Kaiserslautern
Aus für städtische Eisbahn: Wo Ersatz kommen und was mit der Gartenschauhalle passieren soll
Eine städtische Eisbahn auf der Gartenschau ist für den Winter vom Tisch. „Aus finanziellen Gründen“ wird es eine solche weder in diesem noch im kommenden Winter geben. Das erklärt die Pressestelle der Stadt Kaiserslautern auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Anja Pfeiffer (CDU) hatte in der Stadtratssitzung Anfang Juni den Plan der Verwaltung vorgestellt, künftig keine eigene Bahn mehr betreiben zu wollen, sondern auf einen privaten Anbieter zurückzugreifen. Der Vorstoß der Jugenddezernentin, dafür dann auch den Pachtvertrag mit der Lebenshilfe zu kündigen, hatte bei etlichen Fraktionen zu Widerspruch geführt. Für viele kam der Antrag kurzfristig, Fragen blieben nach Ansicht der Ratsmitglieder offen. So zum Beispiel, wie eine Lösung mit der Lebenshilfe aussehe, für die die Pachteinnahmen zum Weiterbetrieb der Gartenschau wichtig seien oder wo das Personal künftig eingesetzt werde, wenn es nicht mehr für eine Eisbahn gebraucht werde. Es sollte zunächst in einer gemeinsamen Sitzung des Sport- und Jugendhilfeausschusses diskutiert werden.
„Aus zeitlichen Gründen“ habe diese Sitzung „vor der Sommerpause nicht mehr stattfinden“ können, erläutert die Pressestelle nun. „Deswegen hat Oberbürgermeisterin Beate Kimmel in Absprache mit der iKL (Gemeinnützige Integrationsgesellschaft Kaiserslautern, ein Zusammenschluss von Stadt und Lebenshilfe; Anmerkung der Redaktion) Anfang Juli die Fraktionen angeschrieben. Das weitere Vorgehen wurde sodann auch in einer Fraktionsvorsitzendenrunde im August besprochen“, erklärt Pressesprecher Matthias Thomas.
Skatepark der Gartenschau wird diesen Winter nicht geöffnet
Die Fraktionen hätten die Pläne der Verwaltung gebilligt, „in diesem Winter und im kommenden Winter aus finanziellen Gründen keine Eisbahn auf der Gartenschau auszurichten und stattdessen erneut die privat betriebene Eisbahn auf dem Messeplatz anzubieten“. Denn auch mit den von der Stadt geschätzten Einnahmen von 130.000 Euro durch die Eisbahn auf der Gartenschau „würde ein Defizit bei der Stadt verbleiben, das aktuell keine Deckung erfahren würde“.
Die Halle der iKL „bleibt auch in diesem Winter angemietet“, so Thomas. Denn der Pachtvertrag kann nur mit einem Vorlauf von sechs Monaten zum 28. Februar eines jeden Jahres gekündigt werden. Geplant sei, die Halle alternativ zu nutzen. Das Angebot solle vor allem junge Menschen ansprechen. Dazu gebe es Gespräche mit der iKL. Außerdem werde – wie im vergangenen Jahr – wieder ein Winterprogramm im Jugendzentrum organisiert. Eine Öffnung des Skateparks auf der Gartenschau ist laut Stadt in diesem Winter nicht vorgesehen.
Jugendparlament: „Halle darf nicht leer stehen“
Für den Erhalt der Eisbahn auf der Gartenschau hatte sich im Stadtrat auch das Jugendparlament ausgesprochen. „Wünsche und die tatsächliche Umsetzung sind immer zwei paar Schuhe. Wenn wir uns die finanzielle Situation der Stadt anschauen, geht es ja schon darum, Grundsätzliches zu finanzieren“, sagt Lena Marie Wilking, befragt nach der Entscheidung der Stadt. Die Vorsitzende sieht die Zwänge der Verwaltung. „Die Eisbahn auf der Gartenschau ist ein tolles Ad-on, aber sie ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher“, sagt sie. Positiv sehe sie, „dass sich trotzdem darum bemüht wird, eine Eisbahn nach Kaiserslautern zu bringen“. Kritisch schaue das Jugendparlament dagegen auf die weitere Verwendung der Halle. „Sie ist ja schon angemietet, die Kosten entstehen sowieso“, sagt Wilking. Sie dürfe auf keinen Fall leerstehen. Das Jugendparlament habe schon in die letzte Sitzung des Jugendhilfeausschusses einen Antrag einbringen wollen, in dem Vorschläge für kostenfreie oder kostengünstige Jugendangebote, insbesondere für den Winter, aufgelistet seien. „Er wurde nicht aufgegriffen. Ich habe den Eindruck, dass wir da nicht gehört werden. Sie setzen sich mit dem Thema im JHA und Stadtrat schon auch auseinander, haben da aber ihren eigenen Fahrplan“, teilt sie ihren Eindruck der Zusammenarbeit. Das sei frustrierend.
David Lyle, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Westpfalz und Geschäftsführer der iKL berichtet, dass er nach dem für ihn überraschenden Vorstoß im Stadtrat, in einem guten Austausch mit Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) stehe. „Ich bin nach der Sitzung, bei der sie selbst krank war, von ihr kontaktiert worden und wir stehen im Austausch, wie wir Ideen einbringen können, um die Halle gerade für Kinder und Jugendliche zu nutzen“, erklärt Lyle. Die Gespräche seien in den vergangenen Wochen intensiviert worden. Jetzt gehe es darum, auf das Jugendparlament zuzugehen.
600 Quadratmeter Eisfläche auf dem Messeplatz
„Wir wollen hinhören. Für uns war es sehr beeindruckend, was da schon für Ideen aus dem Jugendparlament kamen“, sagt er. Es gehe um ein Angebot für die kommenden Monate, aber auch „über den Winter hinaus“. Denn die Frage stelle sich sonst immer wieder. Lyle bekräftigt noch einmal, wie wichtig die etwa 106.000 Euro jährliche Pacht für den Betrieb der Gartenschau sind. „Wir brauchen die Einnahmen auf jeden Fall, sonst geht die Gartenschau kaputt“, sagt er. „Das wissen auch die Stadt und der Stadtrat.“ Er erwarte daher nicht, dass am Vertrag gerüttelt werde.
Auf eine Eisbahn müssen die Kaiserslauterer aber auch trotz der Absage der Verwaltung im kommenden Winter nicht verzichten. Patric Forlani, der von Januar bis März bereits auf dem Messeplatz seine Bahn aufgebaut hatte, wird auch 2025 und 2026 nach Kaiserslautern kommen. Laut Stadt starte die Saison am 24. Januar 2025 und ende am 9. März. Wie Pressesprecher Thomas erklärt, habe der Schausteller das Angebot noch verbessert, sodass die Eisfläche nun etwa 600 Quadratmeter groß sei. In diesem Jahr war sie mit 450 Quadratmetern im Vergleich zur städtischen Eisbahn (800 Quadratmeter) deutlich kleiner. Dies war ebenfalls ein Kritikpunkt in der Stadtratssitzung.
Mit dem Antrag des Jugendparlaments zur weiteren Nutzung der Veranstaltungshalle der Gartenschau beschäftigt sich der Stadtrat am kommenden Montag, 4. November, ab 15 Uhr.
