Kaiserslautern Bischof Wiesemann bei Gedenken: „Kirche muss ein sicherer Ort für Kinder sein“
„Wir müssen das Schweigen brechen und dafür sorgen, dass den Opfern zugehört wird“, sagt Werner Marz-Kohl. Er selbst ist ein Betroffener, der sexualisierte Gewalt im Kindesalter im Rahmen der katholischen Kirche erleben musste. Heute ist er Mitglied des Betroffenenbeirats, der sich mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Speyer auseinander- und für eine Verbesserung der Präventionsmaßnahmen einsetzt.
Um ein sichtbares Zeichen für diese Aufarbeitung zu setzen, hat auf dem St.-Martins-Platz in Kaiserslautern am Dienstag eine Gedenkveranstaltung für Betroffene sexualisierter Gewalt stattgefunden. Organisiert wurde sie vom Bistum Speyer und dem Netzwerk Prävention – anlässlich des Gedenktags, zu dem Papst Franziskus 2015 erstmals aufgerufen hatte.
Neben Betroffenen kommen dort auch Mitglieder der unabhängigen Aufarbeitungskommission zu Wort. Sie berichten von ihrer Arbeit und davon, wie sie die Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer seit 1946 auf den Weg gebracht haben. „Es soll dabei um die Frage gehen, wie das passieren konnte und welche Strukturen den Missbrauch ermöglicht haben“, erklärt Kommissionsmitglied Wolfgang Schwarz.
Auch der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, ist nach Kaiserslautern gekommen. Er betont, wie wichtig es sei, das Schweigen über die Missbrauchfälle zu brechen. „Wir müssen alles daran setzen, dass die Kirche ein sicherer Ort für Kinder ist“, so Wiesemann.
Dafür sind unter anderem auch drei Ehrenamtliche zuständig, die als unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene von sexuellem Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche tätig sind. Eine von ihnen ist die Psychologin Heike Jokisch: „Wir bearbeiten Altfälle, aber es kommen auch immer wieder Betroffene zu uns, deren Erfahrungen noch nicht lange zurückliegen. Das ist kein Thema der Vergangenheit.“