Kaiserslautern Blick auf die Bilder, mit denen wir leben
Neuer Name, neue Kuratoren, neue Themen: Fast alles hat sich verändert bei dem in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg veranstalteten Fotofestival, das nun Biennale für aktuelle Fotografie heißt. Was von 9. September bis 5. November unter dem Titel „Farewell Photography“ zu erwarten ist, haben die insgesamt sechs Kuratoren gestern bei einem ersten Pressegespräch in Mannheim umrissen.
Geblieben ist immerhin das Konzept von sieben Ausstellungsorten in den Museen und Kunstvereinen der beteiligten Städte, dazu kommen diesmal verstärkt Projekte im öffentlichen Raum und Auftragsarbeiten. Grob gesagt möchte die rund eine Million Euro teure Biennale, finanziert über Bundeskulturstiftung, kommunale Zuschüsse und den Hauptsponsor BASF, eine kritische Bestandsaufnahme heutiger Fotografie abliefern. „Es hat eine Umwälzung der Lebensverhältnisse gegeben, und Bilder sind sehr wichtig in diesem Prozess“, so Florian Ebner, zusammen mit Christin Müller für den konzeptionellen Überbau der Biennale zuständig. „Dabei hat auch eine tiefgreifende Veränderung der fotografischen Kultur stattgefunden.“ Die Biennale will diesen Veränderungen auf unterschiedlichen Themenfeldern nachgehen. Die massenhaft im Internet und in den sozialen Netzwerken verbreiteten Bilder werden dabei eine wichtige Rolle spielen, aber auch der fotografische Umgang mit gesellschaftspolitischen Themen wie Migration. Der Wandel von Technik und Material in der Fotografie soll ebenfalls untersucht werden, und immer wieder geht der Blick zurück in die Vergangenheit, in öffentliche Archive oder private Fotoalben. Dass Fotokünstler nicht mehr selber Fotos machen, sondern vorgefundenes Bildermaterial nutzen, wird einer der Trends dieser Biennale sein. Die Ausstellungen finden wieder an den aus den Vorjahren gewohnten Orten statt. In Ludwigshafen soll im Wilhelm-Hack-Museum unter anderem die Frage beantwortet werden, welche Folgen die Digitalisierung der Fotografie für die Bildinhalte hat. Im Kunstverein Ludwigshafen geht es um „widerständige Bilder“, also um die Rolle des fotografischen Bildes in der politischen Sphäre. In Mannheim wird bei Zephyr – Raum für Fotografie die Authentizität und Beweiskraft der Bilder auf die Probe gestellt. Im Port25 ist die Bilderflut in den sozialen Netzwerken das Thema, „sharing“ und „caring“ sind hier die Stichworte, wie teilt man die vielen Bilder und wie bringt man hinterher Ordnung ins Bilderchaos. Die wegen des Neubaus geschlossene Kunsthalle wird Standort für eines der Außenprojekte der Biennale sein. In Heidelberg begegnet man im Kunstverein den Themen Ökonomie und Migration, in der Sammlung Prinzhorn wird beim Thema Porträt nach Fragen von Identität und Charakter geforscht. An jedem Ausstellungsort werden mehrere künstlerische Positionen präsentiert, darunter sind auch bekannte Fotokünstler wie Wolfgang Tillmans und Alfredo Jaar oder der Filmemacher Harun Farocki zu finden. Aber „nicht große Namen, sondern große Themen“ sind das Anliegen von Florian Ebner, der seit 2012 die Fotografische Sammlung des Museum Folkwang in Essen leitet und vor zwei Jahren den Deutschen Pavillon der Venedig-Biennale kuratierte. „Wir werfen einen Blick von der Seite auf Bilder, mit denen wir täglich leben“, fasst er noch mal zusammen, was die Besucher im Herbst erwartet. Termine und Infos —„Biennale für aktuelle Fotografie 2017“, 9. September bis 5. November, sieben Ausstellungsorte in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg. —Im Netz: www.biennalefotografie.de