Kaiserslautern Auf dem Teppich, der die Kulturwelt bedeutet

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Ein Mann auf dem Teppich, der eine kleine Kulturwelt bedeutet, und zwei Gitarren: Mehr braucht es nicht. Entsprechend unspektakulär beginnt der US-amerikanische Gitarrist Richard Gillewitz seinen Auftritt am Donnerstagabend im gut besuchten Salon Schmitt.

Keine Worte an das Publikum, sondern ein beherzter Griff in die Saiten und unwillkürlich startet das Konzert. Im vorausgegangenen Gespräch verriet er der RHEINPFALZ, dass er mehr als 120 Songs auswendig und damit locker acht Stunden am Stück spielen könne. Man durfte also gespannt sein. Dem ersten Stück zum „Warmlaufen“ der Finger folgt die Begrüßung mittels Google-Übersetzung vom Handy: „Guten Abend und vielen Danke, dass du heute Abend heraus kommst!“ Der Entertainer Gillewitz zeigt sich als sympathischer, gut gelaunter Geschichtenerzähler mit kuriosen Stories persönlicher Erlebnisse auf Tour und privat. Die Mischung aus entspannten Gitarrenharmonien und Kurzgeschichten kommt beim Publikum gut an. Selbst bei ruhigsten Stücken ist konzentriertes Zuhören angesagt. Der Gitarrist Gillewitz gönnt seinen Fingern keine Pausen, denn bei seiner Musikrichtung der Fingerstyle-Gitarre geht es gerade darum, in „beidhändigem Saitenkrabbeln“ eine Klangvielfalt zu erzeugen, indem Rhythmus und Melodie ineinander verwoben werden. Er selbst vergleicht das typische Verhalten der Gattung Fingerstyler gar mit dem Laufverhalten von Spinnen. Bei alledem meidet er jegliche Art von Kunstnägeln oder Plastiknagelaufsätzen, obwohl er ausschließlich Stahlsaiten bedient. Das kann er sich aber gut leisten, da seine Arrangements eher durch zurückhaltendes Spiel charakterisiert sind. Da geht es gerade nicht um Effekthascherei (er lehnt für sich auch den Einsatz eines Loopers ab), sondern um das Gefühl in dem Moment. Und das kauft man ihm sofort ab, wenn man ihn mit geschlossenen Augen, versunken in den Klangwellen, vor einem sieht. Eine handgeschriebene Setliste liegt zwar zu Füßen, aber er ändert an diesem Abend häufig spontan seine Titel, weil er in diesem Moment gerade was Anderes passender findet: Ein verschüttetes Glas inspiriert ihn sofort zu einem „wiping-up-the-floor-song“. Da reihen sich gefühlvolle Zupfmuster an groovigen Country-Folk, da wird ein kleiner Ragtime eingefügt, im nächsten Moment folgt ein Hauch Klassik oder gar ein kurzer Touch spanischer Anschlagselemente. Neben einer Reihe eigener Kompositionen ertönen auch etliche bekannte Songs (Beatles, Simon & Garfunkel, Leonhard Cohen, Louis Armstrong, John Lennon), die er in hörenswerte Arrangements gepackt hat. Ab und an sind leise Mitsänger aus dem Hintergrund zu vernehmen. Der ein oder andere hätte wohl gerne mehr Gesang hören wollen. Und nur selten wird es laut und wilder, wenn Richard Gillewitz die Saiten perkussiv bearbeitet und helle Obertöne der Saiten (Flageolett) erklingen lässt. Daneben nutzt er häufig offene Stimmungen (etwa sechs verschiedene Open Tunings) für neue Klangbilder. Da nützt es dem interessierten Zuschauer leider nichts, sich etwaige Fingersätze zu merken, das könnte zuhause auf der normal gestimmten Gitarre einfach nur schrecklich klingen. Gillewitz nutzt bisweilen das gesamte Griffbrett, und wenn es dann noch nicht genug ist, wird halt auf die zwölfsaitige Gitarre gewechselt. Auch diese spielt er in lockerer Manier – ebenfalls in Slideguitar-Spielweise (mit „Flaschenhals“) – und schafft es gar gezogene Töne einfließen zu lassen, was mit doppelt bespannten Saiten nicht einfach ist. Der Lieblingssong seines Hundes entpuppt sich so als tolles Arrangement mit Rhythmuswechseln und erntet kräftigen Applaus. Insgesamt ein gehaltvoller, sehr entspannter Konzertabend mit einem profunden Gitarristen, der sicher noch weit mehr in petto hat. Da war der Abend eben zu kurz, trotz zweier Zugaben. Das Konzert war gleichzeitig auch die erste Zusammenarbeit von Salon Schmitt mit dem Veranstalter Kunstgriff. Konzert Am Dienstag, 25. April, 20 Uhr, gastiert im Salon Schmitt Ályth McCormack. Sie ist eine der führenden schottischen Interpretinnen gälischer Songs, Schauspielerin und Sängerin der Chieftains, einer der weltweit bekanntesten Irish-Folk-Bands. Karten: Abendkasse.

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