Kaiserslautern Betze-geflüster: Vom Megafon ans Mikrofon

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Er hat sie immer noch im Geldbeutel, seine Dauerkarte für Block 8, obwohl er längst beim FCK arbeitet und kostenlos ins Stadion kommt. Dass er sie seit 1990 jedes Jahr wieder bezahlt, ist für Stefan Roßkopf selbstverständlich. Der 37-jährige „gebürtige Schwabe und praktizierende Pfälzer“ hat den Pokalsieg 1990 miterlebt, die Meisterschaft 1991, war beim legendären Spiel in Köln und ist „spätestens seitdem mit dem Virus infiziert“. Wie sich das auswirkt?: Er hat nur einzelne Heimspiele verpasst, ist seit Mitte der 90-er Jahre zu allen Auswärtsspielen gefahren und hat in zwölf Jahren nur eine Partie ausgelassen, das FCK-Spiel in Köln, weil sein Onkel 60 wurde.

Roßkopf hatte eine eigene Fahne, stand mit dem Megafon auf dem Podium am Zaun. Im Jahr 2000 wurde er Fanbeauftragter, seit 2003 arbeitet er hauptberuflich beim FCK und versuchte das immer mit seinem „erlernten Beruf“ zu verbinden. Er hat in Bamberg Germanistik mit Schwerpunkt Journalistik studiert. Vor fünf Jahren, als Christian Gruber Leiter der Pressestelle wurde, wechselte er mit in die Abteilung, war die ersten Jahre für den Printbereich zuständig. „Das Stadionheft ist mein Kind“, sagt er. Zuletzt kümmerte er sich um den Onlinebereich, die Homepage, FCK-TV, Social Media, Facebook, Twitter, kommunizierte viel mit den Fans.

Gestern, als Gruber leise servus sagte – nach dem Heimspiel gegen Köln hatte er sich schon für fünf „geile Jahre“ bedankt und dem FCK den Aufstieg gewünscht –, saß der Fan zum ersten Mal da oben, auf dem Podium im Pressebereich. Bis Saisonende ist Stefan Roßkopf zusammen mit Lisa Netzhammer, der Leiterin der Abteilung Medien und PR, kommissarisch Chef. Als Stefan Kuntz ihn in sein Büro rief und fragte, war für ihn klar, dass er Ja sagen wird. Auch wenn sich damit einiges ändert. Wenn er statt auf der Tribüne zu sitzen und den Liveticker zu schreiben jetzt unten am Spielfeldrand mitfiebert, Interviews und Fernsehauftritte koordiniert, sich mit Vorstand und Trainerteam abspricht.

Einfach ist es nicht für ihn, seine Emotionen im Zaum zu halten. „Ich weiß, dass man in der Position Fan sein darf, es aber manchmal nicht so ganz zeigen sollte“, sagt er und grinst. An den Anzug, den er bei Heimspielen zu tragen hat, hat er sich schon gewöhnt. Dass Kosta Runjaic ihn gestern wegen seines weiß-blau karierten Hemdes aufzog, machte ihm nichts aus. Am wohlsten fühlt er sich ohnehin mit einem anderen Kleidungsstück: dem rot-weißen Traditionsschal.

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