Kaiserslautern Auf der Suche nach dem Kniff

Istanbul. Hilft die Champions-League-Reise in die Sonne? Der kriselnde Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund spielt heute (20.45 Uhr) bei Galatasaray Istanbul.

Die Bundesligasaison war ein paar Sekunden alt, da wurde Matthias Ginter der Ball durch die Beine gespielt. Wenig später lag Borussia Dortmund – der Klub, der in den vergangenen Jahren Titel holte, der ärgste Konkurrent des FC Bayern war und deutlich mehr Spiele gewann als verlor – mit 0:1 gegen Bayer Leverkusen zurück. Ginter stand ratlos da. Das Gefühl, so konträr zum Sommer in Brasilien, hält an – auch zwei Monate später. Beim BVB, bei Ginter und bei den anderen vier Dortmunder Spielern, die sich Weltmeister 2014 nennen dürfen. Ihnen war vorausgesagt worden, dass sie nach dem körperlich und geistig anstrengenden Turnier durch eine schwierige Phase müssen. Die Vorbereitung, in der Grundlagen gelegt werden, war kurz. Das ist ein Grund für die schwache Form Ginters. Mats Hummels, der zudem noch lange verletzt war, spielte am Samstag beim 1:2 in Köln 20 Fehlpässe, wirkte müde, teilweise orientierungslos. Erik Durm, der heute Abend wegen einer Oberschenkelverletzung aussetzen muss, ist nun Stammspieler in der Nationalmannschaft. Wer seine Leistungen dort und im Verein sah, fragt sich: warum? Kevin Großkreutz sagte, die Pause von der deutschen Elf habe ihm gut getan. In Köln fehlte der Beweis. Als Linksverteidiger schleppte sich Großkreutz über den Platz. Nach der erneuten Niederlage sprach er von einer „verdammten Krise“ und versprach den Fans, dass die Mannschaft sie überwinden wird. Als bedürfe es noch eines Beweises, dass gerade die Weltmeister des BVB eine schwierige Phase durchleben, ermöglichte Torwart Roman Weidenfeller den Kölnern mit einem haarsträubenden Fehler das Siegtor. Die kurze Vorbereitung als Folge einer emotional und physisch anstrengenden WM dient nur bedingt zur Erklärung. Die Weltmeister aus München stehen an der Spitze der Torjägerliste (Mario Götze), verteidigen weiter souverän (Jérôme Boateng), halten weiter gut (Manuel Neuer) und – sie gewinnen. Dortmund hat vier der vergangenen fünf Bundesligaspiele verloren. In jedem Spiel kassierte die Mannschaft mindestens einen Treffer, meistens waren es zwei. „Die Art, wie wir Fußball gespielt haben, hat absolut keinen Sinn gemacht“, sagte Trainer Jürgen Klopp zuletzt. Selbst er ist angeschlagen, wirkt ein bisschen verzweifelt. Vor dem Abflug analysierte er gestern: „Wir müssen uns zusammenraufen. Aber bis jetzt haben wir den Kniff noch nicht gefunden.“ Zu den vielen Fragen, die es um den BVB gibt, kommt auch diese: Warum findet er den Kniff in der Champions League? Beim 2:0 gegen den FC Arsenal spielte er brillant, das 3:0 beim RSC Ander-lecht war sehr ansehnlich und souverän. In der Bundesliga zögert die Mannschaft, und es klaffen große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen. Ein Lichtblick ist, dass Marco Reus und Ilkay Gündogan nach ihren Verletzungen wieder einsatzbereit sind. Vermutlich wird Gündogan, der in Köln nach 14 Monaten Pause 90 Minuten auf dem Platz stand, aber bei Galatasaray geschont werden. Die Bundesliga geht vor. Auf Trips wie den in die Millionenstadt am Bosporus, die sich mit makellos blauem Himmel präsentiert, will der BVB in der kommenden Saison nicht verzichten.

x