werden können. Aktuell werde zudem eine Verkehrszählung ausgewertet. Rund 40.000 Autos und 1200 Lastwagen über 3,5 Tonnen rollen in 24 Stunden über die Brücke. Ein Ergebnis dieser Untersuchungen könnten Beschränkungen für die Nutzung der Brücke sein, etwa ein Überholverbot für Lastwagen, um zu verhindern, dass diese die Brücke nebeneinander überqueren, auch eine Lastbeschränkung ist denkbar. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Strecke auch als Umleitungsstrecke bei Sperrungen der Autobahn dient.

Angehen will die Stadt nun zudem eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Setzt man die beschriebenen Sanierungsmaßnahmen in den kommenden ein bis zwei Jahren um, dürfte das 1,5 bis zwei Millionen Euro kosten, schätzt Mock. Rund 20 Jahre könne man die Brücke dann voraussichtlich noch nutzen. In diesem Fall hätte man ausreichend Zeit, um einen Ersatzneubau für das dann rund 100 Jahre alte Bauwerk zu planen. Bei der rund sieben Millionen Euro teuren Variante zwei würde man den Ersatzneubau umgehend angehen. Allerdings wäre man dafür auf eine Sperrpause der Bahn angewiesen. Die nächste steht 2029 an, wenn auch die Jacob-Pfeiffer-Brücke erneuert werden soll. Den Neubau einer zweiten Brücke bekäme man bis dahin allerdings nicht umgesetzt, so Mock. Gehe man den Neubau erst in 20 Jahren an, dürfte dieser deutlich teurer werden. Der Abteilungsleiter schätzt, dass dann wohl zehn Millionen Euro fällig werden.

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