Landtagswahl
„Bertha redet Klartext“: Wie die Kandidaten die Schule der Zukunft sehen (mit Bildergalerie)
„Schule der Zukunft“ und „Politikverdrossenheit von jungen Menschen“ – um diese beiden Themengebiete kreisten die Fragen, die den Schülerinnen und Schülern auf den Nägeln brannten. „Bertha redet Klartext“ heißt das Format, mit dem an der IGS den vier Kandidaten und zwei Kandidatinnen auf dem Podium auf den Zahn gefühlt wurde. Mit dabei waren Lena Edel (Linke) und Jasmin Awan (Freie Wähler) sowie Dennis Matheis (SPD), Paul Bunjes (Grüne), Ugur Omurca (FDP) und Marc Fuchs (CDU). Alle sechs treten am 22. März in einem der Wahlkreise der Region als Direktkandidaten für ihre jeweilige Partei an. Der siebte Platz auf dem Podium blieb leer: Sven Simer (AfD) hatte zugesagt, fehlte aber unentschuldigt, wie Mathias Molter und Patrick Stemler berichteten. Die beiden Lehrer hatten das Podium mit ihren Kursen vorbereitet und betreut.
Eine Attacke erntet Applaus
Rund 100 Minuten stellten sich die Bewerber auf dem Podium vor rund 200 Zuschauern den Fragen, die die beiden Oberstufen-Schülerinnen Marina Kleweta und Marie Theres Kühner ruhig, sachlich und fundiert vortrugen. Auf dem Podium herrschte eine gute und ausgesprochen höfliche Stimmung. Die Parteivertreter sind sich in den vergangenen Wochen offenbar mehrfach begegnet, man kennt sich. Edel, Bunjes und Fuchs sitzen etwa gemeinsam im Stadtrat Kaiserslautern. Ganz ohne etwas Pfeffer ging es dann aber doch nicht. „Dann sagen Sie mir mal, was Sie in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben“, wollte beispielsweise der CDU-Vertreter Marc Fuchs von Dennis Matheis (SPD) wissen, gemünzt auf die Schulpolitik des Landes, die von einem SPD-geführten Ministerium gestaltet wird. Eine Attacke, die vom Plenum mit lautem Applaus bedacht wurde.
Einigkeit: Ausstattung der Schulen ist elementar
Die Reibereien auf dem Podium hielten sich aber in Grenzen, es regierte Sachlich- und Höflichkeit. Rund 45 Minuten wurde das Großthema „Schule der Zukunft“ diskutiert, worunter die Punkte Lehrermangel und Digitale Medien im Unterricht fallen. Einig waren sich alle Vertreter, dass die Schulen im Land gut ausgestattet sein müssen, dazu gehörten auch ordentliche Toiletten, fand Paul Bunjes. Ugur Omurca wünschte sich eine möglichst frühe Berufsberatung an den Schulen, Marc Fuchs eine verlässliche Ganztagsbetreuung. Lena Edel, die gerade an einer Schule in Kaiserslautern ihre praktische Lehrerausbildung absolviert, sprach sich für „eine Schule für alle“ aus. Jasmin Awan machte sich für ein verpflichtendes Vorschuljahr stark, Dennis Matheis sähe gern, dass das vom Bund fürs Land gedachte Geld aus dem Sondervermögen in die Schulen fließt und nicht in den Straßenbau.
Dem Lehrermangel – laut einer von den beiden Moderatorinnen zitierten Studie fehlen im Land rund 5000 Lehrkräfte – würde Matheis mit mehr Studienplätzen begegnen. „Es sollte auch weniger Zeit in Dokumentationen fließen, damit sich wieder mehr auf den Lehrberuf konzentriert werden kann.“ Fuchs sprach sich für eine bessere Besoldung aus, da ansonsten viele Lehrer in Nachbarbundesländer abwandern könnten. Awan würde die Hürden für den Quereinstieg in den Lehrerberuf gerne senken. Bunjes sprach sich für mehr Stellen für Sozialpädagogen an den Schulen aus, zur Entlastung der regulären Lehrkräfte, Omurca haute in die gleiche Kerbe, sähe gerne einen hauptamtlichen KI- oder Digitalexperten an den Schulen, der sich um den reibungslosen Betrieb kümmern kann. Edel machte sich für mehr Praxisausbildung im Lehrerberuf stark.
„Parteien haben Social Media verschlafen“
Im zweiten Themenblock stand Politikverdrossenheit im Zentrum, aber auch die Frage, wie das Interesse junger Menschen an Politik verbessert werden kann. „Die Parteien haben Social Media verschlafen“, sagte Lena Edel, womit wichtige Info-Kanäle insbesondere für die Jugend lange nicht bespielt wurden. Dennis Matheis und Ugur Omurca pflichteten bei, sprachen sich für einfachere Sprache und kurze Inhalte, angepasst an Medienkanäle, aus. „Wir kriegen nicht alle begeistert für Politik“, konstatierte Omurca. Paul Bunjes räumte die Komplexität politischer Prozesse ein, das sei aber weniger wichtig. „Alles ist Politik: das Essen in der Mensa, das Schlagloch in der Straße oder die Frage, ob ein Bus fährt oder nicht.“ Dem könne sich niemand entziehen. Marc Fuchs will mehr mit den Menschen sprechen, auf sie zugehen, Verlässlichkeit anbieten. Ähnlich sah es Jasmin Awan: „Sprechen, informieren, erklären und teilhaben lassen“ sind für die FW-Kandidatin unerlässlich.
In ihrer Begrüßung hatte die Leiterin der IGS, Sandra Bankowsky, die Diskussion als „Baustein zur politischen Bildung“ bezeichnet, die es ermögliche, auch mal außerhalb der eigenen Bubble Meinungen und Ansichten zu hören. „Das ist nämlich gar nicht so leicht, da wieder rauszukommen.“